Handtaschen-Therapeutin Rosanna Pierantognetti blickt Frauen ins Herz

Seit einiger Zeit betätigt sich die Tochter eines italienischen Vaters und einer deutschen Mutter, einer Passauerin, als Therapeutin in Sachen Tasche. 

Kulturgeschichtlich reicht die Handtasche bis in die Steinzeit zurück. „Frauen waren ja die Sammlerinnen, die für Ihre Familie damals Beeren und Früchte und anderes sammelten und für den Transport ein Behältnis brauchten. Männer waren mit dem Speer unterwegs.“ (Und, so ergänzen wir mal, wuppten das erlegte Tier, vielleicht leicht zerteilt, über die Schulter. Tasche war überflüssig.)

Dies also war der Beginn der wunderbaren Freundschaft zwischen Frau und Handtasche. Denn eine Handtasche sei wie eine gute Freundin, mit der frau gemeinsam viele Dinge erlebt, eine ständige Begleiterin. Ihre „one and only“, wie Rosanna Pierantognetti schwärmt, sei eine handgeflochtene cognacfarbene geräumige Tasche „eigentlich ein Kunstwerk“, der Designerin Elena Berton.

„Ich möchte Frauen helfen, ihr Leben schöner und praktischer zu machen.“ Acht verschiedene Typen existierten. „Bisher. Ich glaube, es werden sich noch mehr herauskristallisieren.“ Sie selbst stuft sich als „VIB Mommy“ ein: modern, fürsorglich, vielseitig. Motto: Alles ist möglich. Solche Frauen würden toll aussehen, seien bestens organisiert und als Mutter hingebungsvoll. Als therapeutischen Tipp gibt sie diesen Frauen mit auf den Weg: „Nehmen Sie einfach mal mehr Dinge zu ihrem eigenen Vergnügen mit: schöne Musik, ein nettes Buch, die Telefonnummern einiger Babysitter.“

Im Laufe eines Frauenlebens verändern sich die Handtaschen. In der Jugend werden größere Exemplare bevorzugt, gerne mit Glitzer und lustigen Anhängseln. Die „Communiteen“ unter 20 ist höchst flexibel, trägt heute LKW-Plane, morgen Laptop-Backpack, ist total vernetzt und immer am Puls der Zeit. Gerade in jungen Jahren seien Fehlgriffe zu vermeiden – „eine 19-jährige mit einer tausende-Euro-teuren Hermès-Tasche geht eigentlich gar nicht“. Welcher junge Mann traue sich sie anzusprechen?

Bildtext (o.): Damenhandtaschen enthalten die erstaunlichsten Dinge, wie Therapeutin Rosanna Pierantognetti (links) augenzwinkernd erklärt. Foto: Concept Store/Luitpoldblock

Die „Tiger Woman“ definiert sie als elegant, geradlinig, zielstrebig, als Alleskönnerin mit Vorliebe für elegante und hochwertige Modelle. Auch die „Lady Macchiato“ mag Qualität, die aber originell sein muss, ihre Taschen sind weiblich, stilvoll und erwachsen, kleiner als die der jüngeren Jahrgänge, der Inhalt ist auf das Wichtigste konzentriert. Firlefanz kommt für sie nicht mehr in Frage. Als Stadtmensch pflegt sie Kontakte und packt die Dinge an.

Um die Inhalte von Handtaschen zu ergründen, schreckt die Therapeutin auch vor „Streetcasting“ nicht zurück. Sie spricht Frauen und junge Mädchen auf der Straße an. „Zunächst scheut ja jede Frau erstmal zurück. Die Handtasche ist etwas Intimes, ihr Inhalt erst recht. „Viele Frauen sagen, dass sie gar nichts Interessantes dabei hätten. Aber auch dieses Zielstrebige sagt etwas über ihren Charakter aus.“ Bei den Straßen-Interviews sei sie immer gut ins Gespräch gekommen, „die Frauen haben mir sogar ihre Lebensgeschichten erzählt“.

Männer hätten ja manchmal seltsame Vorstellungen von den Tascheninhalten … sie vermuteten, so Rosanna Pierantognetti, darin gar Erotikspielzeug! „Ich habe aber nur eine einzige Dame getroffen, die tatsächlich ein Sextoy dabei hatte.“

Übrigens die Männer: „Männer, gerade junge Männer, sind bei Taschen neuerdings wieder mehr dabei.“ Sie trügen Messenger Bags, angelehnt an die früheren Briefträgertaschen, über die Schulter. Auch die Taschen für die Laptops böten für mehr Dinge Platz als das Notebook, da so mancher Mann von heute durchaus neben Geldbeutel und Schlüssel auch seine Kosmetik unterwegs nicht missen möchte. Die unsägliche Herrenhandtasche von einst à la Erwin Pelzig sei aber überholt.

„Ich bin eine Art Trüffelschwein für schöne Produkte rund um die Frau“. Ursprünglich war die 46-jährige im Tourismus, im E-Commerce und in der Hotellerie tätig. Heute präsentiert sie u.a. bei einem Münchner Shoppingsender schöne Sache, die sie auf ihren Reisen entdeckt. Auch in München, wo sie wohnt, ist sie in Sachen „Trüffelsuche“ gerne unterwegs. Jüngst hat sie Kundinnen des Geschenke-Concept-Stores im eleganten Luitpoldblock handtaschen-therapeutisch beraten.
Doris Losch

Weitere Informationen:
www.handtaschentherapie.de
 

Titelbild: Rosanna Pierantognetti (rechts) mit zwei Handtaschenbesitzerinnen, die, ihren strahlenden Gesichtern zu urteilen, nur das allerbeste über die Tascheninhalte in psychologischer Hinsicht erfahren haben! Foto: Concept Store/Luitpoldblock