Ulrike Wiebrecht: “Rio de Janeiro – Eine Stadt in Biografien”

… denn, wenn man schon mal den weiten Weg von Europa nach Brasilien macht, sollte man sich auch vor Ort etwas umschauen. Ulrike Wiebrecht ist als kundige Stadtbegleiterin gerade recht. Zumal die Journalistin immer wieder Rio de Janeiro wißbegierig erkundet.

Von den 20 Persönlichkeiten, die die Weltstadt prägten und prägen, sind hier drei bedeutende Frauen beschrieben. Mit Chiquinha Gonzaga (1847 bis 1935) stellt Ulrike Wiebrecht eine äußerst beliebte Pianistin vor. Sie gilt als erste große professionelle Musikerin Brasiliens. Mit ihrem Hit “Ô Abre Alas – Macht den Weg frei”, schuf sie ein eingängiges Lied, das bis heute bei jeder brasilianischen Karnevalsparade gespielt wird. Dass sie 35 Jahre lang mit einem 16 Jahre jüngeren Mann zusammenlebte, trug möglicherweise um ein Weiteres zu ihrer Berühmtheit mit bei.

Mit Carmen Miranda (1909 bis 1955) wird die “brasilianischte Portugiesin aller Zeiten” vorgestellt. Vielseitige talentiert, mischte sie vor allem die Hollywood-Schauspiel-Szenerie auf. Mit ihren Tutti-Frutti-Hüten, fantasievollen Federboas, berückendem Make-Up und verführerischen Hüftschwung avancierte sie zum vielgefragten Musical-Star.

Fernanda Montenegro (geb. 1929) wird hier als “Grande Dame des brasilianischen Theaters und gleichzeitig als Star zahlloser Telenovelas” bezeichnet. Bereits mit acht Jahren steht sie auf der Bühne eines Kirchentheaters, mit 15 nimmt sie an einem Radio-Talentwettbewerb teil. Im Laufe ihres weiteren künstlerischen Lebens gelingt ihr der Spagat zwischen seichtem TV-Kitsch und anspruchsvoller Schauspielkunst. Unter anderem war sie in Rainer Wener Fassbinders Theaterstück “Die bitteren Tränen der Petra von Kant” zu sehen. Es folgten Kinofilme, darunter der Kultfilm “Central do Brasil” (1998) mit einer Glanzrolle als pensionierte Lehrerin. Nach dem Tode ihres Ehemannes Fernando Torres (2008) tritt sie fast nur noch in Telenoveas auf.

Im hübsch ausgestatteten „MERIAN porträts Rio de Janeiro – Eine Stadt in Biographien“ mit Leineneinband, Lesebändchen und Titelprägung, haben 17 Portraits berühmter männlicher Persönlichkeiten das Sagen. Vorgestellt werden beispielsweise der Schriftsteller Stefan Zweig, der in Rio de Janeiro im Exil lebte, Oscar Niemeyer, grandioser Architekt oder beispielsweise Hans Stern, der in Rio einen Schmuckkonzern gründete.

Und natürlich: Ohne Fußball geht es auch hier nicht. Das Buch endet mit der Biografie von Ronaldo (1976), der als einer der größten Spieler Brasiliens in die Fußballgeschichte einging. Nicht zu verwechseln mit Real Madrid-Spieler Christiano Ronaldo!

Brikada-Bewertung: Faszinierend, lesenswert! Eintauchen in spannende Lebensentwürfe. Jede der geschilderten Biografien bietet Anlass dazu.
Brigitte Karch

Ulrike Wiebrecht: „MERIAN porträts Rio de Janeiro – Eine Stadt in Biographien“, 176 Seiten. Format 11,8 x 18,8 cm, Leineneinband, Lesebändchen und Titelprägung, 16,99 Euro, ISBN 978-3-8342-1496-6, auch als E-Book erhältlich, erschienen bei Travel House Media, München.

Weitere Informationen:
www.merian.de

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