Niedersächsische Landesausstellung 2014: Starke Frauen: Von Jane Austen bis zur Fast-Königin

Ob Georg I., Georg Friedrich Händel oder Thomas Cook – es sind vor allem Männer, die genannt werden, wenn von der Ära der Personalunion geredet wird. Dabei haben auch Frauen in dieser wichtigen deutsch-britischen Epoche, deren 300. Jubiläum derzeit gefeiert wird, eine nicht unbedeutende Rolle gespielt: so Sophie von Hannover, Caroline von Brandenburg-Ansbach, Caroline Herschel oder Jane Austen. Sie und ihre Geschichten werden noch bis zum 5. Oktober in der Niedersächsischen Landesausstellung „Hannovers Herrscher auf Englands Thron 1714–1837“ in Hannover und Celle vorgestellt

Die Fast-Königin
Sie war bereits 70 Jahre alt als sie als Kurfürstenwitwe den Welfen in Hannover zum englischen Thron verhalf: Sophie Prinzessin von der Pfalz (1630–1714) war Enkelin von König Jakob I. und Tochter von Prinzessin Elisabeth Stuart. Sie entstammte somit der Blutlinie der englischen Königsdynastie. Da sie zugleich auch Protestantin war, erfüllte sie alle gesetzlich vorgeschriebenen Voraussetzungen für die Thronfolge und stach damit mehr als 50 Anwärter mit vorrangigen Ansprüchen aus.

Doch nicht nur ihre Abstammung und Konfession, sondern auch ihr geduldiges und strategisches Handeln legten den Grundstein für den beispiellosen Aufstieg der Welfen. Über ein Jahrzehnt hoffte die rüstige Erbprinzessin, die Thronfolge der 35 Jahre jüngeren, kinderlosen englischen Königin Anne antreten zu können. Doch am 8. Juni 1714 starb sie im Alter von 83 Jahren bei einem Spaziergang in den Herrenhäuser Gärten, die sie maßgeblich hatte ausbauen und gestalten lassen.

Bildtext (r.): Jacques Vaillant (zugeschr.):
Sophie Dorothea mit ihren Kindern Georg August(dem späteren britischen König) und Sophie Dorothea, Öl auf Leinwand, um 1690
© Residenzmuseum im Celler Schloss / Bomann-Museum Celle
Foto: Fotostudio Loeper 

Nur acht Wochen später starb in London Königin Anne, und Sophies Sohn, Kurfürst Georg Ludwig, wurde daraufhin als Georg I. zum König ernannt. Die Ausstellung „Reif für die Insel“ im Residenzmuseum im Celler Schloss stellt die Mutter der Personalunion und die Verflechtungen vor, die dazu führten, dass ein Kurfürst von Hannover plötzlich Herrscher über ein Weltreich werden konnte.

Die erste Angestellte im Wissenschaftsbetrieb
„In der Tat habe ich schon oft gedacht, dass Damen von geistiger Bildung sich besser eignen als Männer, die Wissenschaften und Künste voranzutreiben“ -– nicht nur mit seinen wissenschaftlichen Ideen sondern auch mit dieser Einstellung war Gottfried Wilhelm Leibniz, enger Freund und Vertrauter von Kurfürstin Sophie, seiner Zeit voraus. Schließlich spielten Frauen im ausgehenden 18. Jahrhundert im Wissenschaftsbetrieb eine eher untergeordnete Rolle.

Genauso begann auch die Karriere der Astronomin Caroline Lucretia Herschel (1750−1848), die 1772 ihrem nach England geflohenen Bruder Wilhelm gefolgt war und diesem zunächst den Haushalt führte. Später unterstützte sie ihn bei seinen astronomischen Forschungen und glänzte schließlich durch eigenständige Leistungen. Ihre wichtigsten Beiträge zur Astronomie waren die Entdeckungen mehrerer Kometen, die Berechnung genauer astronomischer Reduktionen und der Zonenkatalog hunderter Sternhaufen und Nebel. Nach der Entdeckung des Uranus durch ihren Bruder erhielt sie vom Hof eine Anstellung als Gehilfin ihres Bruders mit einem Gehalt von 50 Pfund im Jahr und war damit die erste bezahlte Frau im Wissenschaftsbereich. Caroline, die schon zu Lebzeiten eine Berühmtheit war und Kontakt zu Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt pflegte, war bis ins hohe Alter wissenschaftlich aktiv. Sie erhielt zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen. Kurz nach dem Tod Wilhelms im Jahr 1822 kehrte sie nach fast 50 Jahren nach Hannover zurück, wo sie im Alter von 97 Jahren starb und auf dem Gartenfriedhof beigesetzt wurde.

Bildtext (r): Caroline von Brandenburg-Ansbach, Werkstatt von Sir Charles Jervas,1727

Die Königsgemahlin
Auch Caroline von Brandenburg-Ansbach (1683−1737), Ehefrau Georgs II., war vielseitig wissenschaftlich und kulturell interessiert. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern wuchs Caroline bei

Sophie Charlotte, der Tochter von Kurfürstin Sophie von Hannover, auf. Am Hof der geistreichen Fürstin gingen wichtige Denker der Aufklärung ein und aus, darunter auch Leibniz, der ihr als väterlicher Freund sein Leben lang eng verbunden blieb. Auch mit Voltaire stand sie in regem Austausch, und den Komponisten Händel förderte sie nach Kräften. Wie kaum ein andere Königin aus dem Hause Hannover nahm Caroline aber auch Einfluss auf die Politik: Sie war eine wichtige politische Beraterin ihres Mannes, und beeinflusste ihn maßgeblich. Bei Abwesenheit des Königs wurde sie sogar anstelle des Prince of Wales als Regentin eingesetzt und führte die Staatsgeschäfte gemeinsam mit Robert Walpole, dem ersten Premierminister Großbritanniens. Zu diesem stand Caroline in intensivem Kontakt. Bei ihrem Mann hatte sie sogar die Rücknahme der vom diesem ausgesprochenen Entlassung Walpoles erwirkt. Caroline initiierte nicht nur eine Reform des englischen Strafrechts und trieb den Umbau der königlichen Gärten voran, sie gilt heute auch als die politisch einflussreichste Königin seit Elisabeth I. Und das, obwohl sie nur Königsgemahlin und nicht Herrscherin war.

Bildtext (r.): Portrait Jane Austen nach James Andrews, nach Cassandra Austen,1870

By a Lady
Mit 12 Jahren hatte sie angefangen zu schreiben, eine Tätigkeit, die bei Frauen in dieser Zeit gesellschaftlich wenig angesehen war: wie viele andere Autorinnen damals nutzte Jane Austen

(1775–1817), deren Werke noch heute beliebt sind und in unzähligen Varianten verfilmt wurden, daher ein Pseudonym: Gekennzeichnet mit „by a lady“ beschrieb sie das begrenzte Umfeld ihres

ländlichen Lebenskreises. Mit viel Feingefühl, scharfer Beobachtungsgabe und feiner Ironie gab sie in ihren Romanen Einblicke in die sozialen, menschlichen und gesellschaftlichen Eigenarten und setzte sich kritisch mit der Situation von Frauen der britischen Oberschicht zu Beginn des 19. Jahrhunderts auseinander. Auch Prinzregent Georg, der spätere König Georg IV., gehörte zu ihren Lesern und hatte die Schriftstellerin sogar zu sich in seine Residenz eingeladen. Dieser Einladung kam Jane Austen aber nicht nach. Und nur widerwillig und mit der ihr eigenen Ironie gab sie schließlich dem Druck des Prinzregenten nach, ihm ihren neuen Roman „Emma“ zu widmen. Angesicht der öffentlichen Zerrüttung des Kronprinzenpaares bezog Austen eindeutig Stellung für die betrogene Ehefrau.

Weitere Informationen:
www.royals-aus-hannover.de
 

Titelbild (v.l.): Niedersächsische Landesausstellung 2014: Caroline von Brandenburg-Ansbach, Werkstatt von Sir Charles Jervas,1727; Sophie Dorothea, Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg und Portrait Jane Austen nach James Andrews, nach Cassandra Austen,1870.