„Dorfgeschichten“ im LWL-Freilichtmuseum Detmold: Iris Berben liest „Da geht ein Mensch“

Lesesonntag: In diesem Jahr konnte das Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe in Detmold, das die Veranstaltungsreihe gemeinsam mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und der Sparkasse Paderborn-Detmold organisiert, eine der beliebtesten Schauspielerinnen Deutschlands gewinnen.

An gleich zwei Abenden, am 25. und 26. November, wird Iris Berben jeweils um 19.30 Uhr in der Museumsgaststätte "Im Weißen Ross" aus dem autobiografischen Roman von Alexander Granach "Da geht ein Mensch" lesen. Wie im vergangenen Jahr wird es am Mittwoch (26.11.) um 11.30 Uhr zudem wieder eine Schülermatinee im Detmolder Sommertheater geben.

Nach bekannten literarischen Werken wie Georg Büchners "Lenz" oder "Die Judenbuche" von Annette von Droste-Hülshoff hat das Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe mit "Da geht ein Mensch" auch in diesem Jahr ein besonderes Stück Literatur ausgewählt. "Es rührte mich an, das Leben", schreibt der 1933 ins amerikanische Exil geflohene Schauspieler Alexander Granach in seinem autobiographischen Roman. Als neuntes Kind einer frommen jüdischen Familie kämpft er sich mit atemberaubender Vitalität und großem Improvisationstalent aus der galizischen Provinz bis nach Berlin an die Schauspielschule und wird der gefeierte Theater- und Stummfilmstar der Weimarer Zeit. Alexander Granach beginnt mit sechs Jahren als Bäckergehilfe, mit zwölf zieht er wegen der ersten großen Liebe in eine andere Stadt. Dort entdeckt er die Welt des Theaters, er ist fasziniert von dieser "überwirklichen Wirklichkeit" und weiß sofort: das will ich machen. Mit 16 Jahren bricht er zum legendären Max Reinhardt nach Berlin auf. Was er dabei nie vergisst: "Da geht ein Mensch", und so ist sein Roman eine Reminiszenz an die verlorene galizische Welt. Mit Humor und Weisheit schildert er die Menschen seiner Kindheit und Jugend. "Ein Buch, das mich seit Jahren begleitet", schreibt Iris Berben.

Bildtext (v.l.): Gefion Apel, Leiterin des Referates Kulturvermittlung, Joachim Hunold, Direktor Vorstandsstab der Sparkasse Paderborn-Detmold, und Dr. Brigitte Labs-Ehlert, Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin des Literaturbüros Ostwestfalen-Lippe stellten das Programm der diesjährigen "Dorfgeschichten" im LWL-Freilichtmuseum Detmold vor. Iris Berben liest Alexander Granach "Da geht ein Mensch". Foto: LWL/Jähne

Über Iris Berben
Iris Berben gilt als eine der vielseitigsten und profiliertesten Schauspielerinnen Deutschlands, sie steht seit ihrem 18. Lebensjahr vor der Kamera. Einem breiten Publikum bekannt wurde sie in den 1970er und 1980er Jahren durch die Comedy-Serien "Zwei himmlische Töchter" und "Sketchup". In der Familiensaga "Die Guldenburgs" (1986 bis 1990) war sie als Charakterdarstellerin zu sehen und avancierte zu einer der beliebtesten deutschen Schauspielerinnen. In den 1990er Jahren entwickelt Berben mit ihrem Sohn Oliver und dem Regisseur Carlo Rola ihre inzwischen wohl bekannteste Figur, die Kommissarin Rosa Roth der gleichnamigen ZDF-Krimireihe.

Zudem spielte sie in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen unter Regisseuren wie Heinrich Breloer, Matti Geschonnek oder Doris Dörrie – sie spielt ebenso als starke Kämpferin wie verletzte Ehefrau oder als ständig alkoholisierte Verliererin. Für ihre schauspielerischen Leistungen wurde sie mit den großen deutschen Filmauszeichnungen, zum Teil mehrfach, geehrt, u. a. dem Bambi, der Goldenen Kamera, dem Grimme Preis oder dem Romy. Im Juni 2011 erhielt sie den Bayerischen Fernsehpreis für ihr Lebenswerk.

Iris Berben engagiert sich in eigenen künstlerischen Programmen (beispielsweise gegenüberstellende Lesungen aus den Tagebüchern Anne Franks und Joseph Goebbels, Lesungen unter dem Titel "Hitlers Tischgespräche aus dem Führerhauptquartier und Aufzeichnungen von Holocaust-Opfern" oder Schullesungen "Mama, was ist Auschwitz?") und in verschiedenen Initiativen (etwa "Stop the Bomb" gegen das Iranische Atomwaffenprogramm, "Gesicht Zeigen!" für ein weltoffenes Deutschland e. V, Deutsche AIDS-Stiftung). Für ihr politisches Engagement erhielt sie unter anderem das Bundesverdienstkreuz (1997, 2003) und wurde vom Zentralrat der Juden Deutschlands mit dem Leo-Baeck-Preis (2002) für ihren Kampf gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und für das Existenzrecht des Staates Israel in sicheren Grenzen ausgezeichnet.

Schülermatinee
Am Mittwoch (26.11.) liest Iris Berben im Rahmen der "Dorfgeschichten" im Detmolder Sommertheater um 11.30 Uhr für Schulklassen aus "Manja". Anna Gmeyners Roman erzählt die Geschichte von fünf Kindern und ihren Familien in den Jahren 1920 bis 1934. Der im Exil geschriebene und 1938 erstmalig veröffentlichte Roman führt mit poetisch-musikalischer Sprache auf einem detailreichen, kunstvoll komponierten Grad zwischen typisierenden Bildern und individuellem Entwurf in das Deutschland der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus.

Die Matinee wird unterstützt von der Sparkasse Paderborn-Detmold, der Stadt Detmold und dem Detmolder Sommertheater. Informationen für Schulen und Karten gibt es im Literaturbüro unter Tel. 05231-308020.
(Quelle: LWL)

Weitere Informationen:
www.literaturbuero-owl.de

Titelbild: Iris Berben liest aus Alexander Granachs "Da geht ein Mensch". Foto: Harald Hoffmann