Straße der Romanik: Hildegard von Bingen und der besondere Zauber ihrer Küche


Die 1098 geborene und 1179 gestorbene Heilige, Mystikerin, Äbtissin und Naturwissenschaftlerin Hildegard von Bingen erreichte ein für ihre Zeit biblisches Alter von 81 Jahren.

Die Nonne aus Bingen wurde immerhin dreimal so alt wie die normale Frau im damaligen Mittelalter. Das hing, wie jeder Kenner des Mittelalters weiß, mit drei Dingen zusammen: Beten, Singen, Kochen.

Beten und Singen als tägliche Übung und klösterlicher Lebensrhythmus, sorgt für eine innere Balance und Ausgeglichenheit, stärkt aber auch die Nerven.

Um die eigenen Nerven so richtig fit zu machen, empfiehlt Hildegard: Muskat, Zimt, etwas Nelken in den Mörser und fein zerreiben. Hinzu kommt noch ein Topf voller Mehl: aber nur aus Dinkel oder Emmer!

Das sind alte und besonders mineralreiche Getreidesorten, die man heute im Bio-Geschäft kaufen kann. Anschließend geht es an das Butterfass voller frischer Milch. Das Butterfass muss nun solange gestampft werden, bis 10 Psalmen nacheinander gesungen sind. Wie lange das ist, kann geschätzt werden, es dauert aber sicherlich 15-20 Minuten.

Sobald auf der Milch Butterstücke schwimmen, ist aus einem Teil der Milch leckere Butter geworden. Jetzt gibt man zu dem gemahlenen Getreide die fein geriebenen Gewürze, Honig, Maulbeersaft und zwei volle Hände zerkleinerter Mandeln hinzu. Die restliche Milch gießt man in den Topf bis die Masse zu einem geschmeidigen Teig wird. Es folgt das Kneten und gleichzeitige Singen, dieser Arbeitsschritt hat etwas sehr meditatives. Wer nicht singen kann, sollte zumindest dabei leise summen.

Anschließend formt man aus dem Teig schöne runde, dicke Plätzchen und steckt sie in den Ofen, zwei Rosenkränze lang, das sind fast 15 Minuten und lässt sie backen. Vollendet ist jetzt die beste Nervennahrung, Hildegard von Bingens besondere Plätzchen, nach ihrem fast 800 Jahre altem Rezept.

Die Klosterfrau Hildegard schreibt selbst hierzu:
Diese Plätzchen vertreiben alle Bitternis deines Herzens und geben deiner Gesinnung Ruhe und öffnen dein Herz und deine fünf Sinne und machen deine Stimmung heiter und reinigen deine Sinnesorgane und mindern in dir alle Schadsäfte und liefern deinem Blut eine gute Säftezusammensetzung, machen dich leistungsfähig, stark und froh.“

Zusammen mit dem später heilig gesprochenem Bischof Otto aus Bamberg war Hildegard von Bingen auch Gast und Besucher einiger Klöster im Harz.
Quelle: © by CAB Artis 2012

Die „Straße der Romanik“ feiert 2013 ein Jubiläum 20 Jahre wird sie alt, die Reiseroute Richtung Mittelalter. 80 Stationen, darunter einige teils wiederbelebte Klöster, warten auf Entdeckung und laden zum Besuch dieser besonderen Kulturlandschaft ein.

Weitere Informationen:
www.strasse-der-romanik.de
www.sachsen-anhalt-tourismus.de
www.klostergarten-jerichow.de
www.kloster-memleben.de
(Die Links wurden am 23.03.2013 getestet.)

Bildtext: Der Naumburger Dom zählt zu den berühmtesten Bauwerken an der „Straße der Romanik“. Bekannt ist er vor allem wegen der beiden Stifterfiguren Markgraf Ekkehard und Uta (s.Detailfoto).