Schauspielerin Judith Hoersch unterwegs mit CARE in Haiti


Nach dem verheerenden Erdbeben im Januar 2010, das über 200.000 Menschen in Haiti das Leben gekostet hat, wollte Judith Hoersch nicht einfach nur hinsehen, sondern handeln: „Damals empfand ich die Bilder in den Nachrichten als so abstrakt“, erzählt sie. „Ich konnte mir das Ausmaß der Katastrophe nicht richtig vorstellen.“

Mit jeder Menge Elan und Überzeugungskraft produzierte sie in Zusammenarbeit mit Random House Audio ein Hörbuch mit Geschichten von Gary Victor, einem der beliebtesten haitianischen Autoren. Darauf lasen neben Judith Hoersch selbst auch viele namhafte deutsche Schauspieler wie Ralph Herforth, Richy Müller oder Steffen Groth. „Ich wollte mit meinen Möglichkeiten helfen und zeigen, dass Haiti neben all dem Leid auch jede Menge Kunst und Schönheit zu bieten hat“, so die junge Schauspielerin.

Der Erlös des Hörbuches floss in die Arbeit der Hilfsorganisation CARE, die seit über 50 Jahren in Haiti arbeitet und nach dem Erdbeben unmittelbar Nothilfe geleistet hat. CARE wurde nach dem zweiten Weltkrieg in Europa durch die „CARE-Pakete“ bekannt und zählt heute zu den weltweit größten privaten Hilfsorganisationen. Zwei Jahre nach dem Erdbeben besuchte Judith Hoersch nun das Land, um sich ein Bild vom Fortschritt des Wiederaufbaus zu machen und natürlich, um den Schriftsteller Gary Victor endlich persönlich zu treffen.

Über 40 Prozent der haitianischen Bevölkerung kann weder lesen noch schreiben, deshalb konzentriert sich CARE besonders auf Bildungsarbeit. Im Erdbebengebiet von Léogâne besucht Judith Hoersch mehrere Schulen und begegnet dort unzähligen wissbegierigen Kindern: „Die Mädchen und Jungen wollen später mal Pilot werden, Krankenschwester oder Anwältin. Sie wollen alle gut in der Schule sein, machen alle ihre Hausaufgaben und erzählen mir von ihren Schulwegen“, berichtet die deutsche Schauspielerin. „Ein Mädchen geht morgens um 5.30 Uhr zu Hause los, zwei Stunden  zu Fuß zur Schule. Kann man sich das wirklich vorstellen? Und wir reden hier nicht von schönen und ungefährlichen Straßen.“

Das Treffen mit Gary Victor zum Abschluss der Reise ist für Judith Hoersch ein Höhepunkt: „Als er kommt, gibt es keine Berührungsängste, keine komischen, unangenehmen Pausen“, erzählt Judith strahlend. Der haitianische Schriftsteller erzählt dem deutschen Gast über sein Land und wie er selbst das Erdbeben erlebt hat: „Die Bilder verfolgen mich bis heute. Sechs Stunden bin ich durch die zerstörte Stadt gelaufen, auf der Suche nach meinen Kindern. Sechs Stunden musste ich glauben, dass sie tot seien.“ Ob er sein Land nicht verlassen wollte, nach all dem Leid, fragt Judith. „Ich bin 100 Prozent karibisch. Hier ist meine Heimat, hier gehöre ich hin“, sagt Gary Victor nachdrücklich. Der Wiederaufbau des Landes wird nicht von heute auf morgen passieren, das nimmt Judith Hoersch mit: „Es geht darum, den Leuten eine langfristige Verbesserung ihrer Lebensumstände zu bieten“, berichtet sie. „Und zwar nicht, indem man von außen eine Idee mitbringt, sondern durch Gespräche mit den Gemeinden rauszufinden, wo es wirklich brennt – ja, was wirklich gebraucht wird.“

Mit all diesen Eindrücken sagt Judith Hoersch „Auf Wiedersehen, Haiti“. Nun will sie in Deutschland davon erzählen, wie es den Menschen heute geht. Dazu hat sie mitgeschrieben, fotografiert und gefilmt. Ein Reisetagebuch und Kurzfilm sind daraus entstanden und damit ein sehr persönlicher, ungefilterter Blick auf das kleine Land in der Karibik, das die Last und das Leid der Vergangenheit hinter sich lassen möchte.

Über CARE:
CARE wurde 1945 in den USA gegründet, um Armut und Hunger in Europa mit über 100 Millionen CARE-Paketen zu lindern. Allein in Deutschland wurden damals 10 Millionen CARE-Pakete verteilt. Heute setzt sich CARE in über 80 Ländern mit überwiegend einheimischen Kräften für die Überwindung von Not, Armut und Ausgrenzung ein. Dafür ist die Unterstützung von Frauen und Mädchen ein wichtiger Baustein. CARE hat Beraterstatus bei den Vereinten Nationen und hilft unabhängig von politischer Anschauung, religiösem Bekenntnis oder ethnischer Herkunft. Für seine sorgfältige Verwendung von Spendengeldern erhält CARE Deutschland-Luxemburg schon seit Jahren das DZI-Spendensiegel und belegt beim Transparenzpreis von PricewaterhouseCoopers regelmäßig einen der ersten Plätze. Im vergangenen Jahr hat CARE über 122 Millionen Menschen weltweit unterstützt.

Weitere Informationen:
www.care.de
www.randomhouse.de/…
blog.care.de/…

(Die Links wurden am 15.07.2012 getestet.)

Bildtext: Zwei Künstler unter sich: Judith Hoersch und Schriftsteller Gary Victor; Judith Hoersch spricht mit Schulkindern in Leogane, Haiti Fotos: CARE/Evelyn Hockstein