Augsburg feiert „Lange Nacht des Wassers“


In dieser Nacht schmückt sich Augsburg nicht nur mit den schönsten und wohl bekanntesten Prachtbrunnen der Renaissance. Eine ganze Armada von Künstlern, Schauspielern, Musikern, Tänzern, Autoren und Akrobaten entert in der diesjährigen Langen Kunstnacht die historische Innenstadt, um sie mit einem fantasievollen Kulturprogramm rund um das Thema Wasser, spektakulären Aufführungen, trockenem Humor und feucht-fröhlichen künstlerischen Darbietungen zu "fluten" und Bewohner und Besucher in einem Strudel der Begeisterung mitzureißen.

Die Themensetzung für die diesjährige Kunstnacht liegt auf der Hand, denn Augsburg wurde buchstäblich
"nahe am Wasser gebaut". Die drittgrößte bayerische Stadt entstand auf der Landzunge im Zusammenfluss von Lech und Wertach. Hier hatten sich bereits Kelten bei "fließend Wasser" eingerichtet, gefolgt und vertrieben vom römischen Heer, das mit diesen natürlichen Ressourcen bald komfortable Thermen füllte.

Dem Stadtgründer und Namensgeber, dem römischen Kaiser Augustus, begegnet man heute in Form einer majestätischen Brunnenfigur auf dem Rathausplatz. Zu seinen Füßen sammeln sich vier gut gebaute bronzene Figuren, die Lech, Wertach und zwei weitere Quellflüsse des Stadtgebiets verkörpern: Ohne sie wäre Augsburg nie entstanden. Unzählige Kanäle durchziehen bis heute die Augsburger Altstadt, wo sie in früheren Jahrhunderten infrastrukturelle und hygienische Funktionen erfüllten und als Energiequelle für Handwerksbetriebe dienten. Die Wassertürme von Stadtbaumeister Elias Holl zählen zu den weithin bekannten Bauwerken der Stadt und verbergen in ihrem Inneren die fortschrittlichsten Ingenieursleistungen der frühen Neuzeit.

An Kulissen für ein großes Wasser-Fest mangelt es Augsburg wahrlich nicht: Mit illuminierten Lechkanälen
in der Altstadt, dem Stadtgraben, von den Wallanlagen am Roten Tor bis zur "Kahnfahrt", wo sich schon der junge Bert Brecht als "Kahn-Schupser" einige Groschen verdiente, und den Prachtbrunnen in der Maximilianstraße im Herzen der Stadt ist das Wasser für mehr als 30 Spielstätten das verbindende Element der Langen Kultur-Nacht. Der Wasserturm am Oblatterwall, der Brunnenmeisterhof am Roten Tor und das Wasserwerk am Hochablass werden als malerische Zeugnisse der historischen Trinkwasserversorgung an diesem Abend zur Bühne für Licht- und Wasserspiele, Klanginstallationen und Konzerte. Das "Liliom", ein Kino mit offen gelegtem Wasserkanal unter der Eingangshalle,eröffnet mit einem Kurzfilmprogramm eine neue Sicht auf das Thema der Nacht.

Unter dem Motto „Waterworld“ machen Artisten und Musiker im Alten Stadtbad, einem eleganten Jugendstilbau, das Becken zur Bühne. Und in Lesungen, Poetry Slams, Kabarett- und Theaterprogrammen kommen Nixen, Nymphen, Bademeister, Lyriker, Autoren und viele andere "Tinten-Fische" zu Wort.

Die Kirchen und Museen der Stadt sind bis spät in die Nacht geöffnet und laden dazu ein, sich bei einer
kleinen Konzertreise durch die Augsburger Innenstadt durch verschiedene Klangwelten treiben zu lassen. Dabei kommt einem Orchester- und Kammermusik, Schuberts "Forelle" ebenso wie die Gesänge von Walen und andere exotische Klänge zu Ohr. Händels "Wassermusik" erklingt im prachtvollen Goldenen Saal des Rathauses, Haydns "Schöpfung" bei Kerzenschein in der Basilika St. Ulrich. Das Kirchenschiff von St. Moritz wird von Wasserklangbildern erfüllt, in St. Anna ist mit Georg Philip Telemann der zweite klassische "Wassermusiker" zu Gast.

Im Römischen Museum kann der sagenumwobene "Barbarenschatz" betrachtet werden, der Jahrhunderte lang auf dem Grund des Rheins verborgen lag. Die Geschichte von Weih- und geistlichem Wasser wird im Diözesanmuseum erklärt, und das Naturmuseum hält mit einer Sonderschau über Wasserflöhe dagegen. Quirlig wie ein Flohzirkus zeigen sich auch die Tänzer der "Factoria Mascaro" aus Barcelona: Beim Anblick der temperamentvollen Choreografie ihrer Dance-Show im Open-Air-Bassin bekommt sicher jeder Lust aufs "Mit-Pritscheln". Ebenfalls aus der katalanischen Hafenstadt reist die Gruppe "Sarruga" an und verwandelt zum finalen Höhepunkt der Langen Wassernacht die pittoreske Kulisse der Augsburger Innenstadt in ein überdimensionales Aquarium. Eine Stunde vor Mitternacht lassen sie sieben Meter hohes, leuchtendes Meeresgetier von der Angel. Riesige Haie, bunte Tropenfische und leuchtende Quallen folgen einer imaginären Strömung vom Rathausplatz durch die Fußgängerzone. Das Publikum dürfte sich angesichts dieser grandiosen "PEIXOS" wie Plankton fühlen.

Wer nach diesem großen Open-Air-Finale noch immer nicht das heimische Ufer ansteuern möchte, kann bis in den frühen Morgen im Schwarzen Lamm zum Elektro-PopChillout "On the Offshore" vor Anker gehen.

Alle Veranstaltungen der Langen Nacht des Wassers können mit einem einzigen Ticket besucht werden.

Weitere Informationen: www.kulturbuero.augsburg.de
Bildtext: Sarruga-Fische