Münter-Haus Murnau: Attraktive Vorschau zur großen Gabriele Münter-Ausstellung

 

 

 

 

Primitivismus – dieser Bereich wird auch in der großen Ausstellung 2017/2018 im Münchner Lenbachhaus gebührend behandelt – hat natürlich nichts mit dem heute abwertend gebrauchten Begriff „primitiv“ zu tun. Anfang des 20. Jahrhunderts verstanden Künstler und Wissenschaftler „primitiv“ als „ursprünglich, als „erste“ unverfälschte Zeugnisse unterschiedlicher kultureller Kreise.

 

 

 

Bildunterschrift: GABRIELE MÜNTER, Mutter mit Kind in rotem Kleid, um 1930, Hinterglasmalerei, Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

 

Gabriele Münter liebte Volkskunst, die Kinderwelt und Bildzeugnisse außereuropäischer Kulturen.

Die Künstlerin und ihr Lebensabschnittsgefährte Wassily Kandinsky sammelten Volkskunst in Form von Schnitzereien, Votivtafeln, Bilderbogen und Hinterglasbildern, darunter einige aus Indien und ein Hinterglasbild aus dem Maghreb. Sie trugen fast 300 Werke von Kindern zusammen.

Isabelle Jansen, die die Ausstellung konzipiert hat, sagt: „“Der ‚unschuldige‘ Blick des Kindes, das viele Dinge zum ersten Mal sieht und daher intensiver wahrnimmt, die fantasievollen Bildwelten der Kinderzeichnungen faszinierten sie. Diese emotionale Bildsprache, die sich formal und farbig auf das Wesentliche konzentriert, entsprach den Kunstvorstellungen Gabriele Münters“.

Mit Freude sammelte Gabriele Münter Zeichnungen von Kindern aus dem Kreise ihrer Familie und Freunde. Schon früh fand die Kinderwelt Eingang in ihr Schaffen – einmalige Zeitzeugnisse sind die in Murnau erstmals gezeigten Fotografien von Kindern um 1900 in Texas.

Die Sammlung von Hinterglasbildern umfasste mehr als 130 Objekte. Münter und Kandinsky entdeckten etliche auf der Münchner Auer Dult!

Isabelle Jansen: “Münters und Kandinskys Sammlung von Kinderwerken ist unter Künstlerinnen und Künstlern wohl die umfangreichste.“

 

Bildunterschrift o.): GABRIELE MÜNTER, Drachenkampf (Skizze), 1913, Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München, Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München. © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

 

Münters Vorliebe für Volkskunst sei, so Isabelle Jansen, im Murnauer Haus durch Objekte aus ihrer Sammlung gegenwärtig. Einige davon hat sie auch in ihren Gemälden verewigt wie u.a. in „Stillleben mit Madonna und Spielzeugvogel“. Erstmals ausgestellt sind „Stillleben mit Holzpuppe“ von 1947 und die Skizze „Drachenkampf“.

Ein Höhepunkt der Ausstellung ist Münters Ölgemälde „In der Wüste“ von 1939

Brikada-Empfehlung: Ein Ausflug nach Murnau in die entspannte heitere Atmosphäre des Münter-Hauses lohnt sich!
Doris Losch

 

Weitere Informationen:
www.muenter-stiftung.de
www.lenbachhaus.de

Titelbild: GABRIELE MÜNTER, Landmädchen, um 1918, Hinterglasmalerei, Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München. © VG Bild-Kunst, Bonn 2016