Augsburger Kirche St. Moritz zeigte „Bilderfasten“ von Juliane Stiegele (Nachbericht)


Die Künstlerin Juliane Stiegele formuliert in ihrer aufwendigen und hochkonsequenten Installation
unter dem Titel void_, die das gesamte Kirchenschiff einbezieht, die Tradition des "Bilderfastens" neu und lenkt die Konzentration des Besuchers auf ungewohnte Weise hin zum inneren Dialog.

Die Installation von Juliane Stiegele ist in ihrer Radikalität einzigartig und konfrontierte den Kirchenbesucher mit einer Einladung zur ästhetischen Askese, die in ihrer Konsequenz den vertrauten Anblick des Kirchenraums von St. Moritz bis ins kleinste Detail aufhob. Alle optischen Fixpunkte, wie die kirchlichen Skulpturen und Einbauten, und die liturgischen "Alltagsgegenstände", wie zum Beispiel die Kirchenbänke, wurden im Sinne eines "visuellen Fastens" auf Zeit unsichtbar.

Sämtliche für einen Sakralraum wesentlichen Elemente wie Altar, Licht, Kreuz, Architektur, Mensch und liturgische Handlung fanden so innerhalb der Installation void_ einen neuen, überraschenden Fokus. "Verankert" blieb void_ allein durch die zeitliche Einordnung in der Fastenzeit und räumlich in der Architektur des Kirchenschiffs.

Jeder Kirchenbesucher nahm mit seinem persönlichen Empfinden das Kunstwerk von Juliane Stiegele auf andere Weise wahr. In seiner Offenheit und Loslösung von fest gefügten Mustern und Ritualen war void_ von der Künstlerin und den Veranstaltern, der CitySeelsorge der katholischen Kirche St. Moritz, als Experiment und als zeitlicher und kommunikativer Prozess angelegt.

Einziges zusätzlich in den Kirchenraum gebrachtes Element war eine simultane Direktübertragung des Windgeräusches von einer Wetterstation im Allgäu direkt in das Kirchenschiff hinein. Die Lautstärke wurde dabei sehr niedrig gehalten.

Weitere Informationen: www.moritzkirche.de

Hintergrund:
Die Künstlerin Juliane Stiegele lebt und arbeitet in Augsburg. Mit ihren Installationen, Videoarbeiten und Aktionskunstwerken wurde sie weltweit von renommierten Museen und Kulturveranstaltern eingeladen. Ihre meist prozesshaft angelegten Werke sprechen eine universale, sinnliche Symbol-Sprache, die über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg verstanden wird und den Betrachter aktiv in die Wirkung ihrer Kunstwerke einbezieht. In Augsburg wurden Werke von Juliane Stiegele unter anderem von den Kunstsammlungen und Museen Augsburg
(Höhmannhaus, H2 Kunsthalle) und innerhalb der Langen Kunstnächte im öffentlichen Raum präsentiert.

Weitere Informationen: www.juliane-stiegele.de

(Die Links wurde am 02.04.2007 getestet.)