Münchner Stadtmuseum mit Sonderausstellung „Hermine von Parish“


Hermine von Parish wurde am 10. April 1907 in Rom geboren. Der Vater stammte aus einer Hamburger Kaufmanns- und Bankiersfamilie schottischer Herkunft, die Mutter aus einer Münchner Künstlerfamilie. Ihre Kindheit verbrachte Hermine von Parish abwechselnd mit den reisenden Eltern und bei den in München ansässigen Großeltern. Zeitlebens hegte sie eine große Verehrung für ihren Großvater, den Maler Emanuel Spitzer. Vom Schulbesuch gänzlich befreit, wurde Hermine von Parish allein von ihrer Mutter unterrichtet.

Aus dem Erbe des 1916 verstorbenen Vaters erwarb die Mutter die im Jahr 1900 von den Gebrüdern Rank erbaute Nymphenburger Jugendstilvilla in der Kemnatenstraße, in der bis heute die von Parish-Kostümbibliothek untergebracht ist. Erst in den 1930er Jahren zogen Mutter und Tochter selbst dort ein mit der bereits sehr umfangreichen und ständig weiter wachsenden Kostümbildsammlung. Zu ihrem Lebensunterhalt betrieben sie zunächst erfolgreich eine Manufaktur für künstlerische Kostüm- und Trachtenpuppen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete Hermine von Parish in ihrem Haus mit dem großen Atelier im 2. Obergeschoß eine staatlich anerkannte private Kunstschule, deren Leiterin sie war und für die sie namhafte Professoren der Akademie der Bildenden Künste als Lehrer gewann (u.a. Max Unold und Charles Crodel). Das Fach Kostümkunde unterrichtete sie selbst.

Das Bildarchiv sowie die Bibliothek und Graphiksammlung standen für den Unterricht zur Verfügung. 1958 gründete sie die bis heute bestehende Gesellschaft zur Förderung der
Kostümforschung.

Im Alter von 63 Jahren gab Hermine von Parish 1970 die Schule auf und stiftete ihrer Heimatstadt München ihre Sammlungen, die somit als Außenstelle zu einer Abteilung des Münchner Stadtmuseums wurden. In den folgenden Jahren zeigte sie ihre Schätze in den Ausstellungen „Kostüme “ erdacht und getragen“ und „Allongeperücke und Schleppenkleid“ im Münchner Stadtmuseum. Zehn Jahre nach ihrer Stiftung verlieh ihr die Stadt München die Medaille „München leuchtet“ in Gold . 1998 verstarb Hermine von Parish in dem Haus, in dem sie über 60 Jahre gelebt und gearbeitet hatte. Das ehemalige Wohnhaus steht seitdem vollständig für das Archiv, die Sammlungen und den Bibliotheksbetrieb zur Verfügung.

Die von Parish-Kostümbibliothek besitzt heute 35.000 Bände, fast ausschließlich Bildbände, eine Graphiksammlung mit 40.000 Blättern sowie eine einzigartige Dokumentation mit 500.000 Abbildungen und ist damit die größte Einrichtung ihrer Art, die vor allem von Kostümbildnern und Designern genutzt wird.

Dr. Elisabeth Heller-Winter, Leiterin der Von-Parish-Kostümbibliothek, stellt in ihrer Führung durch die Ausstellung „Hermine von Parish zum 100. Geburtstag“ am Sonntag, 22. April, um 14 Uhr im Münchner Stadtmuseum, St.-Jakobs-Platz 1, die Sammlungsschwerpunkte der Bibliothek anhand ausgewählter Bücher und Grafiken vor und gibt einen Einblick in die Lebensgeschichte der Gründerin Hermine von Parish. Die Ausstellung ist bis zum Sonntag, 29. April 2007 zu sehen.

Treffpunkt ist im Foyer des Münchner Stadtmuseums. Der Museumseintritt ist frei, die Führungsgebühr beträgt 3,00 Euro.