Rebekka Braun: „Ich will immer 100 Prozent bringen“


Deutschland gehört zu den Ländern mit der längsten Tradition in dieser Sportart und hat sich als Minimalziel eine Medaille gesetzt. An dem Wochenende 27./28. März wird die Deutsche Nationalmannschaft zum ersten Trainingscamp zusammen kommen. Nach dem Camp werden die 45 Athletinnen nominiert, die Deutschland bei der historischen Premiere in Stockholm vertreten dürfen. Mit in Stockholm werden auch die USA, Kanada, Österreich, Finnland und die Gastgeber Schweden dabei sein.

American Football ist eine moderne und aufstrebende Sportart. Sie ist nicht nur in den USA die Nummer eins, sondern wird weltweit gespielt. Nationen wie Japan blicken auf eine über siebzigjährige Geschichte im Herrenbereich zurück. In Deutschland wird Football seit 1978 gespielt und seit 1989 sind auch die Frauen aktiv.

Für das erste Camp der Frauennationalmannschaft wurden auch zahlreiche Spielerinnen aus der 2. Damenbundesliga eingeladen. Eine davon ist die 23-jährige Rebekka Braun aus Mainz. Im Gespräch mit brikada gab sie Auskunft über ihr Football-Angagement.

Du bist beim ersten Tryout* der Nationalmannschaft gleich als willensstarke Spielerin aufgefallen.
Ich spiele bei meinem Verein Mainz Golden Eagles Ladies als Runningback* und Linebacker*. Da mir die Defense* persönlich mehr liegt, habe ich mich als Linebacker beworben. Aufgrund meiner guten Zeiten im Sprint und meiner kleinen Statur wurde ich aber direkt zu den Defense Backs geschickt.

Das hat Dir nicht gefallen?
Nein, ich bin Leistungssportlerin durch und durch. Ich wollte meine Chance als Linebacker bekommen. Aber ich habe mittlerweile mit den Coaches gesprochen und den Schritt verstanden. Jetzt bereite ich mich auf meine neue Aufgabe vor.

Du spielst noch gar nicht solange Football?
Ich habe erst 2008 mit Football angefangen. Die Saison 2009 mit dem Meistertitel in der 2. Bundesliga war meine Premiere.

Hast Du vorher bereits andere Sportarten betrieben?
Ich habe bereits eine Leistungssportkarriere hinter mir. Mit fünf Jahren habe ich mit Judo angefangen. Dabei war ich so gut, dass ich mit 12 Jahren in ein Sportinternat aufgenommen wurde. Mit 15 Jahren bin ich dann von Zuhause ausgezogen und habe eine Wohnung in Rüsselsheim von meinen Eltern bezahlt bekommen. Rüsselsheim gehörte damals zu den Hochburgen im Judo. Dort durfte ich gleich in der ersten Bundesliga mitkämpfen.

Wie sah Dein Alltag aus?
Schule und Training. Sieben Tage die Woche, jeden Tag nach der Schule bis spät in den Abend. Ich habe sogar auf Klassenfahrten verzichtet, nur um kein Training zu versäumen.

Hat sich der Einsatz gelohnt?
Auf jeden Fall. Im Einzel konnte ich zahlreiche Landesmeisterschaften gewinnen, wurde 2. und 5. bei den offenen Deutschen Junioren Meisterschaften und bei den offenen Französischen Meisterschaften sogar Erste. Mit der Mannschaft wurde ich einmal Dritter und einmal Deutscher Meister. Bei der Europameisterschaft belegten wir Platz Zwei und Drei. Für die Deutsche Nationalmannschaft durfte ich bei internationalen Turnieren mehrfach starten.

Die Karriere ging nicht weiter?
Wenn ich etwas mache, dann nur 100 Prozent. Ich wurde immer zur Leistung erzogen und beim Judo war irgendwann die Luft raus

Machst Du heute gar nichts mehr mit Judo?
Doch. So ganz hat es mich nicht losgelassen. Ab und zu kämpfe ich als Ausgleich für Wiesbaden in der 2. Bundesliga. Außerdem biete ich Judo-Kurse für behinderte Jugendliche an.

Wie kommst Du dazu?
Ich schließe in Kürze mein Sportstudium zum Lehramt mit Schwerpunkt Förderschulunterricht ab. Die Herausforderung mit behinderten Schülern zu arbeiten reizt mich besonders.

Wie bist Du zum Football gekommen?
Durch meinen Freund Kelly Perrier. Er spielt seit Jahren als Runningback in 2. Bundesliga bei Aschaffenburg und Wiesbaden. Nachdem ich ihn kennengelernt habe, habe ich mich zum ersten Mal mit Football beschäftigt. Anfangs war das nur ein Chaos für mich. Aber Kelly hat mich mit ins Flagfootball-Training genommen und mir Football gezeigt. Für mich als Einzelkämpfer war es ein großer Schritt hin zum Teamsport. Den Kontakt war ich vom Judo gewöhnt. Im ersten Training habe ich meinen Coach samt Tackle-Dummy auf das Hinterteil gesetzt. Man hat mir gesagt: "Hier kannst Du das Kind in Dir ausleben". Das stimmt auch. Es macht sehr viel Spaß.

Wie sind Deine Erwartungen für die Nationalmannschaft?
Wie jede Andere auch will ich erst mal den Sprung in den 45er Kader für Stockholm schaffen. Ich bin eine kleine Kampfsau und kann mich auch quälen. Deshalb bin ich auch sehr zuversichtlich.

Deine Erwartungen für die WM in Stockholm?
Erst mal bin ich auf das Teambuilding gespannt. Ich bin ja sehr ehrgeizig und freue mich schon darauf, mit 10 Mitspielerinnen auf dem Feld zu stehen, die genauso denken wie ich. Wenn wir als Team zusammenwachsen, können wir einiges erreichen. Ich persönlich muss durch meinen Positionswechsel noch viel lernen, aber das reizt mich. Besonders freue ich mich auf die Herausforderung gegen die USA zu spielen von denen ich gut ausgebildete Athletinnen erwarte.

Hast Du für 2010 noch weitere Pläne?
Ja. Vor der WM wollen mein Freund und ich noch heiraten. Die Hochzeitsreise nach Mauritius findet dann nach der WM statt.

* Tryout: Talentsuche; Runningback: verantwortlicher Spieler für das Laufspiel; Linebacker: Verteidiger im Mittelfeld; Defense: Verteidiger; Flag Football: Variante des American Football; tackle dummy: Trainingspuppe.

Weitere Informationen:
www.afvd.de

brikada: Rebekka Braun

(Der Link wurde am 17.03.2010 getestet.)