FrauenForum Münster stellte Projekt „Gender Inside ÜSB“ vor


Sie haben schlechtere Noten, wenig konkrete Vorstellungen von ihrer Zukunft und sind beruflich oft ohne Perspektiven. Jungen scheinen die Benachteiligten von heute zu sein. Aber trotz besserer Schulabschlüsse nehmen Mädchen den Wettbewerb um Ausbildungsplätze oft nicht auf oder haben das Nachsehen. Und trotz des Fachkräftemangels in technischen Berufsfeldern gibt es keine sichtbare Steigerung des Frauenanteils.

Frauen- und Männerberufe sind nicht das einzige Problem
Warum Geschlechterunterschiede bei der Berufswahl eine so große Rolle spielen und wie Angebote zur Berufsorientierung das verändern können, war das Thema eines Projektes, das das FrauenForum Münster e.V. in diesem Jahr durchgeführt hat und das jetzt zu Ende geht.

"Projekte können besser werden, wenn sie die Geschlechterperspektive bewusst in die Berufsorientierung aufnehmen", ist Gerlinde Amsbeck vom FrauenForum überzeugt. Sie leitete das Projekt Gender Inside ÜSB (Übergang Schule-Beruf) im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW, in dem sich 10 Projekte aus ganz NRW der Aufgabe stellten, ihre Arbeit, ihre Instrumente und Methoden mit Mitteln des Gender Mainstreaming zu überprüfen – und besser zu machen. "Das Problem erschöpft sich nicht darin, dass Mädchen noch immer schlecht bezahlte und frauentypische Berufe wählen und Jungen eher männlich besetzte Berufsfelder", sagt Gerlinde Amsbeck. "Wir müssen die Frage auch in einem demografischen und wirtschaftlichen Zusammenhang sehen."

Mädchen sollten Praktika machen – Jungen sollten reden
Im Rahmen einer Fachtagung mit mehr als 100 Teilnehmern und Teilnehmerinnen in Münster wurden jetzt die Ergebnisse präsentiert. Was zunächst abstrakt klingt, war für die Beteiligten ganz konkret. Manchmal geht es nur darum genauer hinzugucken, um herauszufinden, wie Mädchen und Jungen ihre Wege finden. "Bei der Arbeit mit Jugendlichen, die keine Orientierung haben, zeigte sich, dass Mädchen vielleicht mehr Praktika machen und die Jungs eher über ihre Ziele reden sollten." Beim Blick auf die Berufswünsche von Jugendlichen fällt auf, dass Jungen oft sehr unkonkrete Vorstellungen haben, Mädchen dagegen häufig sehr realistisch planen. Und berufliche Perspektiven sind immer mit Lebensplänen verbunden: Wie partnerschaftlich stelle ich mir eine Beziehung vor? Welchen Stellenwert hat der Beruf in meinem Leben?

Wer mit Jugendlichen an der Frage arbeitet, wie Geschlechterrollen und berufliche Pläne verknüpft sind, muss bei den eigenen Rollenvorstellungen anfangen. "Es geht nicht ohne Schulung", sagt Gerlinde Amsbeck. Im Projekt Gender Inside ÜSB waren es die sieben so genannten Flying Experts, die als Gender-Expertinnen und -experten Beratung und Begleitung anboten. In Fachworkshops wurden Strategien entwickelt, in Jokerworkshops Fragen vertieft.

Schulen können profitieren
"Von den Ergebnissen des Projektes können auch die zukünftigen Studien- und Berufswahlkoordinatoren in NRW profitieren", glaubt Gerlinde Amsbeck. Auch weil Instrumente, mit denen in den Schulen gearbeitet wird, wie der Berufswahlpass, unter die Gender-Brille gelegt wurden. Für alle, die nicht aktiv dabei waren, gibt es eine Broschüre ("Es geht mehr") mit einer Zusammenfassung der Projektergebnisse, für die konkrete Arbeit außerdem einen über 100-seitigen Werkstattkoffer zum Download.

Weitere Informationen:
www.frauenforum-muenster.de

(Der Link wurde am 24.01.2008 getestet.)

Bild: Die Broschüre "Es geht mehr" zum Projekt Gender Inside ÜSB präsentieren Ute Mankel (G.I.B. NRW) sowie Gerlinde Amsbeck ( FrauenForum e.V.). Foto (Detailaufnahme): Ulrike Dammann.