Straße der Romanik: „Heiliger Genuss für Leib und Seele“


Es handelt sich um Rezepte aus Klosterküchen, italienischen und deutschen Klosterküchen. Erfunden wurden von frommen Mönchen und ebensolchen Nonnen eben damals die Makronen, die Krapfen, Waffeln, Honigkuchen und süße oder fette Pfefferkuchen. Alles schon vor 500 oder mehrhundert Jahren, alles hinter dicken Mauern und ganz nahe am Himmel. Ingwer-Bonbons, in Likören von Himbeer und Schlehen eingelegte Früchte, Marzipane aus den Mandeln des Südens.

Franz von Assisi, der ja mit Vögeln und Fischen reden konnte, besuchte dazwischen die fromme Schwester Jakobine des Nachbarklosters von Settesoli – nur sie hatte das geheime Rezept aus Honig und Mandeln namens „tartarae“ und nahm es mit ins Grab. Die Nonnen in Spanien lernten von den neu entdeckten Indianern das Getränk flüssiger Schokolade. Es wurde von den strengen Fastengeboten des ebenso strengen Konzils von Trient nicht verboten!

Strahlende Nonnen im späten Mittelalter, Schokolade an den Lippen. Die Männer liebten Eierspeisen mit heute noch erlebbarem Erfolg: Spiegeleier mit Petersilie, Bärlauch oder Speck, Rühreier mit Gewürz, weiche Eier, harte Eier, pochierte Eier, Eier-Omelettes … Und dies alles ist ja nur eine kleine Ahnung von der Kochkunst unserer Vorfahren, die Leib und Seele zusammenhielt. Die Klöster an der Straße der Romanik verzichteten auf diese Leckereien nicht und erprobten sich ebenso in diesem besonderen Kunst.

Hunderte von Rezepten aus den Klosterbibliotheken der Benediktiner, der Franziskaner und der Zisterzienser zeugen von der großen Beliebtheit und dem Zauber, der aus ganz Europa kommenden Süßspeisen und Gaumenfreuden, die
das harte Klosterleben im Mittelalter für ein paar Augenblicke zu einem himmlischen Genuss werden ließen.

Die „Straße der Romanik“ feiert 2013 ein Jubiläum: 20 Jahre wird sie alt, die Reiseroute Richtung Mittelalter. Vier der insgesamt 80 Stationen laden zur Entdeckung von vier kostbaren Domschätzen ein, mit weltweit einzigartigen Kunstgegenständen.
Quelle: © by CAB Artis 2012

Weitere Informationen:
www.strasse-der-romanik.de
www.sachsen-anhalt-tourismus.de

Bildtext: Blick auf den Naumburger Dom. Foto: Hagen Neßler. Bildeigner: Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH