Linden-Museum Stuttgart: „Oishii! Essen in Japan“

 

 

„Oishii!“ – „Es schmeckt mir!“ – ist das in Japan geläufigste Wort, um Wohlgeschmack am Essenstisch zu signalisieren. Es ist ein Ausdruck, der einhergeht mit der sozialen und kulturellen Identität des Essenden. Denn Essen ist in Japan weit mehr als Ernährung. Es ist mit allen Bereichen des menschlichen Lebens verbunden und ermöglicht den Blick auf die verschiedensten Aspekte der Gesellschaft.
 

Bildunterschrift (l.): Berühmte Ansichten von Kyoto neu ausgewählt, erste Folge: Teezeremonie beim miyako odori (Kirschtanz). Farbholzschnitt, H 41,5 cm, B 28,0 cm, Signatur: Suizan, Verleger: Sato Shotaro mit Siegel Sato Sho han (Verleger Sato Sho[taro]); Siegel des Plattenschneiders Mayeda, Japan, 1924, Inv. Nr. OA 26.551, Slg. Kurrus, Legat 2014, Copyright: Linden-Museum Stuttgart, Foto: Anatol Dreyer

 

Vor diesem Hintergrund widmet sich das Linden-Museum Stuttgart in einer großen Sonderausstellung der japanischen Ess- und Trinkkultur. Schwerpunkte der Ausstellung sind der Anbau von Reis und seine Bedeutung für die japanische Gesellschaft, der „heilige Trank“ Sake, die Rolle von Fisch, Meeresfrüchten und Algen sowie Gemüse, Nudeln und Würzmitteln in der Küche. Aber auch die Welt der Teetraditionen, die Kultur des Picknicks und das Bento werden aufgegriffen.
 

Bildunterschrift (l.): Die „Meerfrauen“ Japans

Sie sind fast so berühmt wie die Geishas – die „Meerfrauen“ (ama), die ohne Atemausrüstung vor der Küste Japans nach Meerestieren tauchen. Mit Booten fahren sie auf die See hinaus, wo sie an mit Gewichten beschwerten Seilen unter Wasser gehen, um möglichst schnell in die Tiefe zu gelangen. Ihre Kenntnisse der Unterwasserwelt, von Wind und Gezeiten sind außergewöhnlich, das kalte Wasser sind sie imstande zu ertragen. An Land bringen sie vor allem die begehrten Abalone (Meeresschnecken), ernten aber auch Seetang und Algen.

 

 

 

Bildunterschrift (r.): Iwase Yoshiyuki (1904 – 2001) dokumentierte seit Mitte der 1920er-Jahre bis in die späten 1960er in zahlreichen Bildern das Leben der Menschen in seinem Heimatort Onjuku, einem Fischerdorf am Pazifik. Hinterlassen hat er ein eindrucksvolles Zeugnis vom harten Arbeitsalltag der japanischen „Meerfrauen“.

Schwarz-Weiß-Fotografien, H 50 – 80 cm, B 40 – 60 cm, Japan, Mitte 20. Jh., Private Sammlung, Copyright: BachmannEckenstein

 

„Mit seiner Ausstellung ‚Oishii! Essen in Japan‘ öffnet das Linden-Museum erneut ein Tor zu einer faszinierenden Kultur. Die Einblicke in die japanische Ess- und Trinkkultur ermöglichen ein besseres, tieferes Verständnis der japanischen Gesellschaft und ihrer Mentalität. Dies ist umso wertvoller angesichts der engen Beziehungen, die Japan und Deutschland seit Jahrzehnten verbinden“, betont Kunstministerin Theresia Bauer. Baden-Württemberg unterhalte neben politischen und wirtschaftlichen intensive wissenschaftliche und kulturelle Kontakte mit Japan.

Wie haben sich Ernährungsgewohnheiten in Japan im Lauf der Geschichte verändert? Welche komplexen technologischen Leistungen sind für die Gewinnung und Zubereitung von Nahrung notwendig? Wer isst wann was? All diesen Fragen spürt die Ausstellung nach, lenkt den Blick zugleich auf eine reiche materielle Kultur und regt den Besucher an, sich über die eigenen Nahrungsgewohnheiten bewusst(er) zu werden.

 

Bildunterschrift (l.): Bento-Box, Copyright/Foto: Franziska Schaper

 

Präsentiert werden Originale aus der eigenen Sammlung von Tuschen über Holzschnitte bis hin zu Keramik, darunter wertvolle Objekte, die noch nie gezeigt wurden. Ergänzt werden diese durch Leihgaben aus dem In- und Ausland. Multimediale Elemente schlagen die Brücke zwischen den historischen Exponaten und der Gegenwart und bringen auch japanische Stimmen ins Spiel.

Zur Vertiefung und Ergänzung der Ausstellungsthemen gibt es ein facettenreiches Programm aus Thementagen, Vorträgen, Filmen, Festen und Workshops, das den Besucher auch einlädt, die japanische Ess- und Trinkkultur sinnlich zu erleben. Angeboten werden unter anderem Vorführungen der japanischen Teezeremonie sowie Whisky- und Sake-Verkostungen.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit interdisziplinären Beiträgen zu Essen und Trinken in Japan. Kinder erhalten kostenlos ein Aktionsheft, das sie spielerisch durch die Ausstellung führt.
(Quelle: Linden-Museum Stuttgart)

 

 

Bildunterschrift (r.): Zwei Fische und ein blühender Pflaumenzweig. Utagawa Hiroshige 1797 – 1858 
 

 

 

 

Weitere Informationen:
www.lindenmuseum.de