Museum Georg Schäfer zeigt Johann Georg van Dillis, ein Visionär im Verborgenen

Von Dillis' Tätigkeiten als höchster Kunstbeamter unter drei bayerischen Monarchen dienten dem Broterwerb und erlaubten ihm in seiner Freizeit uneingeschränktes Experimentieren mit Feder, Bleistift und Pinsel. Atmosphärische Landschaftsbilder und pittoreske Genrebilder entstanden, intim im Zugang und extrem modern in der Darstellungsweise. Diese erfrischende Hommage des Künstlers an die Flüchtigkeit des Augenblicks ist derzeit in einer Sonderausstellung des Museums Georg Schäfer in Schweinfurt (noch bis 23. April 2017) zu sehen.

Unter dem Titel „Die Kunst selbst ist Natur“ präsentieren die Kuratoren die 70 schönsten Ölgemälde, Skizzen und Zeichnungen aus dem Bestand des Hauses, ergänzt durch wertvolle Leihgaben. Sie zeigen die große Bandbreite des lange Zeit wenig beachteten oberbayerischen Malers, an dessen Wiederentdeckung nach dem Zweiten Weltkrieg der Schweinfurter Sammler Georg Schäfer (1896 – 1975) maßgeblich beteiligt war.

Auf der einen Seite stehen die klassischen Landschaftsbilder, die Dillis für das Königshaus, die Münchner Akademie – ab 1808 hatte er eine Professur für Landschaftsmalerei inne – und für Freunde schuf. Hier bewegt sich Dillis in traditionellen Bahnen, wie die „Römische Herbstlandschaft“ (Privatbesitz, 1821) vor Augen führt. Eine klassische Landschaft in idealisierter Komposition, fest gefügt die Bildebenen und Landschaftselemente, an denen das Auge sich vom dunklen Vorder- über den Mittelgrund bis in die dunstige Sehnsuchtsferne vorarbeitet. In frappierendem Kontrast dazu bezaubert ein paar Bilder weiter das wohl malerischste Gemälde der Ausstellung: „Die Isar mit der Isarbrücke in München“ (Museum Georg Schäfer, um 1820). Ein Bild wie eine Frischluftkur und origineller Ausdruck der Künstlerpersönlichkeit.

 

Bildunterschrift (o.): Johann Georg von Dillis – Die Isar mit der Isarbrücke in München, Museum Georg Schäfer, Schweinfurt

Von Dillis bannt in dieser Naturstudie den Charakter der Landschaft im Augenblick seiner Anschauung. Die Atmosphäre ist spürbar – es weht ein belebender Wind an einem Sommernachmittag. Fluoreszierend wie ein Opal leuchtet der im Bildzentrum mäandernde Fluss auf, über den sich eine dreibogige Steinbrücke spannt. Ein paar Hausdächer setzen behagliche Akzente, das rechte Ufer säumt sattgrünes Buschwerk – skizzenhaft ausgeführt. Flüchtig hingetupft auch die flirrenden Blätter eines Baumes im Vordergrund, der die ganze Bildhöhe ausmisst und den Betrachterblick bis zur Alpenkette am Horizont und in die Weite des hellblauen Himmels schickt.

Von links schiebt sich eine Flussinsel ins Bild, die im Sonnenlicht goldgelb aufleuchtet und von einem flüchtig skizzierten Mann mit Fuhrwerk belebt wird. Ein landschaftliches Kleinod, in dem der Maler souverän die Anregungen der holländischen Landschaftsgiganten des Barock umsetzt und weiterentwickelt durch sein spontanes Skizzieren in der Natur – hin zu einer revolutionären Momentaufnahme, mit der er die spätere Freilichtmalerei der Schule von Barbizon vorwegnimmt.

Ein Avantgardist, der leise daherkommt. Umso überraschender und beglückender die Entdeckungen, die der Besucher dieser feinen Ausstellung macht, wenn er sich auf die meist kleinformatigen Werke einlässt.
Autorin: Sabine Haubner

 

Museum Georg Schäfer, Brückenstraße 20, 97421 Schweinfurt, zeigt die Sonderausstellung Johann Georg von Dillis (1759–1841) – Die Kunst selbst ist Natur noch bis 23.April 2017, Di– So: 10 – 17 Uhr, Do: bis 21 Uhr.

Weitere Informationen:
www.museumgeorgschaefer.de

Titelbild: Johann Georg von Dillis – Römische Herbstlandschaft, Museum Georg Schäfer, Schweinfurt