ARD Degeto: Jutta Speidel und ihre Doppelgängerin (Sendetermin verschoben)


Dass es sie zweimal geben könnte, ist ein komischer Gedanke. Doch in der ARD Degeto-Produktion „Doppelgängerin“ verkörpert Jutta Speidel zwei Frauen, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen.

Es heißt ja, jeder Mensch habe einen Doppelgänger – in der TV-Komödie mit Heiner Lauterbach begegnen sich die beiden, was zu Turbulenzen führt. Wie steht sie zur These des Doppelgängers? „Ich finde es sehr reizvoll, dass es so etwas gibt, ohne dass Verwandtschaft besteht oder ein bisher unbekannter Zwilling plötzlich auftaucht. Ein Mensch, der so aussieht wie man selbst und dennoch einer anderen Welt angehört.“

Die beiden Charaktere – Emma Stöckel, eine grundsolide Handwerksmeisterin und Hedwig von Auenstedt, eine hochnäsige Baulöwin – sind höchst unterschiedlich. Scheint keine leichte Aufgabe zu sein, manchmal am selben Drehtag beide Frauen zu spielen. Jutta Speidel hat für Emma und Hedwig z. B. unterschiedliche Gangarten und unterschiedliche Mimik entwickelt. „Man muss schon sehr sattelfest sein, damit nichts vermengt wird.“ Sicherlich ein Fest für Speidel-Fans.

Warum liebt das Publikum Jutta Speidel? „Da müssen Sie das Publikum fragen!“, meint sie und sagt nach kurzem Zögern: „Vielleicht weil ich authentisch und eine gute Schauspielerin bin. Die Menschen fühlen sich angesprochen.“ Klar, sie spielt ja keine Kunstfiguren. „Ich würde gerne auch eine Kunstfigur spielen!“, hält sie dagegen, „wie etwa Mae West, aber am Theater.“ Oder Marlene Dietrich oder die Piaf. „Schauspielerei umfasst große Verwandlung, auch in eine Kunstfigur“.

Dass es für Schauspielerinnen jenseits der 40 keine tollen Rollen mehr gibt, dass kann die geborene Münchnerin nun wirklich nicht bestätigten. „Ich bekomme viele schöne Rollen angeboten. Vielleicht liegt das daran, dass ich mir sehr viel Eigenständigkeit erarbeitet habe. Es ist sehr wichtig, als Schauspielerin nicht austauschbar zu sein.“

Theater ist ihre Liebe von Jugend an. Sie hat u.a. die Elektra gespielt und in einem Tennessee Williams-Zyklus mitgewirkt. 2012 wird sie in einem Ein-Personen-Stück des österreichischen Dramatikers und Kabarettisten Stefan Vögel auf der Bühne in der Kleinen Komödie im Bayerischen Hof in München stehen. „Die Baumfrau“ handelt von einer Frau, die in einer außergewöhnlichen Lebenssituation einen Dialog mit sich selbst führt. Das zweistündige Stück (incl. Pause) stelle für sie eine ganz neue Herausforderung dar.

Und die liebt sie. Und hat Erfolg damit – wie mit ihrer Initiative „HORIZONT“, die sich um obdachlose Kinder und deren Mütter kümmert. „HORIZONT“ feiert 2012 den 15. Geburtstag. Jutta Speidel will den Geburtstag nutzen, um das Thema „Das obdachlose Kind in Deutschland“ noch mehr in die Köpfe und Herzen der Bürger bringen.

Zu tun hat sie also genug. Bleibt da noch Zeit für ein Hobby, das Spaß macht, als Ausgleich für den Stress? „Wie bitte, Hobby, Stress?“ Jutta Speidel ist amüsiert bis leicht pikiert. „Bei mir gibt es keinen Stress. Alles was ich mache, tue ich gerne. Ich liebe meinen Beruf. Er ist anstrengend, auch die Arbeit für „HORIZONT“ ist anstrengend und zeitfüllend.“ Und dann habe sie schließlich noch Familie incl. Hund. Sie lebt abwechselnd in München und in Rom, der Heimat ihres Lebensgefährten Bruno Maccallini. „Alles ist eine Organisationsfrage. Mal steht das eine, mal das andere im Vordergrund, aber alles muss bedient werden. Ich mache das mit großer Freude und Dankbarkeit.“
Das Interview führte Doris Losch

„Doppelgängerin“ wurde verschoben auf: Freitag, 16. März um 20.15 in der ARD.

Weitere Informationen:
www.ard.de

Bildunterschrift: In der ARD Degeto-Produktion „Doppelgängerin“ verkörpert Jutta Speidel zwei Frauen, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen. Foto: ARD Degeto Erika Hauri

(Der Link wurde am 14.01.2012 getestet.)