Hildegard Ostermeyer: „Die Frauen in Peru spielen im wahrsten Sinne des Wortes eine ‚tragende Rolle’“

Sie und ihr Mann unternehmen seit vielen Jahren Urlaubs- und Erholungsreisen, die Sie außerhalb Europas führen. Sie sind gewissermaßen private Reiseexperten. Warum haben Sie in diesem Jahr Peru gewählt?

 

 

Wir haben in diesem Jahr Peru als Reiseziel gewählt, da dies schon längere Zeit auf unserer Reise-Wunschliste stand.

 

Wie haben Sie sich vorbereitet, was wollten Sie betrachten?

 

Titicacasee, Cusco, Machu Picchu, die Geheimnisse früherer Kulturen – und davon gibt es in Peru genügend -, die Bergwelt der Anden, traditionell gekleidete Menschen im Hochland – das will man sehen, wenn man diese weite Reise antritt.
 

Mit Bildbänden und Reiseberichten im Internet waren wir schon gut informiert. Nachdem mein Mann eine für uns interessante Rundreise zusammengestellt hatte, kam noch der entscheidende Tipp von Bekannten für den richtigen Veranstalter. Wichtig für uns war vor allem, dass die Route langsam vom Pazifik in die Höhen der Anden hinaufführt (höchster Punkt unserer Reise 4910 m), um gesundheitlichen Problemen vorzubeugen. 

Nun musste noch die richtige Reisezeit gewählt werden. Die hatten wir von Mai bis Anfang Juni perfekt getroffen, da die Jahreszeiten den unseren entgegengesetzt sind. Jetzt ging es an die konkreten Vorbereitungen: 

Überprüfung des Reise- und Impfpasses, Zusammenstellung von Reisemedikamenten (wichtig sind Mittel gegen Durchfall, Erkältung, Schmerzen und Fieber) und die Auswahl der richtigen Kleidung. An der Küste und im Tiefland Perus ist leichte Baumwollkleidung angebracht (für Kirchenbesuche keine kurzen Hosen!), im oft kühleren Hochland sollte ein Pullover oder eine Fleecejacke nicht fehlen, ebenso sind gute Schuhe, Regenschutz und eine Kopfbedeckung unerläßlich.

 

Welche Routen haben Sie in Peru genommen?

Bildtext (o): Plaza Mayor Lima Kathedrale

 

Wir flogen von München via Amsterdam zur Hauptstadt Perus nach Lima, das sind rund 11.300 km. Die 10 Millionen-Metropole am Pazifik hat viele Gesichter. Man findet hier moderne Stadtviertel mit Hochhäusern und eleganten Boutiquen ebenso wie Straßenhändler, verwahrloste Elendsviertel, ein unbeschreibliches Verkehrschaos – aber vor allem eine sehr sehenswerte Innenstadt mit zahlreichen Kirchen, Klöstern, kolonialen Palästen und großartigen Museen.

Auf der „Panamericana“ (Schnellstraße) ging es nach Süden durch eine abwechslungsreiche Wüstenlandschaft mit fruchtbaren Flussoasen, in denen Obst, Gemüse, Baumwolle und Trauben für edle Weine reifen.
Wir erreichten das Naturschutzgebiet der Halbinsel von Paracas, ein Bootstrip brachte uns zu den tierreichen Ballestas-Inseln, mit Millionen von Seevögeln. Wir konnte auch Delphine, Pelikane, Pinguine und Seelöwen beobachten.
 

Bildtext (o.): Oase Huacachina 

Umrahmt von den höchsten Sanddünen Südamerikas liegt die reizvolle Oase Huacachina, mit einem kleinen, von Palmen umrahmten See. Unvergesslich ist eine Fahrt mit dem Sandbuggy durch die Dünen.

Nur aus der Luft ganz zu erkennen sind die geheimnisvollen Nazca-Linien. Es handelt sich hierbei um in den felsigen Wüstenboden eingegrabene „Scharrbilder“ (Tierfiguren, Vögel etc.) von enormen Ausmaßen. Deren Entstehung und Bedeutung sind bis heute ungeklärt. Nun verlassen wir die Küstenregion und kommen in das Anden-Hochland, umgeben von erloschenen und ruhenden Vulkanen, überqueren diverse Pässe, bis auf eine Höhe von knapp 5.000 m. Der Genuss einer Tasse Koka-Tee hilft sehr gut bei der Höhenbewältigung.

 

Bildtext (r.): Colca Canyon 

Der Colca Canyon ist eine der tiefsten Schluchten Südamerikas. Hier konnten wir die majestätischen Condore beobachten, die geschickt die Aufwinde nutzen.

 

Bitte erzählen Sie etwas über die peruanische Küche und ihre Marktbesuche

 

Variantenreich wie die Landschaften ist auch die peruanische Küche. Fisch und Meeresfrüchten an der Küste, cremige Suppen, Huhn, Schwein, Lamm, Alpaka-Steak, Gemüse und Kartoffeln, Quinoa (Inkareis) als Risotto zubereitet – wir haben alle Speisen versucht. Unser kulinarischer Favorit war lomo saltado, ein Gericht mit Zwiebeln, Tomaten, abgeschmeckt mit diversen Gewürzen, gebratenen Rindfleischstreifen mit Reis oder Kartoffeln.
 

Bildtext (r.): Marktgeschehen

Das Rezept dazu habe ich mitgebracht und auch schon erfolgreich ausprobiert.

Vorsicht ist geboten bei Salaten und kalten Gerichten – wir haben komplett darauf verzichtet – und auch vor zu viel Pisco sour (köstlich!), einem Cocktail aus Traubenschnaps sollte man sich hüten!

Ein besonderes Erlebnis sind Märkte. Diese sind an Farbenpracht kaum zu überbieten Obst, Gemüse, Kartoffeln – es gibt hier rund 3.000 Sorten – Fleisch, Käse, Haushaltswaren, bunte Ponchos, aus feiner Alpakawolle gestrickte Mützen, Handschuhe, Jacken und Pullover, bestickte Taschen und gewebte Gürtel – die peruanischen Frauen sind Meisterinnen in Sachen Handarbeit. Wir haben wunderschöne Souvenirs erstanden, denn der Verkauf von Handarbeien ist für viele Familien die einzige Einnahmequelle.

Bitte berichten Sie etwas über den Alltag der Frauen in Peru.

Bildtext (o.): Frauen beim Einkaufen auf dem Markt

Die Frauen in Peru spielen im wahrsten Sinne des Wortes eine „tragende Rolle“. Bis zu 20 km weit schleppen die Landfrauen ihre Waren in ihren Rückentüchern zu den Märkten, manchmal von einem Lama oder Alpaka unterstützt. Auch Babys und Kleinkinder – bis gut 2 Jahre – werden fast bewegungslos in den Rückentüchern transportiert. Für mich als Oma unvorstellbar, wenn ich an unsere 4 quirligen Enkelkinder denke. Da wäre mir so manches Mal ein Rückentuch hilfreich gewesen!

Auch das Hüten riesiger Lama- oder Alpakaherden obliegt meist den Frauen, ebenso die mühsame Mithilfe bei der Feldarbeit, denn Traktoren und Erntemaschinen gibt es kaum.

Was hat Sie in Peru am meisten fasziniert?

Eine Begegnung der besonderen Art war der Besuch bei den Urus – den Seemenschen – auf ihren„schwimmenden Inseln“ im Titicacasee. Sie leben wie vor Jahrhunderten, die Boote, die Häuser und die Inseln selbst sind aus Binsen und das Hauptnahrungsmittel sind die kleinen Fische aus dem See.

Die außergewöhnliche Lage in einer Höhe von 3.800 m, die gewaltigen Ausmaße und der gigantische Blick auf den Sternenhimmel und die Milchstraße bei Nacht machten den Titicacasee für uns zu einem einmaligen Erlebnis.

 

 

Bildtext (o.): Machu Picchu

 

Ein weiterer Höhepunkt unserer Reise war Cusco, die ehemalige Inka-Hauptstadt, mit ihrer gut erhaltenen kolonialen Altstadt. Von hier aus regierten die Inkas ihr riesiges Reich von 1200 bis 1500. Sie hatten eine sehr hoch stehende Kultur mit beeindruckenden Bauwerken und Anbauterrassen für Getreide mit Bewässerung.

Peru kann auf über 3000 Jahre alte Kulturen zurückblicken. Bei der Eroberung durch die Spanier, um 1530, wurden alle prachtvollen Tempel und Gebäude der Inkas zerstört, bis auf die nicht entdeckte Stadt Machu Picchu, deren Besuch das absolute Highlight jeder Perureise ist! Bei bestem Wetter haben wir die „Stadt in den Wolken“ erkundet.

Wir waren fasziniert von der ungeheueren landschaftlichen Vielfalt, mit Wüste, Dünen und schneebedeckten Bergriesen, den vielen Überresten uralter Kulturen, den immer freundlichen Menschen und unseren liebenswerten, kompetenten Reisebegleitern.
Peru ist eine Reise wert!

Fotos: Hildegard Ostermeyer

(Die Fragen stellte Brigitte Karch)

 

Bildtext (u); Sonnenuntergang am Titicacasee

Eine Auswahl ihrer faszinierendsten Peru-Motive hat Hildegard Ostermeyer in einem Bildband zusammengestellt. Interessenten können diese Broschüre (26 Seiten, 100 bis 120 Peru-Fotos) zum Selbstkostenpreis erwerben.

 

Weitere Informationen: 
Telefon:08141-527880

Titelbild: Hildegard Ostermeyer mit Alpaka und einer Peruanerin. Foto: Hildegard Ostermeyer