Ulrike Thimme: „Danke, Mister Newton“


Das Bild von Shmuel Shapiro steht im Schaufenster einer Galerie in Hannover, wo sie ihre kränkelnde unzufriedene Mutter regelmäßig besucht. Begeisterung für Bilder, Wissensdurst auf die Welt der Kunst erwachen in ihr, wofür ihr nüchterner Mann, der unglücklicherweise im gleichen Jahr vorzeitig in Rente geschickt wird, keinerlei Verständnis hat. Bettina verliebt sich in den Galeristen Roberto. Parallel zu ihren neuen Erfahrungen liest sie das zufällig in ihre Hände geratene Tagebuch ihrer Mutter aus dem Jahr 1944, als die damals Siebzehnjährige einen französischen Zwangsarbeiter geliebt hat. Die Tochter lernt ihre Mutter besser verstehen und darüber hinaus fast unmerklich manches für ihre eigenen Lebensentscheidungen.

Aus der Perspektive von Bettina, der Hausfrau mit dem naiven Durchblick, wie jemand im Buch sie einmal nennt, werden anschaulich einige Werke zeitgenössischer Künstler, u.a. des Aktfotografen Helmut Newton, beschrieben, aber auch die Partnerproblematik im Rentnerdasein und die Spannung zwischen zwei Frauen verschiedener Generationen geschildert.

brikada-Bewertung: Die Verquickung von Befindlichkeiten der Romanhauptfiguer mit den Tagebuchaufzeichnungen der Mutter führt zum geschickt verwobenen Handlungsablauf. Die intensive Beobachtungsgabe der Autorin und ihr unaufgeregter Schreibstil sorgen für Lesefreude. Eine einfühlsame Unterhaltunglektüre zwischen Kunstdiskussionen, unerwiderter Liebe und unterschiedlichen Mutter-Tochter-Ansichten. Lesenswert!
bk

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Ulrike Thimme: "Danke, Mister Newton", 216 Seiten, Broschüre, 9,90 Euro ISBN 978-3-7650-8395-2, erschienen im G. Braun Buchverlag

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