UNICEF: Mädchenbeschneidung stoppen!


Obwohl die Verstümmelung weiblicher Geschlechtsorgane in den meisten Ländern verboten ist, sind jedes Jahr schätzungsweise drei Millionen Mädchen in Gefahr, an ihren Genitalien beschnitten zu werden. Zwar schreibt keine der Weltreligionen diese Praxis vor. Sie gilt aber in vielen Ländern als soziale Norm für Reinheit, Schönheit und Keuschheit.

Eine neue UNICEF-Studie dokumentiert jetzt, dass auch in Ländern, in denen die Praxis noch stark verbreitet ist, ein Bewusstseinswandel begonnen hat. In Ägypten sank zum Beispiel der Anteil der Frauen, die sagten, ihre Töchter müssten beschnitten werden, von 82 Prozent (1995) auf 63 Prozent. In Äthiopien halbierte sich der Anteil der Befürworter von 60 Prozent (2000) auf 31 Prozent. Im Sudan waren in den 90er Jahren noch 79 Prozent der Frauen für die Praxis – 2006 waren es noch rund 51 Prozent.

Mädchenbeschneidungen werden oft unter unhygienischen Bedingungen und ohne Betäubung durchgeführt. Sie führen häufig lebenslang zu schweren körperlichen und psychischen Problemen und sie verletzen elementare Menschenrechte. Die Praxis ist vor allem in 28 Ländern Afrikas und im Jemen weit verbreitet. In geringerem Umfang kommt sie auch in einigen Ländern Asiens, im Mittleren Osten sowie unter Einwanderfamilien in westlichen Ländern vor. Weltweit leben zwischen 70 und 140 Millionen beschnittene Frauen.

Nach Einschätzung von UNICEF lässt sich die Mädchenbeschneidung nicht einfach verbieten. Zwar sind Gesetze wichtig. Doch die Entscheidung, sich von der Tradition zu lösen, kann nicht die Familie allein treffen. Eltern lassen ihre Töchter so lange beschneiden, wie in der Gemeinschaft nur beschnittene Mädchen als „rein“ und heiratsfähig gelten. Widersetzen sie sich, muss die Familie mit sozialer Ausgrenzung rechnen. Wenn sich aber die Mehrheit zur Abschaffung der Praxis bekennt, führt dies dazu, dass nicht-beschnittene Mädchen und ihre Familien zum geachteten Teil der Gemeinschaft gehören.
UNICEF

Eine Bundesratsinitiative der Länder Baden-Württemberg und Hessen wird voraussichtlich bald im Bundestag behandelt werden. "Das Strafrecht muss ein deutliches Signal gegen diese schwere Menschenrechtsverletzung setzen" erklärt Baden-Württembergs Justizminister und Integrationsbeauftragter Prof. Dr. Ulrich Goll in Stuttgart.

Weitere Informationen:
www.unicef.de