GNM: Führung zu einem einfühlsamen Bildnis „Junges Mädchen beim Schreiben“

Die Verstandeskultur der Aufklärung fand ihre Ergänzung im 19. Jahrhundert in einer Kultur der Empfindsamkeit. Die Innensicht, die Gefühlslage eines Individuums waren in Literatur und Kunst von großem Interesse.

Das Werk schuf der Historien- und Porträtmaler Philipp Friedrich von Hetsch. Nach einem Kunststudium zog es ihn nach Paris und Rom, er schulte sich an der klassischen Antike und war mit Goethe und Schiller bekannt. Sein Gemälde zeigt ein junges Mädchen in einem schlichten Innenraum. Es sitzt an einem Tisch, auf dem ein Brief und eine Feder liegen, doch hat es mit dem Schreiben innengehalten und blickt verträumt in Richtung des Betrachters.

Großer Beliebtheit erfreute sich im 19. Jahrhundert die neue Form des Briefromans, der durch die Ich-Erzählung eine sehr persönliche Sichtweise in den Vordergrund rückte. Tagebuch- und Briefeschreiben wurden zu regelrechten Moden, was in der charmanten Darstellung Hetschs anklingt. Goethe bemerkte dazu: "Man späthe sein eigen Herz aus und das Herz der andern", so dass "bei der durchgreifenden Schnelligkeit der Taxisschen Posten, der Sicherheit des Siegels, dem leidlichen Porto" ein "sittlicher und literarischer Verkehr" entstand.

Am Samstagnachmittag soll nun das Gemälde selbst Gegenstand individueller Eindrücke und persönlicher Meinungen sein. Die Teilnahme an der Gesprächsrunde ist kostnepflichtig, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Weitere Informationen:
www.gnm.de

 

Titelbild: Philipp Friedrich von Hetsch: Junges Mädchen am Tisch sitzend, 1799, Germanisches Nationalmuseum