Straße der Romanik: Eine Stadt als Morgengabe – die romantische Seite der Herrscher


Eine Stadt als Morgengabe ist der königliche Beweis einer großen Liebe.
Zwei Mal in den letzten 1100 Jahren kam es in Deutschland vor, dass ein Herrscher seiner Frau eine Stadt als Morgengabe schenkte: Otto und Editha sowie Heinrich und Kunigunde.

Es war Otto der Große, der im Jahre 929 seiner Königin des Herzens „Editha von Wessex“ die Stadt Magdeburg zu Füßen legte. Fast 70 Jahre später war es wieder ein Ottone, Kaiser Heinrich II., welcher seiner Frau und späteren Kaiserin Kunigunde die Stadt Bamberg zur Morgengabe machte. Die beiden großen Herrscher des Mittelalters verbindet mehr als nur die Liebe zu ihren Frauen, beide stammen aus dem sächsischen Adelsgeschlecht der Ottonen. Für beide war die Stadt Magdeburg ein Dreh und Angelpunkt bei ihren Reisen durch das deutsche Kaiserreich. Gerade hier in dieser Region standen die bevorzugten Kaiserpfalzen zu Memleben, Merseburg, Quedlinburg, Halberstadt, Tilleda und Helfta, die heute auf der „Straße der Romanik“ in Sachsen-Anhalt großartige Kulturreiseziele darstellen.

Ebenso wie Heinrich II. neben seiner Kaiserin Kunigunde im Dom zu Bamberg begraben wurde, ruht auch Königin Editha im Magdeburger Dom in der Nähe von Otto dem Großen.

Aber nun zu Otto und Editha:
Nachdem Heinrich I. seinen Sohn Otto als Thronfolger benannt hatte, ergriff der König, um die Zukunft des Reiches besorgt, die Initiative und hielt für seinen Sohn um die Hand einer englischen Königstochter an. Das englische Königshaus, reich an Töchtern, fühlte sich geschmeichelt, in naher Zukunft mit dem deutschen Königshaus verbunden zu sein und schickte Editha und deren jüngere Schwester Edgiva auf die lange und beschwerliche Reise an den deutschen Königshof.

Otto konnte sicherlich eine gewisse Unruhe nicht verbergen, als die Ankunft der beiden Schwestern bevorstand. Wer konnte schon sagen, ob er mit einer von den beiden Schwestern, harmonieren würde? Vielleicht ahnte er, dass die erste Begegnung mit Editha ihn und seine Nachwelt entscheidend verändern würde.

Als sich Otto und die beiden Schwestern im Rheinland gegenüberstanden, entschied er sich sofort für die ältere Editha. Er zögerte nicht lange und ließ Editha, den als Zeichen vereinbarten Apfel zukommen – wie einst Paris seiner auserwählten Helena. Nur ging es hier nicht um Troja – sondern um das ottonische Reich. Nachdem sich beide königlichen Häuser rasch auf die Vermählung und alle notwendigen Formalitäten geeinigt hatten, trat das verlobte Paar mit seinem Tross die Heimreise in die Region um Halberstadt-Magdeburg-Quedlinburg an.

Otto gelang es auf Anhieb, die Zuneigung von Editha zu gewinnen. Editha bezauberte ebenso ihre Umgebung, vor allem Otto durch ihre große Güte und anmutende Schönheit, die viele Chronisten beschrieben. Diese Quellen belegen ebenso, dass zwischen Otto und Editha eine tiefe Bindung entstand. Editha war mildtätig und im Volk als „Königin der Herzen“ überaus beliebt.

Als sie das heutige Magdeburg zum ersten Mal sah, fühlte sie an ihre Heimatstadt Winchester erinnert, die zu dieser Zeit die englische Hauptstadt war.

Im Frühjahr 929 fand die prachtvolle Trauung des Herrscherpaares statt. Am Morgen nach der Hochzeitsnacht machte Otto seiner Gemahlin den Liebesbeweis von besonderer Dimension – er schenkte der Königin seines Herzens die Stadt Magdeburg als „Morgengabe“. Editha liebte die Stadt an der Elbe sehr und gebar hier in ihrem viel zu kurzen Leben zwei Kinder.
Am 26. Januar 946 verstarb sie überraschend in Magdeburg. Die Nachricht vom plötzlichen Tode Edithas versetze den König in monatelange Trauer. Editha wurde drei Tage später in der Basilika des Mauritusklosters bestattet. Sie selbst hatte die Kirche mit kostbaren Kunstschätzen und Handschriften ausgestattet. Sie wurde in Magdeburg als Heilige verehrt; obwohl die Kirche sie nicht heilig sprach. Ihr Sarg wurde insgesamt viermal umgebettet, bis er schließlich im Chorumgang des Magdeburger Doms nur wenige Meter vom Grab Ottos entfernt ihre letzte Ruhestätte fand.

Natürlich erregt eine solch außergewöhnliche Geste die Aufmerksamkeit der Geschichte, die Phantasie der Chronisten, den Respekt der nachfolgenden Generationen. Es ist ein großartiger Liebesbeweis, den sich zwei deutsche Herrscherpaare gegeben hatten, Otto seiner Editha und 70 Jahre später Kaiser Heinrich seiner Kaiserin Kunigunde.

Die Morgengabe war ein Brauch nach altem Recht, ein Geschenk des Mannes nach der Hochzeitsnacht an seine Ehefrau. Eine Stadt als Liebesbeweis und Morgengabe – das übertraf alles bisher Dagewesene.
Quelle: © 2013 by CAB-Artis

Weitere Informationen:
www.strasse-der-romanik.de
www.sachsen-anhalt-tourismus.de
www.kloster-memleben.de
www.dom-und-domschatz.de
www.merseburger-dom.de
(Der Link wurde am 01.05.2013 getestet.)

Bildtext: Titel: Magdeburger Dom und Kloster Unser Lieben Frauen. Fotograf: Bader, Michael, Bildquelle: Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH