Lenbachhaus München: Michaela Melián zeigt Electric Ladyland

 

 

 

 

Michaela Melián bringt in ihren Werken Installationen, Filme, Fotografien, Zeichnungen, Objekte, Musik –inkl. eigener Kompositionen – und Texte zusammen. Musik und Klang verschmelzen.

 

Bildunterschrift ((l).: Michaela Melián, Electric Ladyland, 2016 (Ausschnitt). © die Künstlerin, VG Bild-Kunst, 2016 

 

 

Besucher von „Electric Ladyland (dieser Begriff wurde einst von Jimi Hendrix geprägt) werden von Klängen umfangen, die sich durch den Raum dehnen. Etwas Außergewöhnliches sind die „Mannheim Chairs“, von der Decke hängende Hörskulpturen, in die sich Museumsbummler setzen und sofort von einer Klangwelt umhüllt werden, die in jedem Mannheim Chair eine andere ist. Die sieben Tonspuren hat Michaela Melián in der Blibliothek der Kunsthalle Mannheim entwickelt, daher der Name. In diesen Skulpturen kann man es sich so richtig gemütlich machen, lauschen und die Umgebung vergessen.

Was natürlich schade wäre, denn die Ausstellung erfreut alle Sinne. Besonders edel wirkt z.B. die Glühbirneninstallation unter der Decke.Hübsch glimmende Glühfäden – es handelt sich – bravo! –um die guten alten Glühbirnen, die hier ihren Zauber in Zeitlupe noch einmal entfalten dürfen.

 

Bildunterschrift (o.): Michaela Melán. Electric Ladyland, 2016 (Ausschnitt). © die Künstlerin, VG Bild-Kunst, 2016 

Ausgangspunkt von „Electric Ladyland“ ist die Oper Hoffmanns Erzählungen und somit die Erzählung „Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann. Die Puppe O-lym-pi-a, deren Kommunikation neben der berühmten Arie eigentlich nur aus einem fortwährenden „Ach“ besteht. „Ach gibt es nur im Deutschen“, sagt Michaela Melián beim Eröffnungsrundgang, „es steht einerseits für Leiden und andererseits für Genießen. Es ist lautmalerisch wie krachen.“ Und erinnere auch an Mechanik und die Blüte der Automaten – eben auch Olympia – zur Entstehungszeit von Hoffmanns Erzählungen.

Technik bildet eines der Grundthemen. Eine 140 m lange Zeichnung, schwarz auf weißem Stoff, spannt sich an beiden Längsseiten des Ausstellungsraumes. Für die Motive hat sich die Künstlerin von der Geschichte der Technik inspirieren lassen. Frankensteins Labor taucht auf, Gentechnik ist ein Thema, frühe Prothesenzeichnungen sind zu sehen.

Die von der Künstlerin komponierte Musik , ausgehend von der Arie „Les Oiseaux dans la charmille“ der Olympia, klingt aus 16 Lautsprecherin und verändert sich ständig zu neuen Klanglandschaften – ein Panorama aus Klängen, Bildern, Licht entsteht.

 

Bildunterschrif (r.)t: Installationsansicht, Foto: Lenbachhaus  © die Künstlerin, VG Bild-Kunst, Bonn 2016

 

Neben Electric Ladyland werden noch die Installation „Andante Calmo“, deren Ausgangsmaterial eine Arie aus Puccinis La Bohème ist und die zu einem neuen Soundtrack u.a. aus Schellackaufnahmen von 1919 zusammengefügt ist, und „Convention“, welche auf einen Ausstellungsraum in einen Nachtclub in St. Pauli zurückgeht, sowie „Lunapark“ mit einer wunderschönen „Landschaft“ aus durchsichtigen zarten Objekten wie Gläser, Flaschen, CD-Hüllen und extra geschliffenen in Abständen aufflammenden Prismen, ausgebreitet auf einem großen runden Tisch, der – gewollt an einem Tapetentisch erinnert und die Arbeitswelt thematisiert.

Zart und zauberisch wirken die Glasbilder „In a Mist“ mit ihren Motiven aus den utopischen Visionen der Moderne zwischen Neuer Ökonomischer Politik (Sowjetunion 1921) und der Wirtschaftskrise (USA 1929).

 

Bildunterschrift( o.): Michaela melián, Föhrenwald, 2005, Diapositiv(Ausschnitt). © die Künstlerin, VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Schließlich ist da noch „Föhrenwald“, eine bei Wolfratshausen als Projekt von NS-Wohnungsbaupolitik entstandene Siedlung, die als Laer für Zwangsarbeiter und nach Kriegsende als Siedlung für jüdische „Displaced Persons diente. 1956 wurden deutsche heimatvertriebene Personen dort angesiedelt. Michaela Meliáns „Föhrenwald“ erzählt die Geschichte der Siedlung (heute Waldram) als multimediale Installation in einem begehbaren Raum.

Brikada-Empfehlung: Sehr lohnend, Zeit mitbringen – zum Ausruhen gibt es die „Mannheim Chairs“ und sehr hübsche Hocker, die ein wenig an Friseursalons der 50- und 60-er Jahre erinnern.

Über die Künstlerin: Michaela Melián, geboren 1956, hat in München Violoncello und Malerei studiert. Seit 2010 ist sie Professorin für Zeitbezogene Medien in Hamburg. Die Verbindung von Klang und Bild hat sie seit jeher fasziniert. In ihrer künstlerischen Praxis verbindet sie Hochkultur und Popkultur. Sie arbeitet aus der Tradition feministischer Dekonstruktion heraus und webt ein dichtes Netz an Bedeutungen und Erzählungen in Bezug auf kulturgeschichtliche, popkulturelle und gesellschaftliche Zusammenhänge.
Doris Losch

„Electric Ladyland“, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, ist noch bis 12. Juni 2016 zu sehen.

Weitere Informationen:
www.lenbachhaus.de

Titelbild: Michaela Melián. Foto: Thomas Meinecke