Sonderausstellung „1000 Jahre Kaiserdom Merseburg“

Heinrich II., der große Förderer des Bistums Merseburg, hatte 1014 die Kaiserkrönung empfangen und wandte sich tatkräftig dem Ausbau seiner Merseburger Kirche zu. Kein geringerer als Bischof Thietmar von Merseburg, einer der berühmtesten Chronisten des Mittelalters, legte am 18. Mai 1015 den Grundstein zum Bau des Merseburger Doms. Bei der Weihe am 1. Oktober 1021 war Kaiser Heinrich II. persönlich anwesend und ließ der Merseburger Kirche große Geschenke zu Teil werden. Der Merseburger Dom gilt als einer der bedeutendsten Kathedralbauten Deutschlands und war Lieblingsort des einzigen heiliggesprochenen Kaiserpaars des Deutschen Reiches, Heinrich II. und Kunigunde.

Luftbild (u.):  Dom-Schloss-Ensemble (c) Foto Wolfgang Kubak

Die kulturhistorische Ausstellung spiegelt die Rolle Merseburgs als wichtigste Königspfalz im Osten des Reiches wider. Für vier Monate kehrt der Glanz des 11. Jahrhunderts mit der Präsentation wertvoller Handschriften und kostbarer Kunstwerke aus ganz Europa nach Merseburg zurück. Die Ausstellung im Dom St. Johannes und St. Laurentius und im Kulturhistorischen Museum Schloss Merseburg gibt einen Einblick in die prachtvolle Gründungsausstattung einer Kathedrale und erzählt von der Entwicklung Merseburgs zu einer der bedeutendsten Kaiserpfalzen Mitteldeutschlands. Dank hochrangiger Leihgaben, die zum Teil noch nie außerhalb ihrer Aufbewahrungsorte gezeigt wurden, bietet sich dem Besucher ein Einblick in die Zeit, als die Bestrebungen des Reiches von Merseburg aus gesteuert wurden. Prachtvolle Königsurkunden berichten von Schenkungen Heinrichs II. und illustrieren die Herrschaft des Königtums mittels der Schrift in einem Reich, das keine Hauptstadt kannte. Der historische Bogen spannt sich weiter zu den Auseinandersetzungen zwischen König Heinrich IV. und Rudolph von Rheinfelden bis hin zu den Saliern. 

 

 

 

 

Bildtext (r.): Reliquienmadonna, Goswin van der Moelen (?), Kleve, um 1410 © StiftsMuseum Xanten

 

 

 

 

 

Bildtext (l.): Kaiser Heinrich, der Heilige, Flügel des Heinrichsaltars, Merseburger Dom Lucas Cranach d.Ä. und Werkstatt,

 

Ein abwechslungsreiches Begleitprogramm

Thematische Sonderführungen, Vorträge und vor allem hochkarätige Konzerte bereichern die Ausstellung. Die 45. Merseburger Orgeltage widmen sich dem Thema „Heilige Zahlen in der Musik – Von der Schöpfung bis zur Apokalypse“. Genauso wie die Musik des Mittelalters gehört die Zahlenmystik zu einem 1000-jährigen Dombau und so ist es folgerichtig, den heiligen Zahlen innerhalb der diesjährigen Merseburger Orgeltage nachzuspüren. Kammerkonzerte, Orgel- und chorsinfonische Musik sowie Meditationen füllen den Dom vom 12. bis 20. September 2015.

Einen weiteren musikalischen Höhepunkt bietet das Konzert der Capella Antiqua Bambergensis mit den Solisten Arianna Savall und Petter Udland Johansen am 26. September 2015. Umrahmt von Erzählungen, wozu Udo Schenk als Sprecher gewonnen werden konnte, lässt die Capella in ihrem Konzert “Musik und Geschichten – 1000 Jahre Kaiserdom zu Merseburg“ die Musik des Mittelalters im Merseburger Dom wieder lebendig werden.

 

 

 

Bildtext (l.):  Adelheid-Kreuz, 11. Jhd. (Reichskreuz Rudolfs von Schwaben), Reichenau (?), 11. Jh. | Gold, Silber, Edelsteine, Halbedelsteine, Gemmen, Skarabäen | 82,9 x 65,4 cm | Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal, Schatzkammer Foto: Gerfried Sitar

 

 

 

 

Heinrich II. und Kunigunde

König Heinrich II. und seine Frau Kunigunde genießen in Merseburg besondere Verehrung. Auf ihr Betreiben entstand im Jahr 1004 das 23 Jahre zuvor aufgelöste Bistum Merseburg neu und wurde umfangreich durch Schenkungen ausgestattet. Bis weit in die Reformationszeit hinein wurde das Kaiserpaar mit Altären, Stiftungen und Messen verehrt.

Die Regierungszeit Heinrichs II. ist von einer starken Hinwendung zum Geistlichen geprägt. Gemeinsam mit seiner Frau Kunigunde wurde er 1014 in Rom vom Papst zum Kaiser gekrönt. Merseburg darf für sich beanspruchen, am häufigsten durch König Heinrich II. besucht worden zu sein.

In den Augen der Zeitgenossen und der nachfolgenden Merseburger Domgeistlichkeit hatten sich Heinrich II. und seine Frau Kunigunde durch Stiftungen und Schenkungen umfassende Verdienste erworben. Der Merseburger Bischof Thietmar, ein Zeitgenosse Heinrichs II., hat dem König in seiner Chronik ein eindrucksvolles Denkmal gesetzt. Sie zählt zu den wichtigsten Quellen für das Leben Heinrichs II. Im Jahre 1024 starb der Kaiser. Die Heiligsprechung Heinrichs II., dessen Ehe mit Kunigunde kinderlos geblieben war, erfolgte 1146. Kunigunde wurde 1200 durch den Papst heiliggesprochen.
 

 

Bildtext (r.): Kaiserkelch, um 1470 © Benediktinerstift St. Paul, Foto: Gerfried Sitar

 

Mit der Heiligsprechung war es von besonderer Bedeutung, dass Merseburg Gewänder aus deren Schenkung besaß. Diese galten fortan als Reliquien und vermittelten den Glanz des Herrscherpaares. Eine Kasel (liturgisches Gewand), die der heiligen Kaiserin Kunigunde zugeschrieben wird, galt noch im 19. Jahrhundert als Wunder wirkend. Besucher des Doms ließen sich bei Beschwerden diese Kasel umlegen. Noch heute erinnern im Merseburger Dom zahlreiche Darstellungen an die Verehrung des heiligen Kaiserpaares im Mittelalter, so z.B. der sog. Heinrichsaltar von Lucas Cranach d. Ä., abgebildet als Leitmotiv der Sonderausstellung „1000 Jahre Kaiserdom Merseburg“.

 

Weitere Informationen:
www.merseburg2015.de 
www.vereinigtedomstifter.de

 

 

Titelbild (v.l.): Heiliges Kaiserpaar Heinrich II. und Kunigunde, Schnitzarbeit, Chorgestühl, Merseburger Dom (c) Vereinigte Domherren. (r.): Blick auf den Hohen Chor und Hochaltar (c) Vereinigte Domstifter, Foto F. Boxler