VDI: Frauen starten durch – trotz aller Hindernisse (Nachbericht)


Denn Frauen machen Technik anders. Doch der Weg der Ingenieurinnen in der von Männern geprägten Technikwelt steckt immer noch voller Hindernisse. Das wurde beim bundesweiten fib-Kongress des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) deutlich, den der VDI-Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe in Bielefeld ausrichtete.

Rund 350 Ingenieurinnen, Studentinnen und Personalverantwortliche aus der Wirtschaft befassten sich in Workshops, Exkursionen und Vorträgen mit Zukunftsthemen und deren technischen Lösungen. Die Palette reichte von Biotechnologie und Robotik über Informationstechnologie und erneuerbare Energien bis zu Nano- und Medizintechnik. Neben aller Fachexpertise zog sich dabei ein wesentliches Thema durch den gesamten Kongress: Wie gelingt es, mehr Frauen dauerhaft in den Ingenieurberufen in Wirtschaft und Wissenschaft zu halten und ihre eigenen Konzepte von technischer Entwicklung und Kreativität umzusetzen? Hier sahen die Ingenieurinnen noch erheblichen Nachholbedarf für Deutschland und stellten das Memorandum „Für eine bessere Zukunft “ Visionen der VDI Frauen im Ingenieurberuf“ der Öffentlichkeit vor.

Das Memorandum richtet sich gleichermaßen an Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik. Darin wird den Verantwortlichen verdeutlicht, dass Frauen sich nicht mehr vor die Entscheidung zwischen Beruf und Familie zu stellen bereit sind, sondern gleichberechtigt auf allen Hierarchieebenen mitwirken wollen. Dabei wollen die Ingenieurinnen zusammen mit den Unternehmen Ansätze weiter entwickeln, die den Beschäftigten Ingenieurinnen beispielsweise Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen zu ermöglichen. Dabei sollten die Personalentwickler in der Wirtschaft heute erkennen, dass sich die Rollen von Frauen und Männern in Beruf und Familie längst veränderten. Flexible Arbeitszeitmodelle, Fortbildungsangebote auch für Frauen mit Familie und Betriebskindergärten ermöglichen den Betrieben eine höhere Frauenquote. Damit werde der verstärkte Einsatz von „Mixed Teams“ möglich “ mit positiven Folgen für Qualität und Marktakzeptanz der Produkte.

Außerdem werden die Kongressteilnehmerinnen solche Vorhaben weiter ausbauen, die mehr Mädchen schon früh “ in Grundschule und Kindergarten “ für technische Berufe begeistern. Denn noch immer sind Frauen in Ingenieurberufen deutlich unterrepräsentiert. Ihr Anteil liegt bei rund zehn Prozent. Zwar sind Fortschritte seit der Gründung von fib vor 25 Jahren unverkennbar. Der Anteil der weiblichen Studierenden in Ingenieurfächern hat sich seither mehr als verdoppelt, und die Zahl der Frauen im VDI stieg deutlich von 300 auf 8.000. Doch die Situation bleibe sowohl für die Frauen selbst als auch für die deutsche Wirtschaft und Wissenschaft unbefriedigend, wie die langjährige fib-Vorsitzende und Vizepräsidentin der Technischen Fachhochschule Berlin, Prof. Dr. Burghilde Wieneke-Toutaoui, betont.

Dabei gehe es nicht nur darum, mehr junge Frauen in technischen Berufen auszubilden. Vielmehr müssten auch für die Ingenieurinnen nach dem Studienabschluss attraktive Karrieremöglichkeiten eröffnet sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert werden. „Viele Ingenieurinnen erleben mit etwa 30 Jahren bei ihrem beruflichen Werdegang die „gläserne Decke“. Während Männer mit ähnlicher Qualifikation die Karriereleiter weiter erklimmen, ist für viele Frauen hier Schluss. Und zwar nicht allein, weil sie ein Kind bekommen, sondern weil sie eines bekommen könnten.“ Und auch Margrit Harting, Generalbevollmächtigte Gesellschafterin eines mittelständischen Technikunternehmens aus Espelkamp, bestätigt: „Wenn Frauen Karriere machen wollen, dürfen sie sich Babypause und Teilzeitbeschäftigung in der Regel immer noch nicht erlauben.“

Einhelligkeit herrschte bei den Teilnehmerinnen des fib-Kongresses, dass die Situation von Frauen in Ingenieurberufen nicht nur zu verbessern sei, um dem quantitativen Fachkräftemangel zu begegnen.

Wirtschaftsministerin Christa Thoben betont stattdessen, dass Frauen die Emotionalität und intuitive Kreativität in die Produktentwicklung einbrächten, die Männer “ fixiert auf Rationalität und Funktionalität “ häufig vermissen ließen. Frauen brächten eine andere Perspektive in technische Planungen ein, die bislang häufig von Männern für Männer erstellt würden. Deshalb: „Um intelligente Lösungen für die Zukunft zu finden, braucht es uns, meine Damen!“

Text und Foto: VDI/fib-kongress
Weitere Informationen:
www.vdi.de/owl und www.vdi.de/fib-kongress

(Die Links wurden am 17.10.2007 getestet.)

Bild: Aus den Händen von Dr. Sonja Heitmann vom Kongressteam (Mitte) nahmen (v.l.) Prof. Dr. Beate Rennen-Allhoff, Rektorin der FH Bielefeld, Miele-Personalentwicklerin Sabine Kumlehn, VDI-Vorstandsmitglied Sylke Pageler und Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann das Memorandum entgegen.