Sonntag ist Museumsfest im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg

Für Kinder öffnet vormittags die Malwerkstatt des KPZ ihre Türen. Hier können kleine Kunstfreunde ab 4 Jahren zum Pinsel greifen und ohne Eltern frei und großformatig malen. Parallel fordert Steffi Nikol Kinder und Eltern gemeinsam auf, „Tolle Teller“ erst im Museum zu bestaunen und danach selbst zu gestalten.

Ansonsten dreht sich alle um die die aktuelle Sonderausstellung „Wege in die Moderne“, die bahnbrechende Errungenschaften des 19. Jahrhunderts aufzeigt, die bis heute für uns Relevanz besitzen. Kostenlose Kurzführungen stellen den ganzen Tag lang ausgewählte Themen und einzelne Objekte näher vor. Auch Rundgänge durch die gesamte Präsentation werden angeboten. Fotos und sogar Filme der ersten Weltausstellungen Mitte des 19. Jahrhunderts lassen Staunen, mit wie viel Aufwand damals schon vermeintlich landestypische deutsche Fachwerkhäuser oder sogar das Alpenpanorama der Schweiz im Ausland nachgebaut wurden. Einheimische in Tracht mit Kühen belebten die Szenerie. Auf der Pariser Weltausstellung 1889 vermittelte der Nachbau eines Kairoer Straßenzuges mit Eseltreibern und Händlern orientalischen Charme. Von „Land zu Land“ konnte man – damals revolutionär – auf Laufbändern fahren, denn auch schon im 19. Jahrhundert waren die Areale der Weltausstellungen riesig.

Kommuniziert wurden solche Ereignisse mittels Telegramm oder den ersten Fernsprechwandapparaten, die handlichen Postkarten lösten mit der Zeit den ausformulierten Brief ab. Schon damals wurde der Postkartenstil als unhöflich kritisiert: zu kurz, zu unpersönlich, der Verlust der Schreibkultur drohe! Die heutigen Bedenken gegenüber sms und twitter sind also nicht neu. Diese modernen Medien sollen am Museumstag aber auch zum Einsatz kommen. Besucher sind aufgefordert, ein selfie von sich in der Ausstellung anzufertigen und auf die facebook-Seite des Germanischen Nationalmuseums zu stellen.


Bildtext (o.): Fächer von der Weltausstellung in Paris 1878 mit der Darstellung des neu errichteten Industriepalasts. Foto: GNM

Bei den derzeit hochsommerlichen Temperaturen sind Fächer wieder sehr gefragt. Die Sonderschau zeigt gleich mehrere ausgefallene Exemplare: Fächer von der Pariser Weltausstellung, geschmückt mit Darstellungen der Gärten und des Palastes des Trocadéro oder dem Pariser Industriepalast, der Ende des 19. Jahrhunderts mit 706m Länge als größtes Gebäude der Welt galt. Ein weiterer scheint auf den ersten Blick mit einem abstrakten schwarz-weißen Dekor versehen zu sein. Bei näherem Hinsehen erkennt man ein minuziös geschriebenes englisch-chinesisches Wörterbuch, auf dem man bei Bedarf mit scharfem Auge Vokabeln nachgucken kann. Inspiriert von diesen Exponaten können Besucher auf dem Kunstbalkon am Nachmittag Fächer selbst gestalten. Hier lädt die Kreativwerkstatt des KPZ Jung und Alt zum Mitmachen ein. Und wer sich lieber direkt abkühlt, kann auch ohne Führung entspannt durch die klimatisierten Ausstellungsräume wandeln.

Sonntag ist auch der letzte Öffnungstag der Sonderschau über die Gumbertusbibel. Aus diesem Anlass führt die Kuratorin um 14 Uhr noch einmal persönlich durch die Zusammenschau mittelalterlicher Handschriften. Auch diese Führung ist kostenfrei.
(Quelle: GNM)

Weitere Informationen:
www.gnm.de

Titelbild: Blick in die Sonderausstellung „Wege in die Moderne“. Foto: GNM