Wanderausstellung „Wiederaufbau und Wirtschaftswunder“ im Isergebirgs-Museum Neugablonz


Sie war in Bayreuth, Coburg, Nürnberg, Regensburg, Landshut, München, Augsburg, Fürth und Weiden zu Gast. Mit ausgewählten Highlights spannt die Schau den Bogen von den Entbehrungen der Nachkriegszeit bis zum neuen Wohlstand der 1950er Jahre. Von Trümmerfrauen und Care-Paket bis Nierentisch und Petticoat – die Zeit von Wiederaufbau und Wirtschaftswunder weckt viele Erinnerungen. Diese Epoche prägt Bayern bis heute. Das gilt für Lebensstil und Jugendkultur ebenso wie für die Architektur von Kaufhäusern, Kinos und Kirchen.

Als im Mai 1945 Frieden einkehrte, zeigte sich erst das ganze Ausmaß der Kriegsfolgen: Zahllose Familien waren zerrissen, Hunderttausende waren ohne Obdach, Millionen hungerten oder waren auf der Flucht. Der Kaufbeurer Stadtteil Neugablonz ist einer der nach dem Krieg gegründeten Flüchtlingsorte. Das ehemalige Rüstungsgelände am Hart-Wald wurde zu einem Industriezentrum für Glas- und Schmuckwarenindustrie entwickelt und beherbergte schließlich die größte Vertriebenenansiedlung Bayerns. Die Flüchtlinge stammten vorwiegend aus dem nordböhmischen Gablonz an der Neiße. Im Jahr 1965 lebten in Kaufbeuren insgesamt 38.878 Einwohner, davon 17.695 Heimatvertriebene.

Für viele Menschen veränderte sich der Alltag in den fünfziger Jahren von Grund auf. Die Dynamik dieser Zeit war unübersehbar: Hausfrauen bekamen elektrische Helfer wie die Waschmaschine und brachten Exotisches wie den Hawaii-Toast auf den Tisch, während im Wohnzimmer der erste Radio, später dann der erste Fernseher lief und vor der Haustür das Auto, oft ein VW-Käfer, eine BMW-Isetta oder ein Goggo parkte, mit dem man in den Urlaub fuhr.

Weitere Informationen:
www.hdbg.de/…
(Der Link wurde am 27.11.2012 getestet.)

Bildunterschrift: In den fünfziger Jahren nähten viele Frauen ihre Kleidung selbst – Zeitschriften mit Schnittmustern boomten. Die Damenwelt trug damals Rock, Hosen galten schlicht als unweiblich.
© Foto: Lorz / Haus der Bayerischen Geschichte)
Augsburg, Haus/Bay. Gesch.
Quelle-Katalog. Das trug die Damenwelt im Sommer 1959: Links Modell „Mantua“, rechts Modell „Kulmbach“. In den fünfziger Jahren brachten Versandhäuser wie Quelle in Fürth die große, weite Welt auch in kleine Stuben. © Foto: Haus der Bayerischen Geschichte. Augsburg, Haus/Bay. Gesch.