Galerie Handwerk: Keramik – geformt und gebaut

32 Künstlerinnen und Künstler aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Norwegen und Spanien ziehen mit ihren Arbeiten die Besucher in den Bann.

Die Exponate sind mit den Händen geformt oder aus Streifen und Platten zusammengebaut. Gebrauchskeramik ist kaum vertreten, dafür umso mehr Objekte, welche einfach „nur“ schön sind, manchmal sogar Ruhe ausstrahlen und zur Kontemplation einladen, und vor allem die Vorstellungskraft des Betrachters aufs Angenehmste anregen.


Bildtext: Aus hauchdünnen Porzellanstreifen zusammengesetzt und mit per Siebdruck aufgebrachten Bildern ziehen die Gefäßobjekte von Sara Dario Betrachter in ihren Bann. Foto: Galerie Handwerk

So wie etwa die Gefäßobjekte der in Venedig geborenen Sara Dario, Trägerin des Keramikpreises Diessen 2014. Ihre Objekte sind aus dünnen Porzellanstreifen zusammengefügt, auf die von beiden Seiten im Siebdruckverfahren Bilder aufgebracht wurden. Nur wer das Gefäß von allen Seiten anschaut, kann es vollkommen erfassen. Die gezeigten Objekte „Favela“ mit den aufgedruckten Häuserfassaden sollen an die chaotische Architektur der brasilianischen Favelas erinnern.


Bildtext: Sanfte organische, leicht bewegte Formen kennzeichnen die Salzbrandarbeiten von Monika Debus. Foto: Galerie Handwerk
 

Monika Debus ist auf Salzbrand spezialisiert. Ihre künstlerischen Arbeiten bewegen sich zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, organische, weiche, weibliche Formen, feine und grafische Malerei sind harmonisch vereint.

Durchaus für den Gebrauch gedacht und geeignet sind die schönen Schälchen von Jutta Becker. Sie hat sich dazu von asiatischen Take-away-Speisebehältern inspirieren lassen. Sie verwendet dünnes biegsames Kunststoff-Material für das Modell, formt es direkt mit Gips ab und kann so die gefaltete überlappende Form „einfangen“. Der Abguss der Innenfläche dient als Form zum Überformen der Tonplatten.

Bildtext: 2tütebklötze Bildtext: BU: Hinter den Porzellanvasen von Juliane Herden steckt jede Menge Philosophie: "alles ist offen, Kurswechsel möglich, wenn das Auge sagt; so nicht. … Ist der Pfad, dem ich gerade folge, ein guter? Wie viel Mehrgleisigkeit ist gut, wie viel Einschränkung?" Foto: Galerie Handwerk

„Die Herausforderung besteht immer wieder darin, sich der gewünschten Form zu nähern“, sagt die Münchnerin Christine Wagner. Sie zeigt aus Tonstreifen aufgebaute Gefäße, Behälter und Lichtobjekte. Der spröde und körnige Ton mit seiner fast sandigen Materialität ist Werkstoff und Gestaltungsmittel zugleich. 

Bildtext: Wie herausquellende Lava wirken diese Formen von Morten Lobner Espersen, das Werk heißt aber "Horror Vacui", Angst vor Leere. Foto: Galerie Handwerk
 

Die Norwegerin Idun Sira arbeitet hauptsächlich mit handgebautem Porzellan und Mischungen aus Porzellan und Terracotta. Ihre Arbeit „Ripples“ ist vom Wasser inspiriert, der Tiefe des Meeres und der Bewegungen, die Regentropfen auf einer Wasseroberfläche hervorrufen – eben „Ripples“, Wellenmuster. Der Ton ist unglasiert und bei 1260°C gebrannt.

Bildtext: Die Spanierin Maria Oriza Perez spielt mit Illusion und virtuellen räumlichen Eindrücken. Foto: Galerie HandwerkViereck auf Kopf

Farbenfroh und handfest, fast deftig sind die Arbeiten von Prof. Martin Neubert aus Weimar. Er verwendet Ton und Kunststoffe. „An den Plastiken stoßen sich beide Materialien vehement ab.“ Die farbigen Glasuren seien zur Vermittlung nötig. Im Mittelpunkt seiner Werke steht das Thema Kopf & Figur als lebendig geformtes Gegenüber.

Ein ausgesprochener Blickfang sind die Schalen der Belgierin Ann van Hoey. Sie erstrahlen in Ferrari-Rot, tatsächlich sind sie von professionellen Kfz-Fachleuten in eben diesem Ferrari-Rot eingefärbt. Grundlage sind Schalen aus dünnen Tonplatten, ein Gipsmodell dient als Stütze. Anschließend wird das Objekt durch Schneiden mittels Schere und Falten in seine charakteristische Form gebracht. 

Die Ausstellung ist noch bis zum 22. Februar 2015 geöffnet.
Doris Losch

Weitere Informationen:
www.hwk-muenchen.de/galerie

Titelbild:  In ausdrucksstarkem Ferrari-Rot leuchtet diese Arbeit der Belgierin Ann van Hoey. Foto: Galerie Handwerk