Krimiautorin Friederike Schmöe mit „Januskopf“


In welchem Ort/Region ermittelt Katinka Palfy diesmal?
Alles beginnt mit einem ungeklärten Todesfall in Königsberg (in Bayern, nicht Ostpreußen). Katinka erobert sich also einen Teil Unterfrankens, kehrt aber immer wieder nach Bamberg zurück.

Handelt es sich beim Täter um eine weibliche oder männliche Person?
Das verrate ich nicht, aber ich versuche, in den einzelnen Bänden zwischen Tätern und Täterinnen abzuwechseln.

In welchem Milieu spielt sich die Handlung ab?
In einer Familie. Ewald Isenstein, der Familienvater und Ehemann, leidet seit einem Unfall an Persönlichkeitsspaltung und fügt sich nicht mehr artig ins Familienleben ein. So entstehen Begehrlichkeiten und Konflikte, und das mühsam aufrechterhaltene „Wir halten zusammen“ bricht ein. Familien sind für mich als Krimiautorin wirklich ein Thema, denn dieses Milieu kennen alle Leser! „Familie“ wird so hochgepriesen im Augenblick, dass der Terror, den Familien auf ihre Mitglieder ausüben können, ganz aus dem Blick gerät.

Wie oder wodurch unterscheidet sich "Januskopf" von den bisherigen Palfy-Fällen?
In „Januskopf“ streife ich eines meiner wissenschaftlichen Lieblingsgebiete, die Hirnforschung. Als Linguistin beschäftige ich mich u.a. mit sprachlichen Krankheitsbildern z.B. Aphasie, also Sprachverlust, durch Schlaganfall oder Sprachverarmung bei Demenz. Es gibt andere Erkrankungen, die das Sprachvermögen und Sprachverhalten beeinflussen können, so das Syndrom, an dem die Figur des Ewald Isenstein leidet: Hypergraphie, Schreibwahn. Katinka Palfy kommt als Privatdetektivin ins Spiel, weil Ewald anonym eines Verbrechens beschuldigt wird, aber Katinka glaubt bis zuletzt an seine Unschuld … Außerdem gibt es einen Schwenk zur Literaturgeschichte, denn E.T.A. Hoffmanns bekanntes Werk „Die Elixiere des Teufels“ spielt eine Rolle für die Morde in „Januskopf“. Gut, dass Protagonist Kriminalhauptkommissar Harduin Uttenreuther ein Bücherwurm ist und rechtzeitig bemerkt, dass jemand die „Elixiere“ „nachspielt“! (Das Besondere: E.T.A. Hoffmann hat eine Weile in Bamberg gelebt. Er kam 1808 als Musikdirektor ans Bamberger Theater. Deswegen gibt’s nächstes Jahr ein 200jähriges Jubiläum)

Wie entwickelte sich – rückblickend betrachtet – die Nachfrage nach Ihren Kriminalromanen? Bzw. hat sich die Figur "Katinka Palfy" beim Lesepublikum etabliert?
Wir sind sehr zufrieden mit den Verkaufszahlen. Auch „Schockstarre“, Katinkas fünfter Fall, geht schon in die zweite Auflage. Maskenspiel und Kirchweihmord erscheinen in vierter Auflage. In Nordbayern ist Katinka bei den Krimilesern also etabliert. Ich arbeite jetzt daran, sie überregional noch bekannter zu machen.

Woran arbeiten Sie derzeit?
An Katinkas siebtem Fall. Er soll im Februar 2008 erscheinen. Außerdem schreibe ich Kurzkrimis; im August erscheint ein Klimakrimi aus meiner Feder in der Bayerischen Staatszeitung, und in Bamberg ist eine Krimi-Rätsel-Rallye geplant, zu der ich die Hintergrundgeschichte schreibe.