Auf Löwenherz Spuren durch die Pfalz – im Historischen Museum Speyer

Auch in der heutigen Pfalz finden sich Spuren von Richard Löwenherz: Auf dem Höhepunkt seiner Macht fiel der englische König auf dem Rückweg vom Dritten Kreuzzug in die Hände seines Widersachers Leopold V. von Österreich, der ihn an Kaiser Heinrich VI. auslieferte. Über ein Jahr verbrachte Richard Löwenherz daraufhin in Gefangenschaft – auf der Reichsburg Trifels, in der Kaiserpfalz im heute elsässischen Hagenau sowie in Speyer, Worms und Mainz, den bedeutenden Städten am Oberrhein. 

 

Bildunterschrift (r.): Matthew Paris: Abbreviatio Chronicorum (1250–1259). Die englischen Könige Heinrich II., Richard Löwenherz, Johann Ohneland und Heinrich III. (im Uhrzeigersinn vom oberen linken Bildfeld ausgehend). Foto: © The British Library Board, Cotton MS Claudius D VI, fol. 9

 

Ein Blick zurück in die Historie: Am 22. März 1193 fand in Speyer ein Reichstag statt, auf dem Richard I. in einer Art „Schauprozess“ seiner Vergehen angeklagt wurde. Die Liste der Anklagepunkte war lang; man warf ihm sogar den Verrat an der Sache der Kreuzfahrer vor. Richard verteidigte sich gegen diese Vorwürfe so eloquent, dass er die anwesenden Reichsfürsten für sich einnehmen konnte. Er forderte gar ein Gottesurteil und die anwesenden Reichsfürsten zum Zweikampf auf – doch wollte niemand gegen den wohl besten Ritter seiner Zeit antreten. Die Vorwürfe gegen ihn wurden fallengelassen, doch erst gegen ein enormes Lösegeld von 100.000 Mark Silber sollte Richard Löwenherz seine Freiheit wieder erlangen. Eleonore von Aquitanien übergab diese ungeheure Summe in Mainz Anfang Februar 1194 dem Kaiser.
 


Bildunterschrift (l.): Panzerhemd aus dem 12./13. Jahrhundert. Foto: © Oberösterreichisches Landesmuseum

Bis heute lassen sich die einzelnen Stationen seiner Gefangenschaft nachvollziehen, vor allem englische Chronisten berichten von dieser schweren Zeit für ihren König. Die Reichsburg Trifels galt als einer der sichersten Plätze der Staufer, da sie auf einem nach allen Seiten steil abfallenden Felsplateau gebaut wurde und darüber hinaus mitten im Machtzentrum der staufischen Herrschaft lag. Dennoch blieb Richard Löwenherz nur kurze Zeit auf der Burg in Haft, bevor er Anfang April 1193 in die Kaiserpfalz Hagenau gebracht wurde – hier traf er wiederum Kaiser Heinrich VI. Während seiner Gefangenschaft ist er immer wieder in Worms, Mainz und Speyer nachweisbar, stellte Urkunden aus, empfing englische Gesandte, erhielt und schrieb Briefe –auch als Gefangener lenkte Richard das Schicksal seines Königreiches.

Zurück in die Gegenwart: Erstmals werden Leben und Wirken des englischen Königs in einer großen kunst- und kulturhistorischen Ausstellung ab 17. September 2017 im Historischen Museum der Pfalz Speyer präsentiert. Filigrane Schatzkunst, prächtig illuminierte Handschriften und archäologische Funde geben einen tiefen Einblick in die an großen Konflikten reiche Epoche.

 

Bildunterschrift (l.): Reiterstandbild von Baron Carlo Marochetti, 1860, in London (Ausschnitt) 
Foto: © Dennis Gilbert

 


Bildunterschrift (r.): Grabfigur Richards I. Löwenherz in der Abtei Fontevraud (um 1200). Foto: © akg-images/Erich Lessing  

 

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer und trägt den Ehrentitel „Landesausstellung Rheinland-Pfalz“. Zu sehen ist die Ausstellung „Richard Löwenherz. König – Ritter – Gefangener“ vom 17. September 2017 bis 15.4 April 2018 im Historischen Museum der Pfalz Speyer.
(Quelle: CAB Artis)

 

Weitere Informationen:
www.loewenherz-ausstellung.de

 

Titelbild: Reiterstandbild von Baron Carlo Marochetti, 1860, in London. Foto: © Dennis Gilbert