Museum Sinclair-Haus zeigt „Reisenotizen Barbara Klemm – Fotografien Johann Wolfgang Goethe – Zeichnungen“

Lesesonntag: Inspiriert von seinen Zeichnungen entstanden Fotografien, die im Museum Sinclair-Haus erstmals gezeigt und gemeinsam mit den Reisezeichnungen des Dichters ausgestellt werden. In vielen Skizzen und Tuschezeichnungen hielt Goethe die Seheindrücke der Orte und Landschaften seiner Reisen und Wanderungen fest. Bilder aus Thüringen, der Schweiz und Italien dokumentieren seine intensive Beschäftigung mit der Zeichenkunst. Mit diesen Arbeiten ist er nun Impulsgeber für eine außergewöhnliche fotografische Spurensuche.

Bildtext (l.): Barbara Klemm, Palatin, Rom, 2013

 

Barbara Klemm reiste als Bildjournalistin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung um die ganze Welt und hat – abseits der politischen Schauplätze – ein umfangreiches Konvolut von Landschaftsaufnahmen geschaffen. Sie hat dabei auch Motive fotografiert, die Goethe ebenfalls immer wieder gezeichnet hat: Wolken, Wasserfälle und Bäume. Den örtlichen und motivischen Kreuzungen will diese Ausstellung eine umfassendere Kartografie hinzufügen, deren Koordinaten Goethes Reisezeichnungen aus Deutschland, der Schweiz und Italien sind. Sie dienten als "Navigationssystem" für das Reisevorhaben von Barbara Klemm.

Goethe versuchte seinen umfassenden Blick auf das Gesehene und Wahrgenommene in kleinformatigen, farblich zurück halten den Zeichnungen zu komprimieren. Barbara Klemms Affinität zum kleinen Format und ihr konsequentes Fest halten an der Schwarz-Weiß-Fotografie schienen uns daher eine interessante zeitgenössische Position im Aufeinandertreffen mit den Zeichnungen des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts zu sein. Goethe wie auch Klemm wurden schon früh im künstlerischen Sehen geschult: Im vom Vater angeregten Zeichenunterricht skizzierte der junge Goethe vor der Natur. Auch bei Barbara Klemm, Tochter des Malers Fritz Klemm, wurde der Sinn für Bildkompositionen früh geweckt.

Bildtext (r.): Johann Wolfgang Goethe, Palatin in Rom, 1787
 

Das wache und offene Sehen animierte sowohl Barbara Klemm, als auch Johann Wolfgang Goethe zur Bewegung, zum Aufbruch in neues Gelände und damit zur Begegnung mit immer neuen Bildgegenständen, die sie in ihren Zeichnungen und Fotografien festgehalten haben.

Mit den Fotografien von Klemm und den Zeichnungen von Goethe vereint die Ausstellung jeweils zeitgemäße Medien der Reisedokumentation. Dabei gehen die beiden in der Ausstellung vereinten Konvolute über das Dokumentarische weit hinaus. Auf unverwechselbare Weise haben Johann Wolfgang Goethe und Barbara Klemm ihre Sicht auf die Welt in Bilder gefasst.
(Quelle: ALTANA Kulturstiftung gemeinnützige GmbH)

„Reisenotizen“ ist vom 16. März bis 9. Juni 2014 im Museum Sinclair-Haus in Bad Homburg v.d. Höhe zu sehen. Reisenotizen wird Anfang 2015 von der Klassik Stiftung Weimar, Kooperationspartner dieser Ausstellung, übernommen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Weitere Informationen:
http://www.altana-kulturstiftung.de

Titelbild (v.l.o.): Barbara Klemm, Villa Medici von der Spanischen Treppe, Rom, 2013. Johann Wolfgang Goethe, Villa Medici von der Spanischen Treppe aus gesehen, 1787.
(v.l.u.): Johann Wolfgang Goethe, Palatin in Rom, 1787. Barbara Klemm, Palatin, Rom, 2013