Ganz schön stark: Der Ginkgo


Der Ginkgo (siehe Foto) existierte schon zu Zeiten der Dinosaurier und hat aufgrund seiner lange zurückreichenden Entwicklungsgeschichte einzigartige botanische Merkmale: Mit den fächerförmigen, lang gestielten Blättern sieht er wie ein Laubbaum aus. Aus botanischer Sicht gehört er eher zu den Nadelgehölzen.

Ursprünglich in Europa heimisch, haben die Eiszeiten jedoch dazu geführt, dass dieser Baum hier ausgestorben ist. Er überlebte die Kälteperioden in Ostasien, wo er als heiliger Baum verehrt wird. Es gibt in China Exemplare, die über 1.000 Jahre alt sind. Der Ginkgo ist nicht nur sehr langlebig, sondern auch außerordentlich robust und sehr widerstandsfähig gegenüber Schädlingen und mit Schadstoffen belasteter Großstadtluft. Seine Widerstandskraft macht ihn zu einem Symbol für Lebenskraft und Energie. Er gilt auch als ein Zeichen der Hoffnung, denn einzelne Bäume haben sogar eine der schlimmsten Katastrophen in der Geschichte der Menschheit überstanden: Nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima im August 1945 war ein Ginkgo der erste Baum, der inmitten des am stärksten zerstörten Teils der Stadt im Frühling 1946 wieder austrieb.

Erst um 1730 fand der Ginkgo den Weg vom Fernen Osten nach Europa zurück. Es war sein eigenwilliges Erscheinungsbild und das damals große Interesse an neuen, exotischen Pflanzen, die dazu führten, dass dieser Baum Furore machte und gerne in herrschaftlichen Gärten gepflanzt wurde. Auch in Künstlerkreisen fand der Ginkgo viel Beachtung. Das Ginkgo-Blatt wurde im Jugendstil vielfach als Ornament verwendet; es fand sich auf Hausfassaden und diente als Vorlage für Schmuckstücke. Goethe hat dem Baum im Jahr 1815 sogar ein Gedicht gewidmet, das den Bekanntheitsgrad des Ginkgos erheblich steigerte.

Die interessanten, fächerartigen Blätter sind manchmal in der Mitte tief gespalten. Sie machen den Ginkgo vom Frühling bis zum Herbst zu einem besonderen Schmuckstück. Nach dem Austrieb sind sie erst frischgrün, später werden sie etwas dunkler und vor dem herbstlichen Blattfall färben sie sich leuchtend goldgelb. Bei älteren Bäumen sind im Herbst manchmal etwa kirschengroße gelbe bis orangefarbene Früchte zu sehen. Sie fallen erst nach dem Laubfall vom Baum. Nicht jeder Ginkgo entwickelt Früchte, denn diese Bäume sind „zweihäusig“, das heißt, es gibt männliche und weibliche Bäume. Weil die Früchte einen unangenehmen Geruch verströmen, werden in Europa vor allem die nicht fruchtenden, männlichen Ginkgos angepflanzt. Ganz anders dagegen im Fernen Osten: Dort gelten die Samen als Delikatesse. Nicht nur kulinarisch, sondern auch im medizinischen Bereich und bei der Schönheitspflege wird der Ginkgo in Teilen Ostasiens sehr geschätzt. Dem Baum wird eine Fülle an Heilwirkungen nachgesagt und seine Blätter wurden dort unter anderem bei Hauterkrankungen und Gedächtnisstörungen verwendet. Mittlerweile wird der Ginkgo auch in Europa medizinisch genutzt und Ginkgo-Extrakte finden sich unter anderem in vielen durchblutungsfördernden Präparaten und in Medikamenten gegen altersbedingte Erkrankungen.

Der Ginkgo ist ein anspruchsloser und pflegeleichter Baum für jede Gartengröße. Wichtig ist, dass man bei der Auswahl die Höhe und den Zuwachs des Baumes berücksichtigt. Die Art – Ginkgo biloba – kann 20 bis 30 m hoch werden und entwickelt sich im Einzelstand zu stattlichen, breitausladenden Bäumen. Ginkgo biloba kann aber auch im Hausgarten gepflanzt werden. Im Handel gibt es Sorten, die kleiner bleiben und manche eignen sich sogar für Pflanzgefäße auf Balkon und Terrasse. Wichtig für die gute Entwicklung eines Ginkgos ist ein sonniger Standort. Schnittmaßnahmen sind nicht notwendig, denn sie würden nur die natürliche Schönheit dieser Bäume beeinträchtigen.

Text (gekürzt) und Foto: PdM

Weitere Informationen:
www.der-garten-bewegt-mich.de

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