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KDFB: Mutter sein ist größtes Risiko für Altersarmut

Zum Muttertag am kommenden Sonntag stellt Brikada das Thema „Aus der Lohnlücke wird für Frauen bei der Rente eine regelrechte Kluft“ vor. Es stand im Mittelpunkt des Bayerischen Landesverbandes des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) am Equal Pay Day am 17. März 2017 in München.

Mutter sein, Alte und Kranke pflegen, sich in größerem Umfang ehrenamtlich engagieren – das sind für Frauen die Hauptrisiken von Altersarmut. Vor allem westdeutsche Rentnerinnen leben von bescheidensten eigenen Bezügen. „Wer sich um Kinder und Alte gekümmert hat, bekommt nur eine halb so hohe Rente wie Männer“, so Elfriede Schießleder, Vorsitzende des Bayerischen Landesverbandes des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB). Sie machte anlässlich des Equal Pay Days in München klar: „Aus der Lohnlücke wird bei der Rente eine regelrechte Kluft.“

Im Alter kumulieren die Effekte von Erwerbsunterbrechungen, Sorgearbeiten und Kindererziehung. Der KDFB fordert deshalb: gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, bessere Anrechnung von Kindererziehungszeiten und Pflegezeiten bei der Rente, bessere Verdienstchancen in typischen Frauenberufen, ein geschlechtergerechtes Alterssicherungssystem und: Jeder Job muss sozialversicherungspflichtig werden.

Die Vorsitzende des größten Bayerischen Frauenverbandes stellte die Aktion „Schaffen Sie den Sprung?“ vor. Auf einem großflächigen Teppich ist eine Schlucht dargestellt. Ihre Breite ändert sich, je nachdem in welcher Lebenssituation eine Frau sich befindet - vom Ausbildungsende über Kindererziehungszeiten bis zur Rente. Wer mitmacht, findet schnell heraus: Genügt ein großer Schritt, um über Lohnlücke und Rentenkluft zu kommen oder reicht dafür nicht einmal ein beherzter Sprung?

Josef Kress-del Bondio von der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd veranschaulichte die Rentenkluft mit Zahlen: „Männer, die im Jahr 2015 in Rente gegangen sind, erhalten durchschnittlich 1048 Euro, Frauen dagegen 652 Euro.“ Die Differenz hat sich damit zwar in den letzten Jahren verringert, liegt aber in den alten Bundesländern immer noch bei 42 Prozent, in der Summe macht das fast 7.000 Euro pro Jahr aus.

Eine wichtige Ursache für die fehlende Ausgewogenheit ist der Gender Care Gap. Der große Abstand zwischen Männern und Frauen bei unbezahlter Sorge-Arbeit beträgt 52 Prozent. Care-Arbeit umfasst alle unbezahlten Tätigkeiten, die für einen Haushalt und seine Mitglieder zur Verfügung gestellt werden plus das Ehrenamt. Aysel Yollu-Tok, Professorin für Sozialpolitik und soziale Ökonomie an der Hochschule München, stellte einen Maßnahmenkatalog zur Behebung dieses Ungleichgewichts vor. Dieser reichte von der Änderung des Regelgüterstands von Zugewinn- zur Errungenschaftsgemeinschaft bis zu geschlechtergerechten Pflegeinfrastrukturen.

Bei der Podiumsdiskussion „Pay Gap, Care Gap, Pension Gap“ hob Edeltraud Walla, Werkstattleiterin und Beauftragte für Chancengleichheit an der Universität Stuttgart, hervor:  Nur wenn eine breite Mehrheit der Gesellschaft umdenke, würden Diskriminierungen beim Lohn der Vergangenheit angehören. Sie appelliert: „Wir brauchen Menschen, die sich für die Einhaltung von Gesetzen wie dem für mehr Lohngerechtigkeit einsetzen. Und: Benachteiligte Frauen müssen sich wehren – endlich!“

Die Europa-Abgeordnete Maria Noichl ist Mitglied im Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter. Sie kritisiert: „Europaweit wird Frauen eingeredet, sie wären durch ihre falsche Berufswahl Schuld an ihren prekären Arbeitsbedingungen, ihrem geringen Lohn oder der drohenden Altersarmut. Diese Schuldzuweisungen verdecken die gesellschaftliche und systembedingte Geringschätzung von Frauenleistungen in der Berufswelt.“
(Quelle: Redaktion: Ulrike Müller-Münch)


Weitere Informationen:
www.frauenbund-bayern.de

 

Titelbild: Am Abgrund zu Lohn- und Rentenkluft: KDFB-Vorsitzende Elfriede Schießleder (5.v.l.) stellt Vertretern des Sozialministeriums, den Referenten der Veranstaltung zum Equal Pay Day und KDFB-Führungskräften den Teppich zur Aktion „Schaffen Sie den Sprung?“ vor. Foto: © Eva-Maria Gras, KDFB

2017-05-13