Lenbachhaus München: Audioguide von Kindern für Kinder

Klingt langweilig? Aber nein. Der Kinder-Audioguide wurde nämlich von Kindern für Kinder entwickelt. In Kooperation mit Radio Feierwerk wurden die sechs Hörstücke – eigentlich Mini-Hörspiele – professionell im Tonstudio aufgenommen und geschnitten. Die Rollen der Erzähler und Erzählerinnen haben Schulkinder im Alter von neun bis zwölf Jahren übernommen.

Es ist zu hören, mit welchem Engagement und Spaß sie bei der Sache sind. Lorenz Bahro (zwölf, tritt stets mit einem nach Künstlerart keck in den Nacken geschobenen schwarzen Hut auf), Medina Hazirovic, Jonathan Jank, Vaira Sirava, Lilli Zalisz (hat bereits wie einige andere auch Erfahrungen als Moderatorin bei Radio Feierwerk gesammelt und legt Wert auf schicke Outfits ) und Aaron, Noah und Jakob Seeberger haben bei der Gestaltung ihrer Fantasie freien Lauf gelassen.

Hintergrundwissen und die Geschichte der Kunstwerke vermittelten die Künstler Mirja Reuter und Florian Gass. Gemeinsam mit der Kinderkunstbuch-Autorin und Kunsthistorikerin Susanna Partsch haben sie eigene Erzählungen zu den Werken erarbeitet.

Erstaunlicherweise fasziniert die Kinder eine Installation von Joseph Beuys in hohem Maße: „Zeige deine Wunde“. Das Werk besteht aus zwei angerosteten Leichenbahren, alten Geräten zum Entrinden von Bäumen (Schepsen), Fieberthermometern, Feldzeichen etc. (Das Lenbachhaus hat die Installation vor Jahrzehnten für die dazumal unerhörte Summe von 270.000 DM erworben und damit viel Staub aufgewirbelt.)

Die Kinder kommentieren, „Zeige deine Wunde“ sei so ganz anders als die anderen Werke, zeichne sich weder durch Farben, Abstraktion, Landschaften etc. aus, sei nicht das, was man in einem Museum erwarte: Es repräsentiere das Unerwartete. Na bitte!

Buntes kommt natürlich auch zur Geltung, so das bekannte Selbstporträt der Baronin Marianne von Werefkin von 1912. Sie schaut grimmig, ihre Augen sind rot. „Sie will, dass man sieht, dass sie sauer ist. Warum sie sauer ist, weiß man nicht“, so die Meinung der Kinder.

 

 

 

Bildunterschrift (l.): Logo: Was tun! Kunstvermittlung am Lenbachhaus. Foto: © Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München.

 

 

 

 

Die unverstellte Sichtweise der Mädchen und Buben auf die Kunstwerke wird auch darin deutlich, dass sie sich z.B. fragen, ob Olafur Eliassons „Wirbelwerk“ eine Blume, eine Eiswaffel oder einen Wirbelsturm darstelle oder wie es Franz von Lenbach wohl geschafft hatte, seine Frau und seine Kinder zu einem Familienporträt zu überreden.
Autorin: Doris Losch

Weitere Informationen:
www.lenbachhaus.de

Titelbild:  Pressekonferenz zum Kinderaudioguide. Foto: Lenbachhaus