Lilian Harlander/Bernhard Purin: „Bier ist der Wein dieses Landes – Jüdische Braugeschichten

 

 

 

Das Buch begeisert nicht nur durch die kluge Auswahl der Themen und vorzüglich verfassten Texte! Nein, vielmehr ist es auch die umsichtige Auswahl an Illustrationen, Fotos und Gemäldeabbildungen. Bislang kaum gekannte Bildmotive – so etwa die Nürnberger Hopfenhandelshäuser um 1870 (aus dem Firmenarchiv von Joh. Barth & Sohn), der Bierkrug um 1900 des jüdischen Bierkrugveredlers Jakob Goldschmidt, das Modell der Schlossbrauerei Planegg der Familie von Hirsch, das Flaschenabfüllgerät von Schloss Kaltenberg oder das putzige Kerlchen „Snow Man“, Werbeaufsteller von Rheingold (um 1958) oder das Jerusalem Beer Festival 2015 – alles sichtbare Zeichen jüdischer Biertradition von einst bis heute.

Von den zehn Katalogbeiträgen verfasste Lilian Harlander, wissenschaftliche Voluntärin im Jüdischen Museum München, drei Themen: „Über jüdische Hopfenhändler“ (zusammen mit Bernhard Purin, Direktor des Jüdischen Museums München), Die Familie von Hirsch und ihre Schlossbrauerei, in Planegg bei München, sowie Die Familie Schülein im Münchner Braugewerbe. Anne Munding, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Redaktion der Max Weber- Gesamtausgabe an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München, spürte in ihrer Abhandung „Was würdest Du tun, wenn Dir Dein Vaterland Unrecht tut?“ Hermann Schüleins Widerstand gegen die NS-Raubpolitik nach.

Weitere Beiträge stammen von Rabbi Eli Freedman (Philadelphia), Doug Greener (Jerusalem), Bernhard Purin (München), Conrad Seidl (Wien) und Matthias Trum (Bamberg).

Brikada-Empfehlung: Genau betrachtet hätte dieses Werk schon längst auf dem Buchmarkt seinen wohlverdienten Platz haben können. Das 500. Jubiläum des Bayerischen Reinheitsgebots für Bier war immerhin Anlass genug, sich erstmals mit dieser Thematik umfassend zu beschäftigen. Ein Dank an die HerausgeberIn und Co-Autoren! Denn mit „Bier ist der Wein dieses Landes“ liegt ein profunder „Reiseführer“ durch die Jahrtausende jüdischer Brautration und -kultur vor. Die „Jüdischen Braugeschichten – wie es im Untertitel heißt – sorgen für Mehrwert an Unterhaltung und Wissenserweiterung. Und über allem schwingt Betroffenheit und Wehmut – die Wunden, die der unsägliche Nationalsozialismus schlug, sitzen tief …
 

Die Ausstellung „Bier ist der Wein dieses Landes. Jüdische Braugeschichten“ kann im Jüdischen Museum München noch bis zum 8. Januar 2017 besichtigt werden.
Brigitte Karch 

 

Lilian Harlander, Bernhard Purin (Hg.): „Bier ist der Wein dieses Landes. – Jüdische Braugeschichten“, Hardcover.Format: 205 x 300 mm, 256 Seiten, 29,90 Euro, ISBN 978-3-86222-211-7, erschienen im Volk Verlag, München 2016.

 

Weitere Informationen:
www.volkverlag.de
www.juedisches-museum-muenchen.de

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