Münchner Lenbachhaus: Lea Lublin Retrospective

Stephanie Weber, Kuratorin für Gegenwartskunst am Lenbachhaus, ist es gelungen, eine repräsentative Schau zusammenzustellen, die Werke Lea Lublins zeigt, die nirgendwo anders zu sehen sind, ja, die nahezu ihren gesamten künstlerischen Nachlass umfassen. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass viele Arbeiten aus dem Pariser Nachlass der Künstlerin gesichert und restauriert wurden und zum ersten Mal seit 20 Jahren der Öffentlichkeit zugänglich sind. Leihgaben aus dem New Yorker MoMa, dem Centre national des arts plastiques, dem Fond régional d’art contemporain Alscace und der Bibliothèque nationale de France bereichern die Schau.

 

Bildtext (r.): Lea Lublin, Die Künstlerin in ihrem Environment Penetración/Expulsión, II Bienal de Arte Coltejer, Medellín (Kolumbien), 1970. Foto: unbekannt

Im Mittelpunkt steht die Rekonstruktion (das Schicksal der Originale ist unbekannt) von Lublins Environment „Fluvio Subtunal“ von 1969. Die Künstlerin hat Fluvio Subtunal anlässlich der Eröffnung eines Unterwassertunnels in Buenos Aires geschaffen. Gezeigt wurde das Kunstwerk damals in einem leerstehenden Kaufhaus.

Die Installation bereitet Erwachsenen und Kindern Vergnügen: Der vergnügliche „Parcours“ (vorher bitte Schuhe ausziehen) beginnt mit einem Gang durch zwei Wasserbecken, führt durch einen Schwarzlichtraum, in dem Kräuter und Gemüse (wenn die Rezensentin richtig gesehen hat, war auch ein angewelkter Radi darunter) mit dem Geruchssinn zu erspüren, geht weiter zwischen an riesige Punchingbälle erinnernde pastellig-zart schimmernde, von der Decke hängende mannshohe Kunststoffformen sowie anmutige Kunststofffahnen, anschließend lädt ein durchscheinender ebenfalls pastelliger Kunststofftunnel zum Durchkrabbeln ein – das erinnerte irgendwie an eine Agility-Übung für Vierbeiner (bitte positiv verstehen!!) – und endet in einem Kugelbad (jetzt bloß nicht an Ikea denken), das von Besucherinnen als muskelentspannend und rückenfreundlich gelobt wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildtext (o.): Lea Lublin, Mon fils (Mein Sohn), 1968, Schwarzweißfotografie, Nachlass der Künstlerin, Photo: Courtesy Nicolas Lublin.

Lea Lublin war, würde man heute sagen, ein Wunderkind. Im zarten Alter von zwölf Jahren beginnt sie ein Studium an der Akademie der Künste in Buenos Aires. 1968 stellt sie sich mit ihrem acht Monate alten Sohn in einem Pariser Museum aus. (Mutter und Sohn sind in München auf einem Schwarz-Weiß-Foto zu sehen.)

Aufgrund der Prüderie der Zeit wird ein als „obszön“ empfundenes Werk in Argentinien beschlagnahmt und Lublin wird zu drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. In ihrer Ausstellung „Der Striptease des Jesuskindes“ wirft sie in Paris die Frage nach der Erotik in der christlichen Malerei auf. Den Spuren des französisch-amerikanischen Malers und Objektkünstlers Marcel Duchamp klaut sie 1990 dessen Briefkasten als Beweisstück für ihre Theorie der Readymades, der zur Kunst erhöhten Alltagsgegenstände. Die Duchamp’sche Briefkastenanlage ist in München ebenfalls zu sehen.

Besonders viel Spaß dürfte Besuchern der Ausstellung die berühmte, im Freien aufgestellte „Blumendusche“ machen.

Die Ausstellung im Münchner Lenbachhaus: LEA LUBLIN – Retrospective ist bis 13. September 2015 zu besichtigen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildtext (o.): Lea Lublin, R.S.I. – Dürer, Del Sarto, Parmigianino, 1983, Acryl, Schwarzweissfotografie, Tusche und Papier auf Leinwand und Holz, 350 x 600 cm, Nachlass der Künstlerin, Foto: Alain Le Nouail / © Le Quartier, Quimper 1995.

Brikada-Empfehlung: Mit der ganzen Familie hingehen und mit Kunstgenuss gepaarten Spaß haben.
Doris Losch

Weitere Informationen: 
www.lenbachhaus.de

Titelbild: Die berühme Blumendusche von Lea Lublin. Lea Lublin Fluvio Subtunal, 1969, Environment, Santa Fe (Argentinien), Foto: unbekannt, Courtesy Estate of the artist/ Collection Nicolas Lublin