Jüdisches Museum München zeigt erstmals jüdische Bierkultur

 

 

Hopfen und Malz, Hefe und Wasser: vier Zutaten, aus denen in Bayern traditionell Bier gebraut wird, und die einzigen, die das Bayerische Reinheitsgebot seit 500 Jahren zulässt. Das Jüdische Museum München taucht erstmals mit der Ausstellung in die Geschichte und Gegenwart des Biers in der jüdischen Tradition und Kultur.

                                                          

 

 

Bildunterschrift (l.): Ausstellungsansicht                   Brauerstern und Davidstern Foto: Franz Kimmel

 

Die Geschichte des Biers ist freilich älter als das Bayerische Reinheitsgebot: Schon vor 5000 Jahren wurde im Alten Ägypten Bier gebraut und dort lernten auch die Israeliten das Volksgetränk Bier kennen und schätzen. Sie beschäftigten sich mit der Frage, ob Bier koscher sei und anstelle von Wein für rituelle Handlungen verwendet werden dürfe. Grundsätzlich entsprechen die im Bier verwendeten Zutaten den rituellen Speisegeboten. Jüdische Religionsgelehrte legen für den Talmud fest: Wenn „das Bier der Wein dieses Landes“ sei, so spreche nichts dagegen, es in jüdische Rituale aufzunehmen. Nur an Pessach, an dem alles Gesäuerte verboten ist, darf kein Bier getrunken werden, da es vergoren ist.
 

Die Ausstellung erzählt von Aberglaube und Verwechslungen, wenn sie der Frage nachgeht, was ein oberpfälzischer Zoigl als eines der mittelalterlichen Brauersymbole mit dem Davidstern zu tun hat. Der Zoigl („Anzeiger“) wird an einem Haus angebracht, um zu signalisieren, dass dort frisches Bier ausgeschenkt wird. Dieser Brauch hat sich bis heute in der Oberpfalz erhalten.

 

Bildunterschrift (o.): Ausstellungsansicht Jüdische Hopfenhändler in Bayern Foto: Franz Kimmel

Des Weiteren berichtet die Ausstellung über die jüdischen Hopfenhändler, die bis zur Zeit des Nationalsozialismus eine führende Rolle spielten. Nach Ausgrenzung und Verfolgung in der nationalsozialistischen Zeit kehrten nur wenige Familien nach 1945 zurück und setzten innovative Schritte in der Hopfenveredelung und dem Hopfenhandel. Anschaulich wird ebenso die Handwerkskunst der Bierkrugveredelung (Bemalen und Montage von Zinndeckeln, bedruckt oder geschmückt mit Abziehbildern) dargestellt. Der Erste Weltkrieg stellte für das Bierkrugveredelungsgewerbe einen tiefen Einschnitt dar und es wurde nur mehr in kleinerem Umfang bis in die 1930-er Jahre fortgeführt.

Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden die jüdischen Brauherren in München und Umgebung. Da ist die freiherrliche Familie von Hirsch, die 1836 vor den Toren Münchens die Schlossbrauerei Planegg errichtete. Ihre industriellen und technischen Standards wiesen sie als modernste Brauerei ihrer Zeit in Bayern aus.

 

Bildunterschrift (o.): Ausstellungsansicht Familie von Hirsch und die Schlossbrauerei in Planegg Foto: Franz Kimmel

 

1895 gründete der aus einer kleinen Landjudengemeinde in Mittelfranken stammende Josef Schülein die Unionsbrauerei Schülein & Cie., die rasch zu einer der großen Brauereien Münchens anwuchs. Er und sein Sohn Hermann fusionierten sie 1921 mit der Löwenbräu AG. Und während sich Josef Schülein in die Schlossbrauerei Kaltenberg zurückzog und dort privat Bier braute, wurde die Löwenbräu AG unter Hermann Schülein als Generaldirektor zur bedeutendsten exportorientierten Brauerei Münchens. Nach seinem von den Nationalsozialisten erzwungenen Rücktritt emigrierte er 1936 in die USA, wo er seine erfolgreiche Laufbahn im Brauereigewerbe als Direktor der Liebmann Brewery in New York fortsetzte. Durch eine neue Rezeptur der Biermarke „Rheingold“ und innovative Werbemethoden wie die jährliche Wahl der „Miss Rheingold“ oder auch den Einsatz von Stars wie Louis Armstrong, Nat King Cole, Marlene Dietrich, Ella Fitzgerald oder John Wayne wurde sie zur erfolgreichsten Brauerei der amerikanischen Ostküste. Bis heute gelten Hermann Schüleins Werbestrategien im Bereich der Markenbildung und -pflege als vorbildhaft.

 

Bildunterschrift (r.u.): 13 Collaboration Brew zwischen Herzl Beer Workshop, Jerusalem und CREW Republic, München. Foto: CREW Republic

Abschließend widmet sich die Ausstellung der Bierkultur im heutigen Israel, die zum einen stark von der deutschen Brautradition und deutschen Bierstilen geprägt ist und andererseits durch eine junge und vielfältige Craft-Beer-Szene überrascht. Eigens für die Ausstellung „Bier ist der Wein dieses Landes. Jüdische Braugeschichten“ haben der Jerusalemer Herzl Beer Workshop und die Münchner CREW Republic gemeinsam ein Bier gebraut, den ersten deutschisraelischen „Collaboration Brew“ überhaupt. Das Ergebnis, ein bernsteinfarbenes Steam-Beer mit einer leicht hopfigen Note, ist während der Dauer der Ausstellung im Café Exponat und in ausgewählten Münchner Lokalen erhältlich. 
(Quelle: Jüdisches Museum München)
 

Die Ausstellung kann im Jüdischen Museum München noch bis zum 8. Januar 2017 besichtigt werden. Kurator: Bernhard Purin in Zusammenarbeit mit Lilian Harlander Ausstellungsgestaltung: Architekt Martin Kohlbauer

Zur Ausstellung erschien der Katalog „Bier ist der Wein dieses Landes. Jüdische Braugeschichten“, erschienen im Volk Verlag, München 2016.

Weitere Informationen:
www.juedisches-museum-muenchen.de

 

Titelbild: Ausstellungsansicht Die Liebmanns, Hermann Schülein und Miss Rheingold Foto Franz Kimmel