Svea Kuschel + Kolleginnen: Betreuungsgeld: Falsche Weichenstellung für die Mütter


"Frauen, die in lange Familienpausen gehen und dafür auf ihren Beruf verzichten, droht Altersarmut", sagt Constanze Hintze, Geschäftsführerin von Svea Kuschel + Kolleginnen. Ihr Unternehmen hat sich auf die Vorsorge- und Vermögensberatung von Frauen spezialisiert. Sie kennt die Folgen, wenn Frauen einen Weg als Familienmanagerin wählen und dabei ihre eigene Vorsorge außer acht lassen. "Männer, die seit 2007 Rente beziehen, erhalten im Schnitt 863 Euro. Frauen bekommen mit 434 Euro knapp die Hälfte! Der Grund dafür: Die Frauen haben für die Familie ihr Erwerbsleben unterbrochen." (Quelle: Deutsche Rentenversicherung 2009). Die jüngeren Frauen sind zwar viel häufiger erwerbstätig und besser ausgebildet. Und doch stellen Frauen die überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmer, die Teilzeit arbeiten. In den alten Bundesländern sind selbst die Mütter von älteren Teenagern mehrheitlich in Teilzeit tätig. (Quelle: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-Böckler-Stiftung, 2008).

Hintze warnt: "Die Frauen werden in die Pflicht genommen: Kümmert euch selbst um eure Finanzplanung und eure Vorsorge! Und das ist gut und richtig. Doch das Betreuungsgeld wäre ein Signal in die genau entgegengesetzte Richtung." Das macht es den Frauen noch schwerer, für sich die richtige Entscheidung zu fällen. "Schließlich darf man nicht vergessen, dass an ihnen aus vielen Richtungen herumgezerrt wird: Sie sollen und möchten einen Beruf haben, eine gute Mutter und Partnerin sein. Da gibt es eine Menge gesellschaftlichen Druck."

Scheinargument der Wahlfreiheit
Theoretisch besteht schon lange ein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. Praktisch ist in vielen Regionen nur schwer einer zu finden. Und wenn, dann halbtags und zu Zeiten, die mit dem Arbeitsleben schwer zu vereinbaren sind. Nun soll also bei den Unter-Dreijährigen "Wahlfreiheit" hergestellt werden. Es gibt wenig Hoffnung, dass 2013 für die Kleinen bessere öffentliche Angebote existieren werden als heute für die Größeren. Wie wird diese Wahlfreiheit also realistisch betrachtet aussehen? Das Elternpaar wird anfangen zu rechnen: Erst 12 bis 14 Monate Elterngeld, Kindergeld und Steuerersparnis gibt es obendrauf. Gute Tagesbetreuung ist nicht nur schwer zu kriegen, sondern auch teuer. Da scheint sich ein Zubrot von 150 Euro zu lohnen – und drei Jahre Erziehungsurlaub sind ohnehin möglich. Schnell sind die Weichen gestellt: Statt nach einem Jahr wieder zu arbeiten, bleibt die Frau zwei weitere Jahre daheim.

Das "Ernährer-Modell" führt in die Abhängigkeit – auch heute
Wer glaubt, dass sich heutzutage auch viele Männer längerfristig für die Familienarbeit entscheiden könnten, der irrt. 97 Prozent der erwerbstätigen Väter arbeiten Vollzeit, 57 Prozent davon über 40 Stunden pro Woche. Im Durchschnitt arbeiten Männer mit minderjährigen Kindern sogar 1,2 Stunden länger als Männer ohne Nachwuchs (Quelle: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-Böckler-Stiftung, 2008). "Für den besser verdienenden Partner – in der Regel der Mann – sind 150 Euro im Monat unattraktiv. Diese Option werden wohl wenige wahrnehmen", so die Prognose von Constanze Hintze.

Die 150 Euro werden sehr wahrscheinlich einfach im Familienbudget aufgehen. Es gibt einen "Ernährer" – das schafft Abhängigkeit und Konfliktpotenzial. Zudem verliert die Frau mit jedem Jahr Familienzeit an Qualifikation. Hat sie mehrere Kinder, wird der Zeitraum ohne berufliche Erfahrungen bedenklich lang. Der Arbeitsmarkt ist eng und wird es wohl bleiben. Der Wiedereinstieg wird immer schwerer – vor allem, wenn sie mehrere Kinder hat. Und sehr wahrscheinlich geht es dann in einem Teilzeitjob weiter. Schließlich hat sich alles schon auf ihre Rolle in der Familie eingestellt.

Sollte es zur Scheidung kommen – und heute zerbricht jede dritte Ehe – hat das schmerzhafte Folgen: Das neue Unterhaltsrecht verlangt von den Ex-Eheleuten, sehr schnell wieder ganz auf eigenen Füßen zu stehen. Da gibt es dann keine Wahlfreiheit mehr – sie muss auch einen schlechteren Job mit weniger Bezahlung akzeptieren.

Spätestens im Alter wird das Geld knapp
Auch bei der Altersvorsorge fällt sie zurück: Drei Jahre pro Kind sind später maximal 78 Euro Rente im Monat – das entspräche den Beiträgen bei einem Jahreseinkommen von 30.000 Euro. Nehmen wir an, er verdient als IT-Manager rund 65.000 Euro. Dann erwirbt er in dieser Zeit bereits doppelt so hohe Rentenansprüche, Betriebsrente und eigene Versicherungen noch nicht gerechnet. Nehmen wir weiter an, die beiden bleiben zusammen: Auch im Alter kommt dann der größte Teil des gemeinsamen Einkommens von seiner Seite. Das gibt Konfliktstoff – denn immer noch ist sie von ihm abhängig. Und durch ihre Auszeiten verfügen sie zusammen über ein geringeres Budget, als wenn beide kontinuierlich gearbeitet und ihre Vorsorgetöpfe gefüllt hätten. Angesichts der Entwicklung der Rentenkassen kann das sehr knapp werden.

Bei einer Scheidung gibt es zwar den Versorgungsausgleich – doch ob sie nach Auszeiten und Teilzeitarbeit noch beruflich voran- und auf ein gutes Rentenniveau kommen kann, ist zweifelhaft. Nach einer Trennung ganz schlimm dran sind natürlich Frauen, die ohne Ehering die Rolle der Hausfrau übernommen haben.

Ehevertrag abschließen und eigene Vorsorge sichern!
Beruf und Kinder, Ehe – jeder wählt seine Schwerpunkte individuell. Doch Eigenständigkeit und Vorsorge sollte niemand vernachlässigen. "Der erste Schritt ist die unabhängige Finanzplanung" rät Constanze Hintze. "Jede Frau sollte sich um den eigenen Vermögensaufbau kümmern und dabei auf jeden Fall die staatlich geförderten Altersvorsorgemodelle nutzen. Dabei zählt jeder Euro – je früher, desto besser!" Vor der Familiengründung empfiehlt sie, einen Ehevertrag abzuschließen, in dem die wichtigen Punkte geklärt werden. Dr. Barbara Schramm, Münchner Fachanwältin für Familien- und Erbrecht, macht die Vorteile klar. "Hier kann man alles frühzeitig vernünftig regeln – nicht nur den Unterhalt für den Fall der Trennung, sondern vielmehr auch, wie die Familienarbeit in der Ehe honoriert werden soll." Sie empfiehlt, hier von vornherein auch festzulegen, dass der wirtschaftlich stärkere und beruflich aktivere Partner dem anderen für die Zeit der Familienarbeit eine eigenständige Altersvorsorge finanziert.

Hintze kennt die schlechten Startbedingungen, unter denen Mütter am Ende einer Ehe oft ihr neues Leben in den Griff bekommen müssen. Und sie weiß aus ihrer Beratungspraxis: "Bei diesen Themen sind viele Gefühle im Spiel. Oft fürchten die Frauen, hier in Konflikte zu geraten. In späteren Jahren bereuen viele dann sehr, dass sie nicht genug vorgesorgt und die Weichen nicht anders gestellt haben." Die Finanzexpertin und die Anwältin raten den Frauen deshalb dazu, diese Fragen nicht aufzuschieben und sich fachkundig beraten zu lassen – ob das Betreuungsgeld nun verwirklicht wird oder nicht.
Quelle: Svea Kuschel + Kolleginnen

Weitere Informationen:
www.svea-kuschel.de

(Der Link wurde am 18.12.2009 getestet.)