Land van Fluwel: Zwiebelblumenfelder unter Wasser – innovativer Pflanzenschutz

Lesesonntag: Unkräuter, Schimmel, Schädlinge, Krankheiten, Blumenzwiebelreste – im Boden gibt es vieles, das vor der nächsten Blumenzwiebel-Saison aus der Erde muss. Eine Möglichkeit wäre die Behandlung der Felder mit chemischen Mitteln. Da aber der Umweltschutz eine wichtige Priorität hat, gibt es heute gesunde Verfahren. Inundation heißt das Zauberwort – eine Methode, die ganz und gar keine Magie, sondern im Grunde ganz simpel ist.

Was steckt dahinter?

Vor 25 Jahren hatte ein Blumenzwiebelgärtner im Norden der Niederlande eine innovative Idee: anstatt seine Felder nach der Ernte mit Pestiziden zu besprühen, pflügte er den Boden, legte an den Grenzen Deiche an und pumpte aus einer nahegelegenen Gracht Wasser auf seine Felder. Er flutete sie bis zu einer Höhe von zehn Zentimetern und beließ es so für den gesamten Sommer. Bei der nächsten Ernte erzielte er erstaunliche Erträge und trat unbewusst einen umweltpolitischen Trend los.
 

 

Bildunterschrift (o.): Holländische Blumenzwiebelgärtner überschwemmen jährlich beinahe ein Viertel ihres Landes, um umweltschonend gegen Unkräuter, Schimmel, Schädlinge und Krankheiten vorzugehen. Foto: ©: fluwel.de

Fährt man heute durch die Gegend zwischen den Orten Den Helder und Petten, zeigt sich einem ein außergewöhnliches Bild: überall erstrecken sich weite, flache, quadratische Seen. Es wirkt beinahe, als befände man sich in einem Nassreis-Anbaugebiet. "Mittlerweile ist die Inundation des Bodens nach der Ernte der Blumenzwiebeln bei uns Gang und Gäbe", erklärt Carlos van der Veek, Blumenzwiebelspezialist und Inhaber des Online-Shops fluwel.de. "Jeder Züchter überschwemmt jährlich beinahe ein Viertel seines Landes, um umweltschonend gegen Nematoden und andere Bodenschädlinge vorzugehen."

Tierisches Treiben

Nicht nur die Blumenzwiebelbauern sind von dieser Methode begeistert, auch zahlreiche Vögel nehmen sie dankbar an. Denn die gefluteten Felder bieten willkommene Lebensräume und reiche Nahrungsquelle zugleich. Möwen, Enten, Gänse und viele weitere heimische Vogelarten zieht es bereits Anfang des Sommers zu den Wasserflächen. Von September bis Oktober gesellt sich eine große Schar an Zugvögeln dazu, die auf ihrem weiten Weg in den Süden an den überfluteten Feldern einen idealen Platz zum Rasten finden.

Starke Motive

Während dieser Zeit bieten sich Ornithologen und Fotografen wunderbare Bilder. Doch auch für Ausflügler und Urlaubsreisende ist es spannend, die Vögel in der freien Natur zu beobachten: Wie sie ein Bad nehmen, trinken und nach Insekten schnappen. Wenn sich auf der Wasseroberfläche die Umgebung und der Himmel eindrucksvoll spiegeln, ist das wirklich atemberaubend. "Lange Zeit waren unsere riesigen, farbigen Zwiebelblumenfelder ausschließlich im Frühjahr Anziehungspunkt für Touristen", erzählt van der Veek. Vor einigen Jahren hat er mit "Land van Fluwel" einen Themenpark rund um sein Steckenpferd, die Zwiebelblumen, eröffnet. "Mittlerweile haben wir an manchen Sommerwochenenden fast genauso viele Besucher, wie im Frühjahr."

Das Land van Fluwel ist vom 1. April bis zum 29. Oktober 2017 täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
(Quelle: fluwel.de)

Weitere Informationen:
www.landvanfluwel.nl

 

Titelbild: Die gefluteten Felder bieten heimischen Vögeln wie Möwen, Enten, Gänsen, aber auch Zugvögeln Lebensraum, Rastplatz und Nahrung.