IdgS: Die Vogel-Kirsche ist „Baum des Jahres 2010“


Für so genannte Barbarazweige schneidet man Anfang Dezember – am 4. Dezember ist Namenstag der Heiligen Barbara – ein paar Kirschzweige ab, stellt sie im Zimmer in die Vase, und dann blühen sie (mit etwas Glück) zu Weihnachten.

Die Vogel-Kirsche verfügt jedoch über viele weitere bemerkenswerte Eigenschaften. In der Krone einer freistehenden, erwachsenen Vogel-Kirsche können sich bis zu einer Million Blüten befinden! Sie sind für Bienen, Hummeln und andere Insekten eine der wichtigsten Nektarquellen, weshalb Imker die Kirschblüte sehr schätzen. Aber auch für uns Menschen gilt: Was wäre ein Frühling ohne Kirschblüte? Wilde Vogel-Kirschen kommen vor allem am Waldrand und in der freien Landschaft vor, wo sie allerdings von Kultur-Kirschen schwer zu unterscheiden sind. Die Früchte der Wildform sind jedoch deutlich kleiner (nur 1 cm dick), die Kronen schlanker. Oft erkennt man bei Kulturkirschen am Stamm, meist in etwa 2 m Stammhöhe, knollenartige Verdickungen an der Stelle, an der die Bäume gepfropft wurden.

Die Früchte sind wegen ihrer Inhaltsstoffe sehr wertvoll für uns Menschen, aber auch bei Tieren sehr begehrt. Bis zu ihrer Reife muss ein Kirschbaum allerdings viele Klippen erfolgreich umschiffen: Spätfrost oder Regen während der Blüte, Trockenheit, Hagel, Fraßfeinde und Schädlinge. Kirschen werden nicht nur für Schwarzwälder Kirschtorte und tausende anderer Leckereien verwendet, sondern neuerdings auch für Landes-, Deutschland- und Weltmeisterschaften im Kirschkern-Weitspucken – der Rekord liegt derzeit bei 21,71 m.

Ein ästhetischer Genuss ist die Herbstfärbung der Vogel- und Süß-Kirsche: sie kann leuchtend orange bis feuerrot werden und damit Ende Oktober für einen herbstlichen Höhepunkt in der Landschaft sorgen, fast wie der "Indian Summer" in Nordamerika (dort sind es allerdings Ahorne, die das Feuerrot verbreiten).

Vogel-Kirschbäume können im Wald bis 30 Meter, im Freistand bis 20 Meter hoch und maximal 150 Jahre alt werden. Der Stamm kann oberhalb der Wurzelanläufe etwa einen Meter dick werden. Etwas sehr Schönes sind Kirschbaum-Alleen in der Landschaft. Man findet sie aber heute äußerst selten, da diese Baumart sich nicht besonders für schnell und stärker befahrene Straßen eignet. Umso wertvoller sind die wenigen an Nebenstraßen und Feldwegen verbliebenen Vogel-Kirschbäume. Doch in Städten gibt es ab und an Kirschbaum-Alleen, so zum Beispiel im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg.

Hinsichtlich der Ansprüche an Nährstoffe und Feuchtigkeit ist die Vogel-Kirsche sehr genügsam, sie kann sogar als Pionierbaum auf Schuttflächen wachsen. Aufgrund ihrer Hitze- und Trockenheitstoleranz profitiert sie tendenziell vom Klimawandel, weil sie gegenüber anderen Baumarten konkurrenzkräftiger wird.

Im Wald ist die Vogel-Kirsche derzeit eher eine seltene Baumart, die unbedingt mehr beachtet werden sollte – nicht nur, weil man mit ihrem Holz sehr gute Preise erzielt. Es hat einen rötlichen Farbton, der sehr gesucht ist, und dient als Möbelholz (etwa für Biedermeiermöbel) sowie für wertvolle Furniere.

Auch ökologisch ist die Kirsche äußerst bedeutsam. So können alte, angefaulte Stämme vom seltenen Hirschkäfer besiedelt werden. Auch als Ziergehölz ist der Kirschbaum sehr beliebt. Das edelste Baumpaar im Garten sind Kirschbaum und Walnuss; sie ergänzen sich ideal, sowohl was ihr Äußeres betrifft als auch ihre Nutzung.

Kirschkerne werden von absoluten Spezialisten zum Schnitzen verwendet. So befindet sich im "Grünen Gewölbe" in Dresden ein Kirschkern aus dem Jahre 1589 mit 185 (!!) geschnitzten Gesichtern. Damals hatten die Menschen noch Zeit… Kirschkernkissen erleben derzeit eine Renaissance als guter Wärmflaschenersatz: Die getrockneten Kerne werden in Leinensäckchen oder Kissen gefüllt, in der Mikrowelle, im Backofen oder Ofen erhitzt und zum Wärmen ins Bett oder auf empfindliche Körperstellen gelegt – das hilft bei Rheuma, Schmerzen, Hexenschuss und kalten Füßen. Viele schwören auf den wohltuenden Schlaf auf Kirschkernkissen, die sich übrigens auch für Allergiker eignen.

Im Jahr der Kirsche sollten auch bei uns am Tag des Baumes (25. April) Kirschblütenfeste gefeiert werden. In Japan wird das seit etwa 1.000 Jahren alljährlich getan, wenn die dort heimischen Blütenkirschen das Land in ein Meer von Rosa-, Pink- und Weißtönen tauchen. Dafür gibt es dort sogar meist einen freien Arbeitstag, im April ist dort nichts anderes so wichtig wie die Kirschblüte.

Es gibt also jede Menge guter Gründe, warum die Vogel-Kirsche "Baum des Jahres" geworden ist. Jetzt ist die richtige Zeit, einen Kirschbaum zu pflanzen! Wenn Menschen mehr auf die Kirschbäume in der Landschaft achten, erleben sie die Jahreszeiten intensiver und noch schöner. Und in diesem Jahr schmeckt die Schwarzwälder Kirschtorte besonders gut…
Quelle: IDgS

Weitere Informationen:
www.baum-des-jahres.de
www.die-gruene-stadt.de

Bildtext: Der "Baum des Jahres 2010": die Vogel-Kirsche. Sie verfügt über viele bemerkenswerte Eigenschaften und ist ein schöner Begleiter durchs Jahr. Im Frühling erfreut sie mit strahlend weißen Blüten, im Sommer mit ihren Früchten und später im Jahr mit einer prachtvollen Herbstfärbung. Foto: IDgS/Roloff.

(Die Links wurden am 04.12.2009 getestet.)