Raina Lehmann aus London: „Hatwalking“ und Hutkurse für Obdachlose


Nach Beendigung meiner Modistentätigkeit, die ich in London mit großer Begeisterung bei einem sehr renommierten Modisten begonnen hatte, bin ich durch großes Glück gleich weiter an eine temporäre Filmkollaboration mit meinem Bekannten Justin Smith geraten. Wir haben Angelina Jolie in letzter Minute zu Drehbeginn noch zu drapiertem Kopfputz für ihren neuen Walt Disney Film ‚Malefiz‘ verhelfen können. Nun hat mich das Leben aus der wilden Schleuderfahrt erst einmal wieder entlassen. Dementsprechend sind mir während der Kostümarbeiten außerhalb Londons in den berühmten Pinewood Studios auch all die heißen Events zur Olympiade entgangen.

Londoner Hatwalk
Auf einige Projekte würde ich zum Thema London update aber trotzdem gerne aufmerksam machen:
Ein ganz tolles Projekt fand während der Olympiade, in Zusammenarbeit zwischen dem Bürgermeister von London, Boris Johnson, Grazia Magazin und den beiden Schirm-Modisten Philip Treacy und Stephen Jones, statt. Es handelte sich um das 4-tägige öffentliche Projekt: Hatwalking.

Eröffnungsfeier Hatwalking
Währenddessen habe ich Justin Smith zwar noch ein bisschen beim Zusammensetzen seiner Flügelskulptur für Königin Victoria geholfen, mein Herz schlug aber für das Projekt meiner ehemaligen Kollegen, beim ‚Royal Milliner‘ (Anm.d.Red. „Königlicher Hutmacher“) John Boyd. Da wäre ich wahnsinnig gerne dabei gewesen. Trotz allem möchte ich den deutschen Leserinnen gerne diese tollen Modisten ans Herz legen, von denen ich wahnsinnig viel gelernt habe. Ich konnte glücklicherweise ein paar exklusive Schnappschüsse sichern. Kurz bevor der öffentliche Hatwalk startete, wurden alle Hüte in einer Nacht-und Nebelaktion um 4 Uhr morgens am Roosevelt-Denkmal in der Bondstreet installiert. John Boyd, Sarah Marshall, Modistin und Shopmanagerin, sowie Kai Karim, Buchhalter, haben die Aktion morgens zum Anlass einer eigenen kleinen Eröffnungsfeier genutzt. Stolz darf das Team auf jeden Fall sein, denn alle haben bei der Kreation mitgeholfen. John Boyd hat den Hut eigens beschriftet und die Texte ausgesucht und für den Kinnriemen hat er, ganz praktisch und sehr schottisch veranlagt, einfach den eigenen Hosengürtel geopfert. Dieses familiäre Team besticht immer mit sehr viel Witz, Fantasie und Einfallsreichtum!

Hutkurse für Obdachlose
Und ein weiteres kleines Highlight,das ebenfalls während der olympischen Spiele neu gefeiert wurde, ist das wohltätige Projekt meiner Freundin, der Modistin Isabelle Mazzitelli, ebenfalls lebend in London und Mitschülerin bei der renommierten königlichen Modistin Marie O’Regan.

Isabelle unterrichtet Hutkurse für Obdachlose und verhilft ihnen zu neuen Fertigkeiten, menschlichem Kontakt und viel kreativer Freude ohne Leistungsdruck. Jeder bringt seine eigene Identität und Lebensgeschichte mit zum Hut. Das gemeinsame Arbeiten hebt das Selbstbewusstsein und das geistige Auseinandersetzen mit der Hutmacherei hilft den Beteiligten, Schritt für Schritt auf neue Lebensperspektiven zu zugehen. Unter der Fahne des olympischen Gedankens hat Isabelle einen Hut inspiriert von der olympischen Fackel kreiert und hält weiter an ihrer Berufung fest, Gelder zu sammeln, um einen dauerhaften, kostenlosen Hutkurs für Obdachlose ins Leben zu rufen.

Weitere Informationen:
www.guardian.co.uk/…
www.johnboydhats.co.uk
www.roofovermyhead.org
(Die Links wurden am 16.09.2012 getestet.)

email: info@rainalehmann.com

Bildunterschrift: John Boyd (Mitte) posiert vor dem Roosevelts-Denkmal in der Londoner Bondstreet, dem er einen „Spam-Hut“ verpasste. Bei der Dame inder Mitte handelt es sich um Sarah Marshall, Modistin und Shopmanagerin. Foto: Raina Lehmann