Universität Witten/Herdecke: Nachts allein im Krankenhaus: Pflege wird immer komplexer

Pflegewissenschaftler der Universität Witten/Herdecke haben den Nachtdienst in deutschen Krankenhäusern zwei Mal untersucht: 1986-89 und 2010-13 haben sie Pflegekräfte Fragebögen ausfüllen lassen und Interviews zu ihrer Arbeitssituation geführt.

Erste Ergebnisse sind jetzt in der Maiausgabe von „Die Schwester Der Pfleger“ veröffentlicht worden. Dazu in aller Kürze: Weniger Patienten pro Pflegekraft, aber sehr viel aufwendigere Versorgung, weniger „Dauernachtwachen“, höheres Durchschnittsalter, 72 Prozent der Pflegenden ist nachts alleine für die Station zuständig, mehr Demenzpatienten, mehr herausforderndes Verhalten, mehr freiheitsentziehende Maßnahmen.

„Tagsüber werden Patienten von mehreren Pflegenden und Ärzten umsorgt, aber nachts gibt es auf fast allen Stationen nur noch eine Person. Und die muss auch in Krisensituationen die richtigen Entscheidungen treffen. Aus diesem Grund sollte diese Arbeit von besonders qualifizierten Pflegenden übernommen werden“, fasst Prof. Christel Bienstein zusammen, eine der Autorinnen der Studie und Leiterin des Departments für Pflegewissenschaft. Sie widerspricht damit vehement der landläufigen Meinung, dass nachts die Pflegekräfte ja nicht ganz so kompetent sein müssten.

Sie ist selbst „gelernte“ Krankenschwester und hat 2012 und 2013 mehrere Nachtdienste begleitet: „Früher galten einfache Infusionen und Vitalkontrollen als das Äußerste, was im Nachtdienst medizinisch lief, ansonsten war waschen und Essen reichen angesagt. Heute laufen auch nachts fast in jeder Infusion andere Medikamente mit, Peritoneal Dialysen (Bauchfelldialysen), kontinuierliche Monitorüberwachung und Wundmanagement stellen viel höhere Anforderungen“, schildert sie die gestiegenen Anforderungen.

Weitere Informationen:
www.uni-wh.de/uploads/media/Bienstein_Nachts_im_Krankenhaus.pdf
www.uni-wh.de/gesundheit/pflegewissenschaft/veranstaltungen/

Titelbild: Prof. Christel Bienstein. Foto: Universität Witten/Herdecke