Jüdisches Museum München: Sharone Lifschitz: Smiling at You

Mittels Alltagsaktivitäten wie Reisen, Essen, Schlafen, Sprechen fächert sie die Beziehung zu einer individuellen und kollektiven Vergangenheit auf. Auf Reisen durch Deutschland von München bis Dresden, Köln und Hamburg, durch Belgien, Nordirland, UK, Israel und die USA ging Sharone Lifschitz auf die Menschen zu und plauderte, aß und trank mit ihnen. „Das Eis gebrochen“, erzählt sie bei der Eröffnung von „Smiling at you“, habe dabei jeweils „ein Lächeln und ein offeriertes Stück Schokolade“. Mit Einfühlungsvermögen, Humor und spielerischen Umgang mit Sprache schuf die 1971 geborene Künstlerin einen Jahrmarkt der Phantasie für die Betrachter.

Bildtext (r.): Speaking Germany, Two Beers and Two Salads. 2005–14. Foto: © Sharone Lifschitz Jüdisches Museum München, 2014 / Jewish Museum Munich, 2014

CiLiLove ist eine witzige Erkundung nach Liebe in der Großstadt des 21. Jahrhunderts, eine Performance mit einem Künstlerkollegen, in deren Verlauf sie einen ganzen Tag lang auf der „Circle Line“ der Londoner U-Bahn in entgegengesetzte Richtungen fährt. Exklusiv in der Münchner Ausstellung kann man an einem acht Meter langen Leuchttisch, inspiriert von der Ästhetik alter Waggons der Londoner Underground, die Haltestellen und Dialoge nachempfinden, natürlich ebenfalls in jeweils entgegengesetzten Richtungen. „The Line and the Cirlce“ dokumentiert die Zusammenarbeit Sharones mit ihrer Mutter: Gemeinsam entwickeln sie alte Negative und drucken Fotos aus, welche die Geschichte des Kibbuz erzählen, sprechen über Persönliches, Familiäres, Gemeinschaftliches.

Besonders reizvoll ist die Serie von Druckgrafiken über Menschen der französisch- und flämischsprachigen „Grenze“ Belgiens.

Viel Spaß machen die Fotos der kleinen Snacks und Mahlzeiten, bei denen die Interviews und Unterhaltungen stattgefunden haben. (Alles meistens gesundheitsbewusst: kleiner und großer Salat, Wasser …).

Bildtext (u.): Speaking Germany, Fassade Jüdisches Museum München, 2007. Foto: Wilfried Petzi. 

Als Installation präsentiert sich „Sleeping Germany“. Es erzählt die Reise per Bahn durch Deutschland mit Hilfe von Dias aus fünf Carousel-Projektoren. Lifschitz bildet Gespräche ab mit Leuten, die auf ihr Inserat „Young Yewish woman visiting Germany would like to have a conversation about nothing in particular with anyone reading this“ – geantwortet haben. Das Auftragswerk “If I Were to Forget You” ist eine Meditation über das Verhältnis zwischen dem heutigen München und den Erinnerungen von jüdischen Flüchtlingen aus dieser Stadt. In ihrer Gesamtheit weisen die Arbeiten auf mögliche Alternativen hin, wie mit Erinnerung in Deutschlands urbanen Räumen umgegangen werden kann.

Dem Münchner Publikum ist Sharone bereits dank ihrer Kunstaktion „Speaking Germany“ bekannt, die die Eröffnung des Jüdischen Museums 2007 begleitet hat und in Teilen an der Fassade des Museums weiterlebt.
Doris Losch

„Smiling at You“ wird bis zum 9. Juni 2014 gezeigt.

Weitere Informationen:
www.juedisches-museum-muenchen.de

Titelbild: If I Were To Forget You, Bertha Leverton, Kedumim, 2014. Foto: © Sharone Lifschitz. Jüdisches Museum München, 2014 / Jewish Museum Munich, 2014