Schmuckmuseum Pforzheim mit Sonderausstellung „Erhobenen Hauptes – Kopfschmuck aus aller Welt“

Mit Perlen, Muscheln, Federn oder Stickereien werden afrikanische Hüte und Hauben verziert. Manche sind aus buntem Garn in vielfältigen Formen aufwändig gestickt oder gehäkelt.

Bildtext: Ausstellungsimpression: Kopfschmuck der Yoruba in Nigeria aus der Sammlung Klaus Paysan (linke Vitrine Mitte). Schmuckmuseum Pforzheim. Foto: Petra Jaschke

Getragen wird dieser Kopfschmuck zu feierlichen Anlässen, Festen, Totenfeiern oder bei einer Audienz in den Palästen. Er dient nicht nur zur Verzierung, sondern hat vielfache Bedeutungen. Bei manchen Gruppen zeigt er den Rang des Trägers oder hat klare Botschaften. Verheiratete Zulufrauen erkennt man an dem breitkrempigen, tellerförmigen Perlenkopfschmuck. Kameruner Frauen tragen beispielsweise bei Festen kunstvoll aufgetürmte schillernde Kopftücher. Manche Stickereien übermitteln auch kleine Nachrichten, ein rotes Viereck mit schwarzen Perlen in der Mitte bedeutet bei den Zulu, dass das überbringende Mädchen den Mann liebt. Auch die Farben haben eine Bedeutung: Grün steht für Eifersucht, gelb für Reichtum, weiß für Reinheit. Einige dieser spannenden, ethnografischen Objekte sind ab 30. November in der Ausstellung »Erhobenen Hauptes — Kopfschmuck aus aller Welt« im Schmuckmuseum Pforzheim zu sehen.

Sie stammen aus der umfangreichen Sammlung von Klaus Paysan, der als Fotograf und Forscher weit über 100 oft strapaziöse Reisen nach Afrika unternahm, um die Menschen mit ihrer Kultur und in ihrem Alltagsleben kennen zu lernen. Manchmal musste er dort monatelang auf ein Visum warten, um in ein benachbartes Land zu kommen. Als der 1930 geborene Stuttgarter 2011 verstarb, wurde in Kamerun eine traditionelle Begräbniszeremonie für ihn abgehalten, was belegt, wie sehr er dort geachtet wurde.

Bildtext (r.): Maske. Leichtes Holz; Dunkelbraun wie mit Tinte/Beize lasierend eingefärbt; Gesicht mit schwach gebundenem weißem Kaolin bemalt. Punu-Region, Gabun, Sammlung Paysan. Foto: Moritz Paysan

 

Hüte, ein sichtbares Zeichen!

Wer Mitglied in einem traditionellen Bund wird oder in einen bestimmten Rang aufgenommen wird, der bekommt im Kameruner Grasland einen speziellen Hut, dessen Form und Muster die Zugehörigkeit sichtbar machen. Diese Hüte können dann noch mit bestimmten Federn aufgewertet werden. Der Fon, so werden Könige in Kamerun genannt, vergibt beispielsweise wichtigen Leuten das Recht, eine rote Schwingenfeder des Lärmvogels am Hut zu tragen. In Bali-Nyonga sind das die Prinzen, aber auch die Menschen, die eine besonders gefährliche Arbeit verrichten. Bei den Tikar gibt es für besondere Verdienste roten Federn, oft in Kombination mit Stachelschweinsborsten. Diese können auch abstrahiert als schwarz-weiß gestreifte Stäbchen am Hut hochrangige Würdenträger kennzeichnen und werden in aufwändigen Zeremonien verliehen.

Im Schmuckmuseum Pforzheim sind im Rahmen der Sonderausstellung »Erhobenen Hauptes — Kopfschmuck aus aller Welt« neben vielen anderen Exponaten auch wichtige Objekte aus der Sammlung Klaus Paysan zu sehen, darunter eine Gussplastik, die den Kopf einer Königinmutter aus Benin mit einer netzartigen Haube aus Korallenperlen zeigt, Originalskulpturen mit detailliert dargestellten Frisuren und einige sehr farbenprächtige Kopfbedeckungen.
Ute Bauermeister

Bildtext (r.): Maske. Leichtes Holz; Dunkelbraun wie mit Tinte/Beize lasierend eingefärbt; Gesicht mit schwach gebundenem weißem Kaolin bemalt. Punu-Region, Gabun, Sammlung Paysan. Foto: Moritz Paysan

Weitere Informationen:
www.schmuckmuseum.de

Titelbild (l.): Maske. Leichtes Holz; Dunkelbraun wie mit Tinte/Beize lasierend eingefärbt; Gesicht mit schwach gebundenem weißem Kaolin bemalt. Punu-Region, Gabun, Sammlung Paysan. (r.): »Königinmutter«-Gedenkkopf mit Darstellung eines Haarnetzes aus roten Korallen Gelbguss, Foumban, Kamerun, 2. Hälfte 20. Jh., Sammlung Klaus Paysan. Fotos: Moritz Paysan