Isetta – die „Knutschkugel“ feiert 50. Geburtstag


Im gediegenen Hotel Bachmair am See in Rottach-Egern standen die Journalisten vor einem Zweisitzer, der freilich nichts mit einem Sportwagen gemein hatte, sondern das Aussehen eines kugelförmigen Wägelchen hatte, rundum verglast – und mit dem Einstieg vorne.
Das so putzig anmutende Wägelchen, stammt ursprünglich aus der Werkstatt des italienischen Motorrad- und Kühlschrank- Herstellers Iso, der auf dem Turiner Salon 1954 die Isetta vorstellte. Zunächst bestach die Isetta durch ihre Form. Das „auf Räder gestellte Ei“, wie das Mobil vom ersten Moment an beschrieben wurde, fiel jedoch nicht nur durch seine originelle Form auf, sondern auch durch seine technischen Besonderheiten. So war die komplette Front nach vorne wegklappbar “ nicht einmal Luxuslimousinen boten einen derart großzügigen Einstieg. Lenkrad und Armaturen waren an dieser wagenbreiten Tür befestigt. Ein Kardangelenk, das die Lenksäule wenige Zentimeter oberhalb des Bodenblechs teilte, erlaubte es, die Lenkung ebenfalls mit nach vorne zu bewegen. Damit mussten Fahrer und Beifahrer lediglich noch über die feststehende Pedalerie klettern und konnten ohne Verrenkungen auf der Zweierbank Platz nehmen. Dahinter erstreckte sich eine großzügige Ablagefläche, die Reserverad und gegebenenfalls Gepäck aufnahm. Hinter den Insassen tuckerte das Herz der kleinen Italienerin, ein Zweitaktmotor mit Doppelkolben, die einen Hubraum von 236 Kubikzentimetern durchliefen und dabei 9,5 PS abgeben konnten.
BMW gelang es, die Lizenz für den Namen „Isetta“ sowie auch wesentliche Karosseriewerkzeuge übernehmen. Ein Jahr später fand bereits die Vorstellung der BMW Isetta statt. Optisch und technisch war das italienische Original bei BMW in vielen Details modifiziert und verbessert worden. Oben statt unten angebrachte, freistehende Scheinwerfer und ein neuer Motordeckel verändern auf den ersten Blick sichtbar die Karosserie. Doch war schon die Karosserie gekauft, sollte wenigstens der Antrieb ursprünglich von BMW sein. Denn immerhin entstand in München eine bewährte, zuverlässige und perfekt passende Antriebsquelle:
Der Einzylinder des BMW R25/3 Motorrades. Die „Stopfkugel“, wie das Motocoupé mitunter genannt wurde, brachte es auf 85 km/h Höchstgeschwindigkeit bei 3,8 Liter Verbrauch, vollgetankt erreichte die Isetta vollgetankt lediglich 360 Kilo. Mit dem 2285 Millimeter langen und 1,38 Meter breiten Motocoupé konnte man senkrecht zur Bordschwelle einparken. Das charakteristischste Merkmal der Isetta, die ihr auch den Spitznamen Weihnachtsauto („Macht hoch die Tür..“) eintrug, war im Übrigen nicht nur für den Einsteigekomfort der Mitfahrer vorteilhaft, sondern auch für die Umwelt; denn mit Hilfe des eingebauten Kniehebelverschluses ließ sich die Tür geräuschlos und sicher schließen.
11.200 Isetten hatte sich BMW als Produktionsziel für das Jahr 1955 vorgenommen, es wurden jedoch bis Ende 1955 mit 12911 deutlich mehr Stück hergestellt und verkauft als geplant. Im Herbst 1956 führte BMW darüber hinaus noch Exportversionen der mittlerweile beiden Varianten (z.B. Die Isetta mit 300 cm³-Motor) ein und konnte in den USA mit einer für den dortigen Markt eigens veränderten Version 12.787 Isetten absetzen.
Dennoch hielt sich das „Ei auf Rädern“ wacker gegenüber der immer größer und moderner werdenden Konkurrenz. Vor allem durch den günstigen Preis und die dennoch hohe Qualität. Mit 2650 DM für die 250er Version und 2710 DM für die 300 Kubik-Isetta war der Kleinwagen 1960 fast unschlagbar preiswert. Bis zur Einstellung der Isetta-Produktion im Jahr 1962 waren 161728 Exemplare des Motocoupés gebaut worden.
Alle Fotos: BMW Isetta