GNM zeigt „Verborgene Schönheit – Spätgotische Schätze aus der Klarakirche in Nürnberg“


Unerreichbar fern auf einer Konsole stehend, eingehüllt in Dämmerlicht – das Betrachten von hochrangigen Kunstwerken im Kirchenraum ist oft mit Schwierigkeiten verbunden. Bis zur fertigen Generalsanierung der Nürnberger Klarakirche präsentiert das Germanische Nationalmuseum nun im Rahmen einer Sonderausstellung die verborgenen Schönheiten der Kirche aus der Nähe.

Die Nürnberger St. Klarakirche ist weithin bekannt als Wirkungs- und Ruhestätte der Äbtissin Caritas Pirckheimer (1467-1532), einer der herausragenden Persönlichkeiten in den humanistischen Kreisen Nürnbergs. Die kunsthistorische Bedeutung der ehemaligen Klosterkirche der Magdalenerinnen, später der Klarissen, und ihrer mittelalterlichen Ausstattung ist dagegen weit geringer im Bewusstsein.

Die Ausstellung lenkt mit spätgotischen Madonnen und prächtigen Flügelaltären den Blick vor allem auf die Blütezeit von Kunst und Kloster um 1500. Im Vorfeld erarbeitete wissenschaftliche Erkenntnisse werfen neue Schlaglichter auf die Nürnberger Kunst am Ende des Mittelalters. Es wird das Augenmerk auf bislang wenig erforschte Werke Nürnbergs gerichtet. Bis heute birgt die Klarakirche eine Reihe hochrangiger Kunstwerke der Spätgotik: so den Marienaltar mit der Verkündigung auf den äußeren Tafeln (1490), die überlebensgroße, traditionell Veit Wirsberger zugeschriebene Kreuzigungsgruppe (um 1510/15) und die Mondsichelmadonna (um 1480).

Erstmals werden nun die Bildwerke von St. Klara als wichtige Zeugnisse der Nürnberger und fränkischen Spätgotik in einer Ausstellung gewürdigt. Anlass dazu ist die derzeitige Generalsanierung des Innenraums der Klarakirche. Mit der Schau wird die Chance ergriffen, die im Kirchenraum vor allem als Andachtsbilder dienenden Werke in einer Ausstellung ausdrücklich als Kunstwerke dem Besucher wahrnehmen zu lassen. In ungekannter Perspektive werden die schönen Madonnen und prächtigen Flügelaltäre mit ihren farbenfrohen Gemälden, Figuren und Reliefs in Szene gesetzt: aus nächster Nähe, auf Augenhöhe und von allen Seiten umgehbar.

Zusätzlich werden bislang nie gezeigte Sandsteinskulpturen präsentiert. Sie zierten einst das an die Kirche anschließende Klostergebäude und befinden sich seit über sechzig Jahren im Depot des Germanischen Nationalmuseums. Durch sie wird ein anschauliches Zeugnis der Formenvielfalt der ehemaligen Ausstattung des 1899 abgebrochenen Klaraklosters gegeben.

Daneben zeigt die Schau die ersten Ergebnisse der 2006 durchgeführten Grabung im Chor des Gotteshauses. Funde wie ein Kruzifix aus Porzellan oder metallene Kerzenständer vermitteln unerwartete Einsichten in die Geschichte des Bauwerks. Ein anschauliches Bild vom geistlichen Leben der Nonnen geben imposante Handschriften, die im Skriptorium des Klosters entstanden wie das St. Klara-Buch, das eine der frühesten deutschen Übersetzungen des Lebens der Hl. Klara von Assisi enthält. Graphik mit Ansichten von Kirche und Kloster runden das Bild vom mittelalterlichen Klosterwesen in der Reichsstadt ab.

Die Ausstellung ist der Beitrag des Germanischen Nationalmuseums zum 1000jährigen Jubiläum des Erzbistums Bamberg. Aus diesem Anlass führt im Sommer 2007 ein "Glaubensweg" durch die Nürnberger Altstadt. Eine dieser Stationen beherbergt das Germanische Nationalmuseum. Die Ausstellung wird unterstützt von der Stiftung zur Förderung des Germanischen Nationalmuseums.

Quelle: GNM

Weitere Informationen: www.gnm.de

(Der Link wurde am 21.06.2007 getestet.)