Ingrid Noll: „Ehrenwort“


Ingrid Noll zeigt auch in diesem Krimi-Familienroman wie facettenreich sie Charaktere nach zu zeichnen vermag. Sie scheut sich keineswegs, ihren Finger auf nur allzu Menschliches zu legen. Mit unverhohlenem Sinn für Bitterböses schildert sie Unaufrichtigkeit, Verschrobenheit, Unrechtes wie sie in fast jeder Familien anzutreffen sind. Dass es der Autorin zudem gelingt, trotz unterschwellig-deutlicher Sozialkritik, einen spannenden Kriminalroman zu verfassen, liegt ganz einfach an ihrer unglaublichen Beobachtungsgabe und treffsicheren Schreibe, inklusive nachsichtigem Augenzwinkern.

Zum Inhalt selbst sei soviel verraten: der hochbetagte Opa und Wittwer Willy Knobel muss ins Krankenhaus, später zur Reha. Ginge es nach dem Willen seines Sohnes Harald würde er in ein Pflegeheim verbracht. Doch Schwiegertochter Petra will den alten Mann zu Hause pflege, da er es ja ohnehin nicht mehr lange machen wird. Enkelsohn Max gelingt es jedoch, den fast 90-Jährigen mit einer Vanille-Pudding-Kur wieder Leben einzuhauchen. Sehr zum Bedauern seiner Eltern, deren bisheriger Lebensrhythmus dadurch ziemlich durcheinander gerät.

brikada-Bewertung: Ein Familienroman, verpackt als Krimi oder auch umgekehrt. Teilweise fast beängstigend treffgenaue Situationsbeschreibungen – wenn auch stets mit scheinbarem Augenzwinkern.
Brigitte Karch

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Ingrid Noll: "Ehrenwort", Roman, Hardcover Leinen, 336 Seiten, 21.90 Euro, ISBN 978-3-257-06760-6, erschienen im Diogenes Verlag, Zürich.

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