Deutsche Kinemathek zeigt „Romy Schneider. Wien – Berlin – Paris“ (verlängert)


Das Museum für Film und Fernsehen präsentiert seit kurzem eine Ausstellung der etwas anderen Art. Hinter dem Titel vermutet man eine der üblichen Hommagen, die sich dem Leben und Oeuvre einer Künstlerin widmen. Hier posthum und zum vielleicht (verspäteten) 70. Geburtstag der Schauspielerin. So einfach hat man es sich aber nicht gemacht. Zwar stellt man hier mit Romy Schneider eine dcr bekanntesten Schauspielerin ins Scheinwerferlicht, beleuchtet aber Nischen ihres Lebens, die selbst Kennern ihrer filmischen und privaten Biographie bisher verborgen geblieben sein dürften.

Wie Dr. Daniela Sannwald, die Kuratorin, in der Pressekonferenz erläuterte, handelt es sich vielmehr um eine "Anlass-lose Ausstellung". Große Mühe hat man sich gegeben, auf 450 qm Ausstellungsfläche die insgesamt 275 Exponate zusammenzustellen, die Besuchern unbekannt sein dürften.

Renommierte Fotografen haben ihre Archive geöffnet und unveröffentlichtes Material zur Verfügung gestellt, die den Betrachter staunen lassen. Dinge aus ihrem Privatbesitz, die den Betrachter nachdenklich stimmen. Die "abgewandte" Seite der berühmten Romy, die die Leinwand nicht zeigte. Dabei handelt es sich keineswegs um neugierig-sensationslüsterne Blicke in ihr bewegtes Privatleben. Dies war ja in den wenigen Jahrzehnten ihrer Schaffenszeit zur Genüge Gegenstand der Boulevardpresse.

In den Rahmen der Ausstellung stellten die Initiatoren fünf Bereiche, die sich zwar biographisch am Leben der Künstlerin orientieren, sich thematisch aber überlappen, da Beruf und Privatleben sich gegenseitig ergänzten, bedingten, auch erklärten.

Mit den Titeln "Tochter", "Aufbruch", "Weltstar", "Zerstörung" und "Mythos" versuchte man, dem Phänomen Romy Schneider näher zu kommen, der Schauspielerin, die in ihren Rollen auch einen Teil ihres Wesens preisgab. Ergänzende Zeugnisse liefern Dokumente aus ihrem Privatleben, private Fotos, Randnotizen, Drehbücher, Blick in Drehpläne, Briefwechsel mit berühmten Regisseuren.

Welche impulsive und leidenschaftliche Persönlichkeit Romy Schneider in ihrem Wesen war, lässt sich ihren privaten Briefen, ihrem Schreibstil, ihrer Wortwahl, die ihre Gefühlswelt widerspiegeln, entnehmen, z.B. an Maria Schell oder Marlene Dietrich. Überschwänglich bedankt sie sich da in großen kräftigen Schriftzügen, die so gar nicht zu ihrer figürlich eher kleinen Statur (Original-Kostüme) zu passen scheinen, mit den Worten "Marlene, … meine Freundin … Dank Dir für Alles, Verständnis … Deine doofe Romy."

Überhaupt überrascht sie mit einer schwungvollen flüssigen Handschrift, die beweist, dass sie sehr viel und fleißig geschrieben hat. Wie man weiß, war es ihr ein besonderes Anliegen, ihre Fan-Post selbst zu beantworten.

Die Leidenschaft, mit der sie sich ein neues Leben in Frankreich aufbaute, die Landessprache erlernte, die sie in ihre Filmarbeit steckte, zeichnete sie auch im Privatleben aus, das von wenig Glück und viel Dramatik begleitet war. Dem rastlosten Berufs- und Privatleben, dieser Zerrissenheit, hielt ihre Gesundheit bekanntermaßen nicht stand.

Natürlich gibt es Filmkostüme, diverse Filmausschnitte, wobei Liebhaber alter Original-Filmplakate natürlich auf ihre Kosten kommen. Erinnern Sie sich noch an frühe Streifen wie "Kitty und die große Welt" (1956), "Scampolo" (1956), "Robinson soll nicht sterben" (1957), "Ein Engel auf Erden" (1959) oder gar an "Läufer" (1964), "Schornstein Nr. 4" (1966), "Der verkaufte Tod" (1979)? Sie dachten, Sie kannten alle ihre Film?

Gelungen erscheint die Idee, ihre Rolle der Verkörperung der österreichischen Kaiserin separat in kleine Ausstellungsräume zu verbannen, die zwar ebenfalls in der 1. Etage, aber durch den Fahrstuhl des Treppenhauses getrennt, untergebracht sind. So kommen durch die Komplettierung zwar auch die Anhänger dieses Teils ihrer Filmkarriere, die sie so gern abstreifte, auf ihre Kosten. Doch die räumliche Trennung zollt auf diese Weise der Zäsur Tribut, die auch die Schauspielerin vornahm, als sie sich von der historischen Figur löste.

Vielleicht beinhaltet ihre Professionalität, ihre im Ausland in Landessprache gedrehten Filmstreifen selbst zu synchronisieren, einen versteckten Hinweis darauf, nicht nur mit ihren Rollen und ihrem Gesicht, sondern auch mit ihrer eigentümlichen Stimme in (geliebter) Erinnerung bleiben zu wollen – auf der Suche nach vermisster Zuneigung in zu kurzer Jugend, enttäuschter Liebe in ihrem Privatleben. Wie bemerkte sie doch einmal: …" man ist so schnell vergessen …".
Diese einzigartige Ausstellung beweist – sie ist es nicht!
emb

Zur Ausstellung erschien ein Katalog. Daniela Sannwald, Peter Mänz (Hrg.): Romy Schneider. Wien-Berlin-Paris", Henschel Verlag, Berlin 2009, 112 Seiten, 90 Abb., 14,90 Euro.

Die Sonderausstellung wurde aufgrund des großen Erfolgs
bis zum 29. August 2010 verlängert.
. Sie ist in der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen Berlin zu besichtigen.

Weitere Informationen:
www.deutsche-kinemathek.de

Bildunterschrift: Romy Schneider, 1972 © Georges Pierre. Quelle: Cinèmathèque française

(Der Link wurde am 13.04.2010 getestet.)