Krimiautorin Friederike Schmöe: „Bücher sollen Kinder- und Jugendträume erfüllen“


Wie kann man Jugendliche zum Lesen von Büchern „bringen“? Dieser Frage ging Friederike Schmöe, bekannt durch ihre Kriminalromane mit der pfiffigen Privatdektivin Katinka Palfy, nach und sprach mit Schülerinnen und Schülern drei unterschiedlicher Schultypen.

Auf Einladung der Lehrer las Friederike Schmöe aus ihrem Kriminalroman „Fratzenmond“ (erschienen im Gmeiner-Verlag, Meßkirch) und diskutierte mit jungen Menschen, welche Bücher ihnen gefallen könnten und wie Bücher sein müssen, damit sie sie lesen. Sie unterhielt sich mit Schülerinnen der 12. und 13. Klasse eines Mädchengymnasiums sowie mit Schülerinnen und Schülern einer Realschule in Bamberg. Die dritte Diskussions- und Leserunde fand mit den Preisträgern des Wettbewerbs „Jugend schreibt“ aus Coburg statt. Es waren Schüler aller Schularten dabei.

Frage: Sie haben im April, Mai und Juni dieses Jahres auf Einladung der Lehrer einige Lesungen und Diskussionen in Schulen zum Thema "Lesen" gehabt? Wie haben die jungen Leute darauf reagiert bzw. wie liefen diese Veranstaltungen?
Es gab ganz unterschiedliche Reaktionen. Die Mädchen des Gymnasiums, die sich im Rahmen ihrer Kollegstufe akribisch vorbereitet hatten, stellten mir eher praktische Fragen zum
literarischen Alltag in Deutschland. Sie wollten beispielsweise wissen, wie Autoren leben, wieviel Geld man verdient oder wie ein Manuskript beschaffen sein muss, wenn man es einem Verlag sendet. Was das Lesen von Büchern angeht, so habe ich festgestellt, dass es dort viele Jugendliche gibt, die Bücher gerne lesen. Bei den Schülerinnen und Schülern der Realschule staunte ich allerdings über eine durchaus clevere Frage. So wollte ein
Mädchen wissen, ob es Autoren gibt, die aus Büchern anderer Autoren Texte klauen würden “ eine Anspielung auf die derzeitige Diskussionen über einen aktuellen Bestseller. Was ich geantwortet habe? Nun, natürlich besteht die Gefahr des Kopierens, für mich und meine Arbeit allerdings kommt Plagiieren natürlich in keiner Weise infrage. Bei den Coburgern war es so, dass die Mädchen und Jungen bei einem Schreib-Wettbewerb die Endrunde geschafft hatten. Der 1. Preis bestand in einer Fahrt nach Bamberg ins Marionettentheater sowie einem Besuch bei mir; wir haben uns in einem Lokal getroffen, zu Mittag gegessen, uns unterhalten, ich habe einen Ausschnitt aus „Fratzenmond“ gelesen und anschließend wurden viele Fragen gestellt und diskutiert.

Frage: Warum ist Lesen für Kinder und Jugendliche wichtig?
Hierzu gibt es zwei Gesichtspunkte. Lesen ist deshalb wichtig, weil Literatur menschliche Erfahrungen bündelt. Literatur hat die Fähigkeit, menschliche Erfahrungen in den Kopf des Lesers hineinzuführen. Aus Lesersicht kann man diese Erfahrungen mit den eigenen Erfahrungen reflektieren. Darin liegt ja im wesentlichen das Faszinierende der Literatur.
Das zweite Argument, warum Lesen so wichtig ist, besteht darin, dass der Leser seine sprachliche Ausdrucksfähigkeit trainieren kann. Das ist auch ein ganz wichtiger Aspekt
für das Zusammenleben in einer Demokratie; denn wer sich klar und deutlich zu artikulieren versteht, kann seine persönlichen Intentionen zum Ausdruck bringen und ist
nicht wegen seiner „Sprachlosigkeit“ frustriert, sondern kann – sprachlich gewandt – zu Konfliktlösungen mit beitragen.

Frage: Wie beurteilen Sie die Lesebereitschaft von Kindern und Jugendlichen?
Natürlich kann ich aufgrund der mit den jungen Menschen geführten Gespräche keine repräsentativen Aussagen machen. Mein subjektiver Eindruck ist jedoch, dass es immer noch Jugendliche und Kinder gibt, die gerne lesen. Es gibt sie noch “ die Leseratten, die sich in Buchhandlungen informieren und nach geeignetem Lesestoff stöbern. Man konnte es ja beobachten, das „Harry Potter“-Buch wurde regelrecht zu einem Event gemacht, Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene standen ja Schlange vor den Buchhandlungen.

Frage: Wenn man Kinder und Jugendliche ans Lesen heranführen möchte, was muss man dazu tun bzw. was darf man auf keinen Fall tun?
Man darf vor allem keinen Zwang ausüben “ darin liegt ja auch eines der Probleme der Schule. Dort muss ein gewisser Lesestoff durchgenommen werden, egal, ob es den Schülern passt oder nicht. Mir erging es als 14-Jährige so. Ich musste das Fontane-Buch „Effi Briest“ lesen “ es gehörte einfach nicht zu meiner Altersgruppe. Ich fand es so öde, dass ich es, einmal beendet, zur Seite legte und nie wieder zur Hand nahm. Also, wichtig ist es, den Lesestoff aus der Lesewelt der Kinder auszuwählen.

Frage: Sicherlich mögen Mädchen und Jungen unterschiedliche Themen? Falls, ja, inwiefern unterscheiden sich die Themen?
Ja, es werden unterschiedliche Themen favorisiert. Die Mädchen mögen mehr Pferde- und Internatgeschichten, die Jungen stehen auf „wilden Fußballkerlen“. Aber unabhängig vom Thema, die Romanfiguren müssen glaubwürdig sein, wenn es um Freundschaft, Wahrheit und Mut geht. Die Themen bzw. die Figuren müssen stellvertretend für die Kinderträume sein und die Möglichkeit bieten, beim Lesen aus der eigenen Enge ausbrechen zu können.

Frage: In welchem Alter haben Sie zu lesen begonnen?
Ich bin sehr glücklich, dass meine Eltern mir als Kleinkind immer sehr viel vorgelesen haben. In kindlicher Ungeduld habe ich dann schon bald mit dem Lesen selber angefangen, weil ich es satt hatte zu warten, bis mir jemand etwas vorlas. Meine Eltern sind mit mir auch zur Buchhandlung gegangen und wir haben gemeinsam die Bücher ausgewählt.

Frage: Was haben Sie damals am liebsten gelesen?
Meine Favoriten waren „Karlsson vom Dach“ von Astrid Lindgren, von der ich fast alle Bücher verschlungen habe. Klasse war damals für mich „Tom Sawyer“ von Mark Twain und später auch Krimis, etwa von Alfred Hitchcock „3 Fragezeichen“, Romane, bei denen die Leser miträtseln konnten.

Frage: Welche Sujets favorisieren Sie? Welche Autoren lesen Sie heutzutage am liebsten “ falls Ihnen vor lauter Selberschreiben noch Zeit fürs Lesen anderer Autoren bleibt?
Ich lese eigentlich immer und auch viele unterschiedliche Bücher. Nicht nur Krimis sondern auch Themen wie Science Fiction und Fantasy. Lyrik hat es mir auch angetan.
Derzeit lese ich zum Beispiel ein Buch von Marie-Luise Kaschnitz. Tief beeindruckt hat mich auch das Buch „Tintenherz“ von Cormelia Funke, ein faszinierendes Buch über Bücher.

Frage: Sie schreiben Krimalromane für Erwachsene “ wann kann man mit einer weiteren Fortsetzung eines Katinka Palfy-Krimis rechnen? Und: Würden Sie auch für Kinder und Jugendliche Kriminalromane schreiben?
Ohne zu viel verraten zu wollen: Voraussichtlich im Februar 2007 wird der 5. Katinka Palfy-Krimi erscheinen. Krimis für Kinder und Jugendliche? Nun, diese Leserzielgruppe könnte mich reizen, aber auch die Sujets Fantasy und Science Fiction klingen verlockend.

Das Interview führte: Brigitte Karch

Hintergrund:
Friedrike Schmöe arbeitete mehrere Jahre als wissenschaftliche Assistentin und Lehrerin
für Deutsch als Fremdsprache an der Universität Bamberg. Derzeit ist Sie als Privatdozentin im Fach Linguistik in Bamberg und Saarbrücken tätig.

Weitere Informationen: www.friederikeschmoee.de

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