Svea Kuschel: „Gibt es ein weibliches Liechtenstein?“


Dass das männliche Finanzverhalten anders ist als das der Frauen, damit haben sich schon viele Wirtschaftsforscher, Psychologen und auch Finanzberater(innen) beschäftigt, und alle kommen mehr oder weniger zu dem selben Ergebnis: obwohl sich mehr und mehr Frauen aktiv und kenntnisreich mit den Themen Vermögensaufbau, Geldanlage und Finanzvorsorge befassen, sind es noch ganz klar die Männer, die im Finanzbereich den Ton angeben.

Das gilt für Geldanlagen in Aktien-, Immobilien- oder Investmentfonds ebenso wie für die börsliche Bereitschaft zum Zocken. Aber gilt es auch für die finanzielle Ehrlichkeit und die Bereitschaft, Steuern zu zahlen? Nicht wirklich, denn nach einer im Auftrag des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) durchgeführten EMNID-Studie aus dem Jahre 2007 nimmt es jeder vierte Mann in Deutschland mit der Steuererklärung nicht so genau, während bei den Frauen nur jede 7. der Wahrheit nicht immer die Ehre gibt. Sind Frauen also steuerehrlicher?

Constanze Hintze, Geschäftsführerin von Svea Kuschel + Kolleginnen, Finanzberatung für Frauen GmbH mit Niederlassungen in München, Hamburg und im RheinMain-Gebiet: "Steuern zu hinterziehen ist meist Männersache, und das liegt nicht daran, dass die Steuererklärungen meist von den Männern ausgefüllt werden oder dass beispielsweise unter den 55 reichsten Menschen Deutschlands, die das Forbes- Magazin ausgemacht hat, lediglich 11 Personen – also 20% – Frauen sind" (Quelle: Die Welt/Forbes Magazin, März 2007).

Die bessere weibliche Zahlungsmoral, so Hintze, sei vor allem auf ein höheres gesellschaftliches Verantwortungsgefühl zurückzuführen und darauf, dass frau als Besserverdienerin der Gemeinschaft auch wieder etwas zurückgeben wolle – nicht zuletzt zur Finanzierung von Sozialprojekten, die dann wieder allen zugute kommen. "Frauen sind da schon aus ihrer Erziehung und Historie heraus wesentlich Werte bewusster".

Gehen die Frauen aus dem jüngsten Liechenstein-Debakel also als die moralischen Siegerinnen hervor? "Im großen und ganzen ja". Die Finanzexpertin Hintze ist sich sicher. "Frauen setzen auf Transparenz, und vor allem wollen sie ihre Nerven nicht unnötig strapazieren". Der Wunsch, Steuern zu sparen, sei natürlich genauso vorhanden. Allerdings wolle man das beispielsweise mit steueroptimierten Geldanlagen erledigen und nicht dadurch, dass man Gelder heimlich außer Landes schaffe: "Das Rechtsbewußtsein bei den Frauen ist ausgeprägter als bei den Männern, sie sind wesentlich geradliniger. In unseren Beratungsgesprächen zeigt sich das immer wieder", so Hintze. "Das Zocken, in welcher Form auch immer, überlässt frau lieber anderen".

Quelle: Svea Kuschel und Kolleginnen