Alpines Museum München: Sonderausstellung „Hoch hinaus! Wege und Hütten in den Alpen“

Thematisiert sind die ca. 500 Schutzhütten und die ca. 30.000 km Wege, die die Alpenvereine in den vergangenen 150 Jahren aufgebaut haben und seitdem pflegen.

Hauptattraktion ist die seit Herbst 2016 neu aufgebaute und zu besichtigende Höllentalanger-Hütte. Sie wurde 1894 von der DAV-Sektion München an der Zugspitze festlich eingeweiht, wurde 110 Jahre später von einem Zimmererteam abgebaut, ins Tal geflogen, wieder zusammengesetzt und aufgebaut. Besucher haben einen unmittelbaren Eindruck vom rustikalen Hüttenleben in den Anfängen des Alpinismus und können sich an Hörstationen über die Historie informieren.

 

Bildunterschrift (r.): Höllentalangerhütte1910. Fotograf Albert Link / Archiv des DAV, München

Das „Erdgeschoß“ beherbergt Seit‘ an Seit‘ aufgereihte rustikale für die Gäste reservierte Betten mit groben kratzigen Decken und einen auf dünnen Beinen ruhender gusseiserner Ofen mit zwei Herdplatten und kiloschweren Töpfen. Eine „Hühnerleiter“ führt nach oben, dort mussten die Bergführer im Heu nächtigen. Und dann gab es noch einen engen lichtlosen Verschlag, den einzigen Rückzugsort für die Wirtschafterin. Der Herd übrigens war damals State oft The Art und mit einem englischem Rauchfänger versehen, damit der Rauch besser abziehen konnte.

Friederike Kaiser, Geschäftsbereichsleiterin Kultur beim Deutschen Alpenverein, freut sich über die „Ur-Hölle“: Sie ist eines unserer schönsten Ausstellungsstücke und ein wundervolles Beispiel für die Anfänge des Schutzhüttenbaus. In ihr können Besucher das Bergleben um 1900 hautnah erleben.“

Es erhebt sich die Frage des Komforts. Muss Komfort in den Bergen sein? „Diese Frage bewegt die Gemüter bis heute“, kommentiert Friederike Kaiser. Stark steigende Hüttenbesuchszahlen nach dem Ersten Weltkrieg führten zu dem Versuch, Nicht-Bergsteiger durch spartanische Einfachheit abzuschrecken. 1923 wurden sogar die „Tölzer Richtlinien“ verabschiedet. Sie sahen Matratzenlager mit Decken statt Zimmer mit Federbetten vor, einfache Verpflegung, weder Radio noch Grammophon (!). In den Anfängen des Alpinismus konnten sich das durchaus betuchte und gutbürgerliche Publikum noch mit Frankenwein stärken, einige Flaschen sind in der Ausstellung zu besichtigen. Interessant sind die Architekturmodelle einzelner Hütten.

Den Besuchern werde ein buntes Potpourri geboten, so Friederike Kaiser. „Verbotsschilder, Originalstühle verschiedener Hütten, Postkarten, Gemälde, Modelle, zeigen wie die Hütten unser Bergerlebnis prägen. Wer Kultur live vor Ort im Gebirge erleben möchte, kann aus einem tollen Programm unserer Sektionen wählen: Von Hüttenfesten über Ausstellungen bis hin zu geführten Wanderungen ist alles dabei.“

Das Wegenetz der Wege und Hütten der Alpenvereine beträgt 66.000 km, davon fallen auf den DAV 30.000 km und auf den ÖAV (Österreich) 26.000 km.

Insgesamt sind 596 Hütten bewirtschaftet. Sie verzeichnen 1,12 Millionen Übernachtungen jährlich. 112 Hütten sind ökologisch vorbildlich geführt und tragen das Umweltgütesiegel. 114 Hütten servieren ein regionales Speiseangebot „So schmecken die Berge“.

Die Speisekarten haben sich natürlich gewandelt im Laufe der vielen Jahrzehnte. Allerdings erfreuen sich Klassiker wie Kaiserschmarrn, Schnitzel, Kalbsbraten nach wie vor großer Beliebtheit. Und Kässpätzle, Kaspreßknödel, Dampfnudeln mit Vanillesauce entsprechen durchaus den Ansprüchen von Vegetariern. Während Veganer sich wohl etwas schwer tun …

 

Bildunterschrift (o.): Höllentalangerhütte auf der Praterinsel in München. Foto: © Archiv des DAV

Die DAV-Sonderausstellung „Hoch hinaus! Wege und Hütten in den Alpen“ im Alpinen Museum auf der Münchner Praterinsel dauert bis 8. April 2018. Zur Ausstellung ist eine zweibändige gleichnamige Publikation im Böhlau-Verlag erschienen.
Autorin: Doris Losch

Weitere Informationen:
www.alpines-museum.de

Titelbild: Einweihung der Alten Höllentalangerhütte, 1894. Archiv des DAV, München